Wiesenbronn
Radsport

In Rekordzeit über Irlands Insel

Das Race Around Ireland gilt als Europas härtestes Langstrecken- Einzelzeitfahren. Der Wiesenbronner Bernd Paul gewann diesen Wettbewerb in Rekordzeit.
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Bernd Paul ist glücklich, er stellte sich der Herausforderung, beim Worldcuprennen die Insel Irland - rund 2200 km und bei gleichzeitig 24 500 Höhenmetern - einmal nonstop zu umrunden. Und das als Sieger in einer Rekordzeit.

Nach vier Tagen, zehn Stunden und 14 Minuten fuhr der Wiesenbronner, der heute seinen 43. Geburtstag feiert, über neun Stunden vor dem Zweitplazierten, Jim Fitzpatrick (Irland), und über zehn Stunden vor dem Dritten, Jan Larsen (Dänemark), über die Ziellinie. Nur fünf der 14 Starter kamen überhaupt an. Paul unterbot den bisherigen Streckenrekord, der auf einer 60 km kürzeren Runde absolviert wurde, um knapp zwei Stunden.

"Mit diesem Abschneiden bin ich sehr glücklich und außer einer Sehnenreizung in der linken Hand - verursacht durch das häufige Schalten - bin ich schadlos geblieben", freut sich der Radsportler. Zur Herausforderung der Strecke gesellten sich eine komplizierte Navigation aufgrund kleiner und abseits gelegener Straßen, die damit bedingten schlechten Straßenverhältnisse sowie die stets unberechenbaren irischen Witterungsbedingungen.
Den Wiesenbronner Extremsportler begleitete seine Crew, bestehend aus den Langstreckenspezialisten David Misch (Österreich) und Julian Eisenbeis, sowie dem Medizinstudenten Sandro Canonica (Schweiz). Auch sein langjähriger Begleiter und Crewchef, Dieter Göpfert, hatte sich auf dieses Abenteuer eingelassen.


Schichtbetrieb zur Unterstützung


Die Aufgaben der Mannschaft bestanden im Wesentlichen in einer Sicherstellung von ausreichender Nahrungsaufnahme, der richtigen Navigation sowie einer live Berichterstattung und mentalen Unterstützung. Da eine Versorgung rund um die Uhr zwingend war, wurde ein Schichtbetrieb notwendig. Dazu folgten Paul ständig zwei Personen direkt im Begleitfahrzeug, während die beiden anderen im Wohnmobil vorausfuhren, um etwas Schlaf zu finden.

20:18 Uhr, am Sonntag. 9. September, fiel der Startschuss vor den Toren von Trim Castle, welches bereits als Filmkulisse für "Braveheart” gedient hatte. Als vorletzter von 14 Solostartern aus acht Nationen, machte sich Paul auf die Strecke Richtung Nordirland. Trotz länger andauernder Regenschauer ging die Fahrt zügig voran, wobei das Feld anfangs noch relativ dicht beieinander lag. "Auf dem Weg zum Giant's Causeway (berühmt für die 40 000 gleichmäßig geformten Basaltsäulen), konnte ich bereits die Führung des Feldes übernehmen, obwohl ich mich zur Schonung der Kraftreserven an meinem Leistungsmesser hielt. Immer wieder aufkommender Regen hat mich - als Irland-Erfahrener - kaum behindert, da ich mich darauf eingestellt hatte", so Paul.

Relativ sichere Führung


Nach rund 400 Kilometern erreichte er den nördlichsten Punkt, Malin Head. Da dieser Punkt auf einer Wendestrecke angesteuert wird, konnte durch die entgegenkommenden Mitbewerber der ungefähre Abstand abgeschätzt werden. Hier hatten Pauls direkte Verfolger, Donncha Cuttriss, Jan Larsen und Eoin Ryan bereits einem Rückstand von 40 bis 60 Minuten. Jedes Mal, wenn eine Internetverbindung möglich war, konnte der genaue Stand der Konkurrenz abgerufen werden, da jeder Fahrer mit einemTracker ausgestattet war. Nach 610 km, bei Sligo, lagen die direkten Verfolger bereits zwischen eineinhalb und drei Stunden hinter dem Wiesenbronner.

In Rückstand geraten


Im weiteren Verlauf der zweiten Nacht machten Paul die widrigen Bedingungen - vier bis sechs Grad Celsius und immer wieder sehr starke Regengüsse - zu schaffen. Das hatte viel Zeit gekostet und er konnte seine erste Schlafpause nicht durchführen: "Ich war ausgekühlt und erschöpft. Ich hatte mehr als die Lust verloren und es ist nur meiner Crew zu verdanken, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht ausgestiegen bin."

Nachdem er endlich eine Ruhepause einlegen konnte, ohne aber Schlaf zu finden, nahm er langsam Fahrt auf. Mittlerweile lag er nach 830 km zweieinhalb Stunden in Rückstand. Erst danach konnte er seinen Schalter im Kopf umlegen. Zu Beginn der dritten Nacht, nachdem Bernd Paul den Spanish Point passiert hatte, konnte er wieder die Führung übernehmen. Nach dem Passieren der Timestations Limerick und Killarney brachte der dritte Tag einen landschaftlich schönen und gleichzeitig auch anspruchsvollen Rennabschnitt. Im Ring of Kerry mussten sechs längere und bis zu 25 Prozent steile Steigungen überwunden werden. "Dies hat mir aufgrund meiner vorhandenen Kraftreserven jedoch viel Spaß bereitet und so konnte ich die Führung weiter ausbauen."

Team motiviert


Nach 1 510 Kilometern, bei Mizen Head, besaß Paul am südlichsten Punkt schon fünfeinhalb Stunden Vorsprung. Da habe sein Team ihn als Motivation den Streckenrekord in Aussicht gestellt: "Am letzten Berg vor dem Ziel in Navan hat mich meine Crew nochmals richtig angefeuert, indem sie neben mir hergelaufen ist."

Nach dem Verzicht auf eine längere Schlafpause in der fünften Nacht erreichte der Extremsportler Navan um 6:32 Uhr. "Während meiner ganzen Fahrt hat meine Crew über das Internet immer wieder meine Statusmeldungen über Facebook abgegeben.

Die durch meine Freunde erhaltenen Anfeuerungen haben mich sehr motiviert. Auch konnte ich Kraft aus den irischen Passanten schöpfen, die eigens zur Strecke gefahren sind", freute sich Bernd Paul.






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