Iphofen

Im Tourismus steckt mehr Potenzial als gedacht

Eine neue Studie zeigt: Iphofen hat seinen Gästen aus nah und fern viel zu verdanken. Doch damit dies so bleibt, dafür ist einiger Aufwand nötig.
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Nicht nur Großveranstaltungen, wie der Weinkulinarische Spaziergang, bringen Tagestouristen nach Iphofen. Foto: Carmen Lechner
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"Hätten wir unseren Weinbau und Tourismus nicht, Iphofen wäre ein kleiner, netter Ort mit vielleicht einer Dorfwirtschaft." Diesen Satz von Claudia Bellanti muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Freilich ist sie Leiterin der Tourist Information (TI) der Stadt Iphofen, doch wählt sie dieses Bild nicht taktierend. Sie ist merklich geplättet von den Aussagen, die das deutsche wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) an der Uni München vor kurzem über die Stadt und deren touristisches Profil getroffen hat. Die Fakten, die das renommierte Institut vorlegt, sprechen eine deutliche Sprache, die die Iphöfer froh, aber auch nachdenklich stimmen können.

Zahl der Übernachtungen nähert sich der Grenze von 70 000

Im Jahr 2011 hatte Iphofen das dwif letztmals zu Gast. Für die aktuelle Studie wurden amtliche Statistiken, Gutachten und Einschätzungen von Experten vor Ort ausgewertet und Entwicklungen bis Ende 2017 nachgezeichnet. Was in die offizielle Beherbergungsstatistik nicht einfließt, sind beispielsweise Zahlen gewerblicher wie privater Vermieter, die weniger als zehn Übernachtungsbetten vorhalten. Hier zeigt sich die erste Überraschung: Rund 66 000 Übernachtungen wurden für das Jahr 2017 verzeichnet. In der amtlichen Statistik, die aus den Meldungen der Betriebe erhoben wird, tauchen seit 2011 Jahr für Jahr immer nur rund 50 000 Übernachtungen auf. "Nicht erfasst werden beispielsweise die Camper, die mit ihrem Wohnmobil nach Iphofen kommen", sagt Bellanti. Auch in den kalten Monaten trifft man regelmäßig Wohnmobile auf dem Parkplatz vor der Stadtmauer an.

Im Vergleich zu 2011 ist laut dwif die Zahl der Tagesbesucher um ein Drittel gestiegen. Die TI-Leiterin sieht darin ein Zeichen dafür, in den vergangenen Jahren Weichen richtig gestellt zu haben: "Die Gäste kommen nicht nur mit dem Auto oder der Bahn aus den größeren Städten, sondern großteils auch aus dem Landkreis." Dass mit dem Knauf-Museum ein attraktives Haus für Kunst- und Kulturinteressierte vor Ort sei, oder mit den Traumrunden sowie den Naturerlebnis-Wegen rund um Wolfsee oder Hutewaldweg im Iphöfer Umland Naturfans angesprochen werden, sei ein großer Gewinn. "Der Landkreisbürger erwandert sich die Heimat neu", sagt Bellanti mit Blick auf den stärker werdenden Binnentourismus.

Tagesaktueller Plan informiert Touristen über Angebote

Die Tourist Info bilde für die Gäste sowie für heimische Winzer, Gastronomen und Geschäftswelt einen "kommunikativen Knoten". Zu Wochenbeginn liegt etwa ein Plan parat, auf dem der Tourist schnell sieht, wo und wann er eine Kleinigkeit essen oder eine Führung machen kann. Die Iphöfer Betriebe würden mittlerweile meist vorbildlich ihre Termine melden, auch kurzfristige Änderungen. So gebe es einen tagesaktuellen Plan zusätzlich. Und soziale Medien kommuniziere man Themen nahezu in Echtzeit.

Noch eine Zahl ist interessant: In Iphofen und seinen Stadtteilen arbeiten laut dwif 410 Personen in Vollzeit im Bereich Tourismus – hochgerechnet auf ein Einkommensäquivalent von rund 27 000 Euro Jahresgehalt pro Kopf. Es könnten also auch ein paar Teilzeitstellen und damit noch mehr Beschäftigte dabei sein. "Erfasst werden hierbei zum Beispiel auch bei kleinen Betrieben die Winzersfrau, die im Betrieb mitarbeitet und die Betten in den Gästezimmern macht, während der Mann im Keller ist", erklärt Bellanti. Indirekt vom Tourismus abhängig seien zudem vom Bäcker über den Fliesenleger bis hin zum Drucker noch weitaus mehr Menschen in Berufen, die für den Tourismus zumindest teilweise arbeiten.

Im Tourismus wird die Kooperation gesucht

2,3 Millionen Euro "touristisches Steueraufkommen" haben die dwif-Experten für Iphofen berechnet. "Eine Zahl, die sich für ein größeres mittelständisches Unternehmen sehen lassen könnte", meint Bellanti. Ein ernst zu nehmende Faktor auch für künftige Generationen von Erwerbstätigen. Sowie für Eigentümer von Gasthöfen oder Winzerbetrieben ein Argument, zu investieren. Um den Tourismus zu pflegen, schaue man ständig über den eigenen Tellerrand. Es gebe teils enge Kooperationen mit touristischen Vereinigungen wie den "Gastlichen Fünf", suche aber auch Synergieeffekte mit anderen Partnern.

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