Vor drei Jahren hat Otmar Zang durch Frostschäden in seinen Weinbergen etwa 80 Prozent seiner erhofften Weinernte eingebüßt. Jahr für Jahr sind die Wetterkapriolen für den Sommeracher Winzer mit entscheidend, ob die harte Arbeit in den Weinbergen Früchte trägt. Am Donnerstag zu früher Stunde stand Zang zusammen mit mehreren Fachleuten und Winzern in den Sommeracher Weinbergen und beobachtete den Hubschrauber, den die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim über einer ausgewählten Rebfläche kreisen ließ. Bei minus vier Grad Temperatur über der Bodenoberfläche war es das Ziel des Helikopters, die Luft über den Weinbergen so zu verwirbeln, dass die wärmeren Luftmassen nach unten gedrückt werden.

Vor gut drei Jahren begann die Landesanstalt mit ihren Tests gegen den Frost. Der Hubschraubereinsatz in Sommerach ist einer von mehreren Versuchen, den geplagten Winzern durch aktive Maßnahmen zu helfen.

„Wir testen heute den Hubschraubereinsatz zur Spätfrostprävention“, sagt Hermann Kolesch, der seit 5.15 Uhr in den Weinbergen verweilt. Der Vizepräsident der Landesanstalt ist gespannt auf die Ergebnisse der mit Sonnenaufgang startenden Helikopter-Aktion. „Wir haben heute Morgen Bedingungen wie bei den Eisheiligen, nur vier Wochen früher“, schildert Kolesch die Situation. Die Reben seien aufgrund der milden Temperaturen in den vergangenen Wochen schon sehr weit ausgetrieben und es bestehe konkrete Frostgefahr für die Pflanzen.

„Ich hoffe, die fränkische Weinwirtschaft kommt mit einem blauen Auge davon, weil es nur Teilflächen in bestimmten Hangfußlagen sind, die geschädigt werden.“ Die ausgewählte Sommeracher Weinbergslage sei eine „klassische“ Frostlage, denn sie fällt nach Osten ins Tal hin ab.

Sternenklarer Himmel und Strahlungsfrost sorgen dafür, dass gegen sechs Uhr der kälteste Moment gekommen ist. Wer sich zu dieser frühen Stunde aus dem Bett gequält hat und in die Weinberge gekommen ist, wird mit einem herrlichen Sonnenaufgang über dem Maintal belohnt, den auch Otmar Zang genießt. „Ist es hier nicht herrlich“, sagt der Sommeracher, betrachtet die Rebstöcke näher und hofft auf einen erfolgreichen Hubschraubertest.

Laut Markus Müller, der bei der Landesanstalt die Präventionstests betreut, ist es der dritte Anlauf. 2012 war ein Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz. „Damals hatten wir noch nicht so das Feingefühl für die Aktion und sind wahrscheinlich zu flach geflogen“, erläutert Müller die Startphase. Testversuche mit Hubschraubern in der Pfalz seien indes erfolgreich durchgeführt worden.

„Für solche Areale wie auf der Weininsel könnte der Hubschrauber eine gute Variante sein, dem Frost entgegen zu treten.“ In anderen Weinlagen testet die Landesanstalt weitere Möglichkeiten: Die klassische Frostberegnung mit Feinverwirbelung, Windmaschinen, Heizkerzen oder Frostdrähte. In Randersacker steht ein Gerät, das die kalte Luft ansaugt und über eine Art Schlot nach oben wegbläst. Ganz neu ist das Besprühen der Reben mit einem Pflanzenöl, das den Austrieb verzögern soll. In den kommenden Wochen sollen alle Tests abgeschlossen und ausgewertet werden.

Während der Hubschrauber seine letzten Bahnen zieht und das Thermometer bereits null Grad anzeigt, hofft Otmar Zang indes auf positive Ergebnisse: „Gegen solch extreme Kälte waren wir bisher machtlos.“ Die Winzer seien deshalb dankbar für die kostenintensive Versuchsreihe der Landesanstalt. „Vielleicht erzielen wir ja ähnliche Erfolge wie bei den erfolgreichen Frostmaßnahmen in Neuseeland und Australien.“