KITZINGEN

Im Zeichen der Menschlichkeit

Es ist keine leichte Aufgabe, der sich diese Frauen und Männer stellen. Gerufen werden sie bei Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten, nach Suiziden oder Leichenfunden, aber auch nach überraschend eingetretenen Sterbefällen. Es geht um die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), besser bekannt als Notfallseelsorge.
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Gut erkennbar: Notfallseelsorgerin Johanna Meinzinger-Stegmeier präsentierte im März die neue (links) und die alte Warnweste der PSNV. Foto: Archivfoto: Robert Haaß

Es ist keine leichte Aufgabe, der sich diese Frauen und Männer stellen. Gerufen werden sie bei Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten, nach Suiziden oder Leichenfunden, aber auch nach überraschend eingetretenen Sterbefällen. Es geht um die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), besser bekannt als Notfallseelsorge.

Aufgabe der Kriseninterventionsteams ist es, Einsatzkräften und von Notfällen betroffenen Menschen wie Verletzten, Angehörigen, Hinterbliebenen, Augenzeugen und Ersthelfern bei der Verarbeitung der Erlebnisse zu helfen und ihnen Hilfsangebote zu machen. Dazu kommt die Beratung der Führungskräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei und Rettungsdiensten im Konfliktmanagement, bei der Trauma- und Stressprävention sowie die Vorbereitung und Durchführung von Ausbildungen.

Rund 20 Haupt- und Ehrenamtliche in der Stadt und im Landkreis haben sich dieser Aufgabe verschrieben. Es sind evangelische und katholische Seelsorger sowie ehrenamtliche Mitglieder von Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten. Einer von ihnen ist Diakon Holger Dubowy-Schleyer, der auch aktives Mitglied der Kitzinger Feuerwehr ist. 82-mal wurde die Notfallseelsorge 2013 alarmiert, berichtet Dubowy. Das ist ein neuer und zugleich trauriger Rekord, denn hinter jedem dieser Einsätze verbergen sich menschliche Schicksale, Trauer und Leid.

1996 bei der Gründung der Notfallseelsorge wurde deren Hilfe fünfmal in Anspruch genommen. Vor zehn Jahren rückten die Teams 38 mal aus, so Dubowy.

Im Jahr 2013 wurden die Notfallhelfer 30-mal vom Roten Kreuz angefordert. 16-mal bat die Polizei um Unterstützung, 22-mal die Feuerwehren. 15-mal stehen die Einsätze unter der Rubrik „sonstige Anforderungen“. 46 Einsätze fanden innerhalb des Landkreises statt, 23-mal wurden die Teams bei Unglücken außerhalb des Landkreises angefordert. Das Netz der PSNV ist bayern- und bundesweit eng gestrickt und vereinheitlicht, berichtet Dubowy.

So betreuten Helfer bei der Hochwasserkatastrophe in Deggendorf Betroffene und Einsatzkräfte. Letztere belastete oft die Erkenntnis, dass sie angesichts des Ausmaßes dieses Naturereignisses, zusammen mit denjenigen, die alles verloren haben, im selben Chaos standen und oft auch als Helfer weitgehend hilflos waren.

Rund zehnmal mussten Mitglieder der PSNV zusammen mit der Polizei, Familien und Angehörigen nach Bränden, Unfällen oder Suiziden eine Todesnachricht überbringen, berichtet der Notfallseelsorger. Noch häufiger wurden die Männer und Frauen gerufen, wenn der Notarzt bei einem Patienten nur noch dessen Tod feststellen konnte. „Häuslicher Einsatz in . . . “ steht am Jahresende nüchtern in der Statistik. Dazu kam die Betreuung von Betroffenen nach Verkehrsunfällen oder Bränden.

Mitschüler und Lehrer geschult

Besonders gefordert waren die Mitglieder der PSNV im Mai 2013 nach dem Selbstmord eines Jugendlichen in Kitzingen im Mai und nach einem Tötungsdelikt im März in Sulzfeld. „Wir mussten die Angehörigen verständigen und betreuen. Wir führten am nächsten Tag Beratungsgespräche mit den Lehrern und der Schulleitung, kümmerten uns um Freunde und Mitschüler des Opfers und begleiteten auch die Beisetzung“, erinnert sich Dubowy. In Sulzfeld wurden Mitschüler und Lehrer unter anderem auch im Umgang mit allzu aufdringlichen Medienvertretern geschult.

Manchmal kommt es auch zu kuriosen Einsätzen: Ein Autofahrer, der im Mai 2013 auf der B 8 zu schnell unterwegs war, geriet in eine Radarkontrolle. Auf den drohenden Führerscheinentzug reagierte er mit einem Kollaps, die Notfallseelsorger waren im Einsatz, berichtet Dubowy.

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