Schwarzach am Main
Vitalitätscheck

In die Schwarzacher Altorte soll mehr Leben

Im Vergleich zu allen anderen Orten hat Schwarzach zwar die wenigsten Leerstände, trotzdem ist bei der Ausweisung neuer Baugebiete Vorsicht geboten, damit die Altorte für junge Leute interessant bleiben.
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Leer stehende oder sanierungsbedürftige Gebäude in den Altorten, wie dieses Anwesen in der Schwarzenauer Mainstraße, sind in dem neuen Vitalitätscheck des Marktes Schwarzach aufgelistet und mahnen zum Handeln. Foto: Pfannes
Leer stehende oder sanierungsbedürftige Gebäude in den Altorten, wie dieses Anwesen in der Schwarzenauer Mainstraße, sind in dem neuen Vitalitätscheck des Marktes Schwarzach aufgelistet und mahnen zum Handeln. Foto: Pfannes
Die Baulücken in den Ortschaften schließen und versuchen, die Leerstände innerhalb der Wohnbebauung zu beseitigen - so lautet die Empfehlung von Hans-Peter Burger an den Schwarzacher Marktgemeinderat.

Schwarzach habe mit 3,2 Prozent die niedrigsten Leerstände im Landkreis Kitzingen, dennoch dürfen nach Burgers Ansicht nicht ohne weiteres neue Baugebiete auf der grünen Wiese geplant werden, bevor man alles getan hat um die Baulücken in den Ortsteilen zu schließen. Der Städteplaner vom Architekturbüro Konrad und Burger aus Dettelbach war vom Gemeinderat mit der Erstellung eines "Vitalitätschecks" zur Innenentwicklung der Großgemeinde beauftragt worden.

Burger überreichte am Dienstagabend in der Sitzung des Gemeinderats Bürgermeister Lothar Nagel (FCW) das fertige Arbeitspapier, das Schwarzachs Ortsteile für die Zukunft fit machen soll. Bei künftigen Entscheidungen des Gemeinderats sollen die aus dem Vitalitätscheck gewonnenen Erkenntnisse mit in die Überlegungen einfließen.

Altorte im Blick haben

"Wir dürfen den Blick auf unsere Altorte nicht verlieren", sah das Gemeindeoberhaupt einen wichtigen Aspekt für künftige Planungen. Die Altorte müssen für jungen Leute interessant gemacht werden, ist laut Nagel eines der großen Ziele für die Zukunft. Über die Versuche der Gemeinde, vorhandene Baulücken privater Grundeigentümer zu schließen, müsse die Verwaltung Nachweise führen, um später bei Anträgen an die Regierung von Unterfranken gewappnet zu sein. "Sie müssen zeigen, dass sie alles versucht haben", gab Burger die Devise an die Verantwortlichen der Kommune aus. Und Nagel pflichtete ihm bei: "Wir müssen bei der Ausweisung neuer Baugebiete maßvoll vorgehen."

Die aktuellen Stärken und Schwächen in den Altorten und in den Siedlungsgebieten waren in den vergangenen Monaten in verschiedenen Arbeitskreisen erarbeitet worden. "Wie ist der aktuelle Stand in unserem Dorf und was ist verbesserungsfähig?", lautete die Aufgabenstellung für die Teilnehmer der Workshops. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind ebenso in dem Vitalitätscheck beinhaltet wie eine Prioritätenliste für die nächsten Jahrzehnte. Bürgermeister Nagel dankte den Arbeitskreisen in den Ortsteilen, die das Architekturbüro beim Fitnesstest in den letzten Monaten tatkräftig unterstützten. "Ihre Ideen schlagen sich in den Ergebnissen des Büros nieder", so das Gemeindeoberhaupt.

Hans-Peter Burger führte die Untersuchungen gemeinsam mit Kollegin Christine Konrad in den Altorten und in den Wohnsiedlungen. "In beiden Bereichen drohen in den nächsten 20 Jahren erhebliche Leerstände", sagte Burger. Das größte Problem sei der Erhalt der Bausubstanzen in den Ortskernen.

Bei der Entwicklung der Bevölkerung könne Schwarzach in den vergangenen zehn Jahren Zuwächse verbuchen, hauptsächlich bedingt durch die neu ausgewiesenen Baugebiete "An der Aspel" in Gerlachshausen, "Weinbergsgrund" in Schwarzenau und "Am Seewasen" in Stadtschwarzach. Auch für Düllstadt ermittelte Burger im Vergleich zu den Durchschnittsgemeinden in Bayern günstige Werte.

Dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich leer stehender Gebäude in den Altorten sieht er in Schwarzenau und Münsterschwarzach. Nach seiner Ansicht sollte die Gemeinde Anreize schaffen, damit alte Scheunen und Ställe zu Wohnraum umfunktioniert werden. "Die steigende Attraktivität führt dazu, dass die Leute gerne im Altort leben", weiß Burger. Auf alle Fälle sollte nach seiner Meinung das Ortsbild erhalten bleiben und weiterentwickelt werden. Durch neue Baugebiete an den Ortsrändern von Gerlachshausen, Stadtschwarzach und Schwarzenau entstehe eine starke Konkurrenzsituation, welche die Innenentwicklung der Ortsteile gefährde.

Bedarf für Einheimische decken

Weil in Düllstadt und Hörblach aktuell keine Möglichkeiten für junge Familien vorhanden sind sich ein Nest einzurichten, hatte Burger bereits in der Bürgerversammlung im vergangenen Dezember für diese beiden Ortsteile die Schaffung kleinster Baugebiete vorgeschlagen, um zumindest den Bedarf für die Einheimischen zu decken.
Burgers Vitalitätscheck enthält auch Aussagen über die Entwicklung der Bevölkerung sowie die Kartierung von Baulücken und aktuellen Bausubstanzen. Der Städteplaner richtete abschließend einen Appell an das Gremium: "Nehmen Sie bitte die Anregungen und Ergebnisse der Arbeitskreise bei künftigen Entscheidungen ernst."" Pläne und Grafiken zum Vitalitätscheck der Dorferneuerung kann jeder Bürger auf der Homepage der Gemeinde www.schwarzach-main.de einsehen.


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