Eine ganz normale Schulklasse im Jahr 1937. In der vordersten Reihe auf dem Klassenfoto sitzt ein siebenjähriger Mainbernheimer Junge zwischen seinen Schulkameraden - er heißt Heinz Hausmann. Ein Jahr später, am 9. November 1938, wird der kleine Heinz aus der Schule gejagt. Er hat nichts angestellt, seine Familie gehört lediglich dem jüdischen Glauben an. Schulkameraden von damals können sich noch erinnern, wie der Junge an diesem Tag weinend durch das Städtchen nach Hause in die Klostergasse 10 gelaufen war und die Familie in der Folgezeit immer mehr Ausgrenzung erfahren musste. Am 29. November 1941 wurden die Hausmanns schließlich zunächst nach Nürnberg und von dort in das Konzentrationslager nach Riga Jungfernhof deportiert. Heinz durfte seinen zwölften Geburtstag im April 1942 nicht mehr erleben. Er wurde am 26. März gemeinsam mit seiner kleinen Schwester Rosi bei der "Aktion Dünamünde" unter Leitung der Sicherheitspolizei im Wald von Bikernieki erschossen. Ihr Vater, der Viehhändler Siegmund Hausmann fand im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig den Tod.
Nach Arbeiten in Wertheim, Mainstockheim und Kleinlangheim kam der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am Freitag ein weiteres Mal auch nach Mainbernheim, um auf Einladung der Stadt im Rahmen seines Kunstprojektes "Stolpersteine" drei Gedenksteine in den Asphalt vor dem Anwesen in der Klostergasse 10 einzulegen. Sie sollen an das Schicksal des Jungen und seiner Familie erinnern. Mit der Verlegung der letzten drei Gedenksteine hat die Stadt Mainbernheim gemeinsam mit dem SPD-Ortsverein einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung ihrer Vergangenheit unternommen. Insgesamt ein Dutzend Stolpersteine halten in dem Städtchen nun das Gedenken an das Unrecht wach, das Mitbürger zur NS-Zeit erleiden mussten.
"Wir wollen dazu stehen, nicht im Verborgenen handeln", sagte Mainbernheims Bürgermeister Karl Wolf. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisung, wie aus den Reihen der etwa zwölf anwesenden Bürger, darunter Zeitzeugen der damaligen Ereignisse, zu hören war. Vielmehr gehe es darum, die Erinnerungen im Sinne künftiger Generationen wachzuhalten. So verziehen die Anwesenden auch die etwa einstündige Verspätung des Künstlers, die daher rührte, dass kurz zuvor in Mainstockheim nicht wie geplant alle Steine zügig verlegt werden konnten.
Insgesamt hat Demnig im Rahmen seines nicht unumstrittenen Projektes seit 1996 inzwischen mehr als 32 000 der mit einer verankerten Messingplatte versehenen Betonsteine verlegt, seit einiger Zeit auch europaweit. Dabei ist ihm wichtig, dass das Andenken nicht ausschließlich jüdischen Mitbürgern, sondern allen Opfern von Willkür und Gewalt wie politisch Verfolgten, Homosexuellen, Euthanasieopfern und anderen Minderheiten gilt. Die Initiative zur Verlegung der Steine komme stets aus den Orten selbst oder von Angehörigen der Opfer, so Demnig. Und so ist sein Terminkalender voll. Bis zu einem Jahr Wartezeit müssen Anfragende einplanen, die Stadt Mainbernheim hatte bereits im Frühjahr diesen Jahres ihre Anfrage gestellt. Die Aktion "Stolpersteine" gilt als weltweit größtes dezentrales Mahnmal.