MAINBERNHEIM

Informationsflut statt Bürgerdialog

Vielleicht war es – wieder einmal – das zeitgleich stattfindende Champions-League-Spiel, das viele Einwohner Mainbernheims vom Besuch der Bürgerversammlung am Mittwoch im Gasthof Zum Goldenen Löwen abhielt. Bürgermeister Peter Kraus meisterte seine erste Bürgerversammlung vor 70 Besuchern souverän.
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Abriss: Die Bauarbeiten an den Anwesen Schulgasse 5 und 7 in Mainbernheim haben begonnen. Am Kirchplatz ist kein Durchkommen. Foto: Foto: T. Lechner

Vielleicht war es – wieder einmal – das zeitgleich stattfindende Champions-League-Spiel, das viele Einwohner Mainbernheims vom Besuch der Bürgerversammlung am Mittwoch im Gasthof Zum Goldenen Löwen abhielt. Unter den 70 Besuchern, durchschnittlich jenseits der 50 Jahre, fanden sich jedenfalls nahezu sämtliche Stadträte, aber kaum junge Bürger oder welche mittleren Alters. Statt ausgeprägter Rede-Antwort-Runden, bei denen der Bürger zu Wort kommt und seine Anliegen vorbringen kann, erlebten die Mainbernheimer nahezu zwei Stunden Frontalunterricht in Sachen Stadtratsarbeit und Statistik. Dabei war das Programm sicherlich ambitioniert.

Bürgermeister Peter Kraus meisterte seine erste Bürgerversammlung souverän. Er erklärte in einem etwa einstündigen Rundumschlag unaufgeregt, volksnah und dabei detailreich und sachlich nachvollziehbar die Arbeit des Stadtrates der vergangenen Monate. Wer von den Anwesenden weder Tageszeitung noch Amtsblatt liest, weiß jetzt die wichtigsten Fakten zu Grabengärten, Radwegebau, Energiekonzept, Schule, Kindergarten oder der kommunalen Allianz ILEK.

Ein klares Statement legte Kraus zum Thema Bauen und Einwohnerentwicklung ab: Aktuell habe die Stadt nur noch drei Bauplätze und einen Doppelhausbauplatz im Angebot und berät regelmäßig über die Baulücken und Leerstände in der Altstadt. Auch wenn die Zukunft des „Städtle“ ein wichtiges Anliegen sei, wolle die Stadt auch an die Ausweisung neuer Bauplätze denken. Wenn Mainbernheim langfristig nicht unter die 2000-Einwohner-Grenze rutschen will, müsse man zweigleisig fahren. Derzeit habe Mainbernheim 2226 Einwohner mit Haupt- und 122 mit Nebenwohnsitz. Die Einwohnerzahl sei innerhalb von zehn Jahren um etwa 100 zurück gegangen. Hätte man das Neubaugebiet Rödelseer Straße nicht erschlossen, in dem heute rund 160 Menschen leben, sehe die Bilanz düsterer aus.

Kraus sprach auch den Umbau der Gebäude Schulgasse 5 und 7 an, wo ein Veranstaltungsraum mit öffentlicher Toilette sowie eine Radlerherberge entstehen soll. Eine „Maßnahme, die nicht überall auf Zustimmung gestoßen ist“, wie der Bürgermeister zugab. Er versicherte der Versammlung, dass der Stadtrat verschiedene Nutzungsmöglichkeiten in Betracht gezogen habe. Abreißen wollte man nicht und hätte es auch selbst bezahlen müssen, die Förderung für eine Weiternutzung als Mietwohnung wäre verschwindend gering ausgefallen. Die evangelische Kirche hatte sich nach erster Interessenbekundung für eine Verwendung als Pfarrhaus auch wieder zurückgezogen. „Wir haben bisher keinen Veranstaltungsraum in dieser Größe und brauchen auch eine Versorgungsmöglichkeit für Feste innerhalb der Stadt. Der Radlertreff wird ein Alleinstellungsmerkmal und touristischer Anlaufpunkt sein“, versicherte Kraus.

180 000 Euro sind im Haushalt für die Behebung von Kanalschäden vorgesehen. Instand gesetzt werden soll der Weg Am Wehrgang. Kraus habe hierzu erfolgreich Gespräche mit der Regierung von Unterfranken geführt. Als wichtiges Thema für den Stadtrat bezeichnete Kraus die Bereitstellung altersgerechter Wohnungen, wofür man derzeit Investoren suche.

Im Anschluss fragte der Bürgermeister in die Runde, ob es seitens der Bürger Anmerkungen zu den Ausführungen gebe, oder ob die Fragen am Ende der Versammlung geklärt werden sollen. Schweigen im Saal. Vielleicht hatten die Mainbernheimer nicht damit gerechnet, dass der Vortrag von Städtebauplanerin Yvonne Slanz eine geschlagene Dreiviertelstunde dauern sollte. Nach einem Füllhorn an Statistiken, Diagrammen und Auswertungen der sicherlich gehaltvollen Arbeit der Ingenieurin des Bamberger Büros transform, hatte so mancher sichtlich mit dem Schlaf zu kämpfen und das Gros augenscheinlich wenig Lust, noch Themen näher zu hinterfragen.

Zur Sprache kamen lediglich ein paar Beispiele zum alt bekannten Aufreger „Parken in der Altstadt“. Gartenpächterin Frieda Biener und „Obstler“-Vorsitzender Franz Lindenthal wollten wissen, warum der neue Gehweg entlang der Grabengärten gar so hoch liegt, dass man nur schwer beladen in den anliegenden Garten kommt. Bürgermeister Kraus versprach, sich bei der nächsten Baubesprechung der Sache anzunehmen und lud Lindenthal zum Mitkommen ein.

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