Biebelried

Im Schatten der Weinhoheiten: Zuckerrübenkönigin Alica Summ

Nicht nur der Wein, auch die Zuckerrübe hat eine Königin. Die 13. hieß Alica Summ und kommt aus Mittelfranken. Doch ihre Schärpe bewahrt sie in Biebelried auf. Warum?
Artikel drucken Artikel einbetten
Die 26-jährige Alica Summ regierte drei Jahre als Deutsche Zuckerrübenkönigin und stand dabei oft im Mittelpunkt des Interesses. Foto: Hartmut Hess
+2 Bilder

Sie hat viele Menschen kennen gelernt, absolvierte Auftritte mit Spitzenpolitikern und tourte insgesamt 53 000 Kilometer durch die ganze Republik: Alica Summ, die drei Jahre lang als 13. Deutsche Zuckerrübenkönigin regiert hatte. Ende Mai endete die Amtszeit der Königin aus Ullstadt, einem Ortsteil von Sugenheim (Mittelfranken). Ein Jahr später als geplant. Doch dazu später mehr.

Im Gegensatz zur Fränkischen Weinkönigin, der ein Dienstwagen gestellt oder von einem Bekleidungshersteller eingekleidet wird, muss sich die Zuckerrübenkönigin in ihr eigenes Auto setzen oder ihr Bahnticket selbst bezahlen. Doch das hinderte Alica Summ, die auf einem Bauernhof in Ullstadt aufgewachsen ist und in Triesdorf Landwirtschaft studierte, nicht, ihr Amt mit Begeisterung und Leidenschaft auszuüben.

172 Termine im Auftrag der Krone

Eine Anzeige im Landwirtschaftlichen Wochenblatt animierte sie vor drei Jahren zur Bewerbung. Sie setzte sich gegen vier Bewerberinnen durch und durfte im April 2016 die Krone übernehmen. "Ich habe in den drei Jahren insgesamt 172 Termine absolviert, im Sommer waren es bisweilen mehrere an einem Wochenende", zählt die 26-Jährige auf. Auf Landwirtschaftsmessen wie in Hannover oder in München beim Oktoberfest und dem Zentrallandwirtschaftsfest stand sie im Blickpunkt. "Das Amt hat mir unheimlich viel für meine Persönlichkeitsbildung gegeben", sagt die zukünftige Schwiegertochter des Biebelrieder Bürgermeisters Roland Hoh, der sie kürzlich als "unsere Majestät" bei der Gründung der interkommunalen Allianz MainLand präsentiert hatte.

Vor tausenden Leuten zu sprechen, bei Prominenten, Politikern und Verbrauchern für die Anliegen der Landwirtschaft zu werben oder Fachvorträge zu halten: Diese Anforderungen ließen Summ mit ihren Aufgaben wachsen. "Du erweiterst den eigenen Horizont", fasst sie ihre Amtszeit zusammen.  Denn sie lernte viele Regionen und ihre Besonderheiten kennen und erfuhr auch einiges über Sonderkulturen und Produkte wie Spargel oder Hopfen. "Ich habe viel Wertschätzung erfahren", schildert die Ex-Königin, die vor ein paar Wochen abgedankt hat, die wichtigste Erfahrung ihrer Amtszeit. Es habe sie erfüllt, wenn sie bei Verbrauchern Verständnis für die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft wecken konnte. Und egal in welchen fernen Ecken Summ im Dienst der Rüben-Krone unterwegs war, wussten die Leute meist rasch, aus welcher Ecke sie kommt. "Biebelried, da ist doch immer Stau auf der Autobahn." Diesen Satz bekam die 26-Jährige oft zu hören.  

Viel Spaß beim Hoheiten-Rennen

Den größten Spaß erlebte sie bei einem Hoheiten-Skirennen in Österreich. Sie maß sich auf der Piste mit Hoheiten aus halb Europa und diese Gaudi bleibt ihr unvergessen. In ihrem Gedächtnis bleiben auch Begegnungen mit Politikern wie den Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Markus Söder bei Neujahrsempfängen in der Münchner Residenz. Oft traf sie bei offiziellen Anlässen auf ihren fränkischen Landsmann und ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Sie hat Bilder mit Edmund Stoiber oder dem Fernseh-Meteorologen Jörg Kachelmann gemacht, "und der Blogger Bauer Willi wollte unbedingt ein Selfie mit mir machen", erzählt Summ über ihr Treffen mit Willi Schillings. 

Eigentlich sollte ihre Amtszeit nur zwei Jahre betragen, aber sie sagte gerne ja, als die Verantwortlichen des Zuckerrübenverbandes fragten, ob sie sich ein drittes Königinnenjahr vorstellen könne. "Wenn man nach so langer Zeit viel Routine hat, dann kann man das Amt und die dazugehörigen Aufgaben mehr genießen", beschreibt Alica Summ einen Vorteil der verlängerten Amtszeit.

Neben vielen Erfahrungen und Bekanntschaft bleibt Summ als Andenken ihre Königinnenschärpe. Dazu blühen bei ihr zuhause jetzt Rosenstöcke oder eine Hopfenpflanze, die sie in den vergangenen drei Jahren geschenkt bekam. Während Alica ein wenig wehmütig das Zepter weitergab, freute sich einer das Abdanken ihrer Majestät: ihr Verlobter Steffen Hoh. Denn jetzt seine Zukünftige wieder mehr Zeit für ihn und muss keine tausend Kilometer mehr durch die Republik touren.  

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.