GEISELWIND

In Geiselwind ist Feiertagsruhe

„In den letzten Jahren war das oft komisch. Die Banken hatten zu, die Geschäfte meist geöffnet, die Leute wussten ja gar nicht, was los ist“, beschreibt Joachim Müller, Inhaber der Bäckerei am Geiselwinder Marktplatz, die Situation an Mariä Himmelfahrt in der Vergangenheit. Am Freitag bleiben die Läden nun ganz offiziell geschlossen, denn an Mariä Himmelfahrt ist in Geiselwind ab jetzt Feiertag.
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Feiertagsruhe: In Geiselwind sind am Freitag erstmals die Geschäfte und Behörden geschlossen. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

„In den letzten Jahren war das oft komisch. Die Banken hatten zu, die Geschäfte meist geöffnet, die Leute wussten ja gar nicht, was los ist“, beschreibt Joachim Müller, Inhaber der Bäckerei am Geiselwinder Marktplatz, die Situation an Mariä Himmelfahrt in der Vergangenheit. Am Freitag bleiben die Läden nun ganz offiziell geschlossen, denn an Mariä Himmelfahrt ist in Geiselwind ab jetzt Feiertag.

Grund dafür sind die Zahlen der Volkszählung von 2011 (siehe Infobox), nach denen mehr Katholiken als Lutheraner in der Gemeinde leben. Beim vorangegangenen Zensus aus dem Jahr 1987 war das noch umgekehrt. Damit wird im Landkreis am Freitag in 17 Gemeinden inklusive Kitzingen gearbeitet, in 14 ist Feiertagsruhe angesagt.

„Insgeheim war Mariä Himmelfahrt in Geiselwind schon immer ein Feiertag.“
Ernst Nickel, Bürgermeister

„Insgeheim war Mariä Himmelfahrt in Geiselwind schon immer ein Feiertag“, sagt Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel. Für die Stadt und seine Einwohner ändert sich seiner Meinung nach mit dem neuen Feiertag nicht allzu viel. Da die 16 Gemeindeteile überwiegend evangelisch seien und die Stadt von Katholiken dominiert, hätten die Geschäftsleute ihre Läden in den vergangenen Jahren eher nach Gutdünken geöffnet oder geschlossen, so der Rathauschef.

Hört man sich bei den Geschäftsleuten um, bestätigt sich die Aussage des Bürgermeisters. Hildegard Hagen vom Sägewerk im überwiegend evangelischen Ortsteil Wasserberndorf sagt: „In den letzten Jahren wurde bei uns gearbeitet. Diesmal machen wir frei, es ist derzeit wegen der Ferien eh nicht so viel los. Das stört nicht, die Gemeinden in unserer Nachbarschaft wie Aschbach oder Schlüsselfeld haben sowieso schon immer Feiertag.“

Und Doris Müller Kern von Elek-trotechnik Müller in Geiselwind teilt mit: „Nachdem wir Unternehmer das selbst entscheiden können, haben wir auch in den letzten Jahren Feiertag gehalten.“ Sie ist Vorsitzende des Gewerbeverbands My Geiselwind und erklärt, dass es unter den Geschäftsleuten wegen des neuen Feiertags keine große Aufregung gegeben habe.

Flexibilität bewies das Fuhrunternehmen Dotterweich im Ortsteil Gräfenneuses. „Wer Urlaub wollte, der konnte einen Tag freinehmen. Der Rest hat gearbeitet“, informiert Hiltrud Hümmer. Ihre Meinung sagt Cornelia Seitz von der Firma Metallbau Kanler und Seitz. „Ich finde es blöd, einmal sind es mehr Katholiken, einmal mehr Protestanten“, und sie fügt hinzu: „Jetzt ist es ein bezahlter Feiertag, da bleibt uns nichts anderes übrig.“

Ob Feiertag oder nicht, das spielt beim größten Arbeitgeber der Gemeinde Geiselwind, dem Autohof Strohofer keine Rolle, meint Ruth Strohofer. „Wir sind ein Unternehmen mit Autohof, Gastronomie und Hotel, das 365 Tage im Jahr rund um die Uhr offen hat – auch an Feiertagen. Bestimmte Geschäftsteile sind immer besetzt, auch am 15. August. Die Metzgerei oder unsere Werkstatt sind aber geschlossen.“

Weil viele Durchreisende den Feiertag am 15. August nicht kennen, sei ihnen schwer zu vermitteln, dass teilweise zu ist, berichtet die Unternehmerin. „Wenn jemand aus dem Ausland etwa an seinem Auto oder Lastwagen eine Reparatur benötigt und dann vor verschlossener Türe steht, versteht er die Welt nicht mehr.“ Das könnte auch am Freitag geschehen, meint sie.

Im übrigen Landkreis und in Kitzingen hat der Zensus nichts verändert. Wie in der Vergangenheit kann im überwiegend evangelischen Kitzingen an Mariä Himmelfahrt durch die Läden gebummelt werden. Zum ersten Mal organisiert der Stadtmarketing-Verein bei schönem Wetter ein Picknick auf der Alten Mainbrücke.

Jörg Engelbrecht, Chef des Einwohnermeldeamtes, meint, dass in nächster Zeit nicht mit einer neuen Volkszählung zu rechnen sei. Grund hierfür seien auch die hohen Kosten einer solchen Maßnahme. Der neue Feiertag ist den Geiselwindern für die nächsten Jahre also wohl sicher.
 

Die Volkszählung von 2011

In Bayern ist nach der Volkszählung von 2011 laut dem Bayerischen Feiertagsgesetz in 1707 von 2056 Gemeinden Feiertag angesagt, im Landkreis Kitzingen in 14 von 31 plus Kitzingen. Die Kreisstadt hat laut Jörg Engelbrecht, Chef des Einwohnermeldeamts, 7509 katholische und 8289 evangelische Einwohner. Damit sei die Zahl der Katholiken im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken, während bei den Lutheranern ein leichtes Plus zu verzeichnen ist.

Dass Mariä Himmelfahrt in Geiselwind Feiertag wird, war nach der Zählung vom 9. Mai 2011 klar (1080 katholische/1035 evangelische Einwohner). Allerdings musste noch das Widerspruchsverfahren zum Zensus abgewartet werden, bevor nun heuer erstmals offiziell Feiertag ist. hela

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