WIESENBRONN

Im Kallerhäusla die Tradition des Bierbrauens erleben

Der Landkreis Kitzingen ist Weinland, aber eine Tradition des Bierbrauens gibt es hier gleichwohl: Diese lässt sich beim Kreisheimattag am Sonntag in Wiesenbronn erleben. Dort hat das Kallerhäusla geöffnet, Reinhard Hüßner führt um 13.30 Uhr und 16 Uhr durch die Anlagen.
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Um 1900: Diese Ansichtskarte zeigt das Gasthaus „Grüner Baum“ in Wiesenbronn. Die angeschlossene Brauerei lagerte das frische Bier im Felsenkeller am Kellerhaus ein. Die dazugehörige Gartenwirtschaft ist am Kreisheimattag geöffnet, ebenso die Kelleranlage. Foto: Repro: Reinhard Hüßner

Der Landkreis Kitzingen ist Weinland, aber eine Tradition des Bierbrauens gibt es hier gleichwohl: Diese lässt sich beim Kreisheimattag am Sonntag in Wiesenbronn erleben. Dort hat das Kallerhäusla geöffnet, Reinhard Hüßner führt um 13.30 Uhr und 16 Uhr durch die Anlagen.

Schon in den ältesten Klöstern Frankens sind im 9. und 10. Jahrhundert Braustätten zu vermuten. Überliefert ist das Bierbrauen in verschiedenen Orten des Landkreises Kitzingen im 11. Jahrhundert, informiert Hüßner vorab. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden die ersten privaten Brauereien und nach dem 30-jährigen Krieg 1648 entwickelte sich die Bierproduktion allgemein aufwärts.

Es begann das Zeitalter der Gasthausbrauereien, wie sie sich in nahezu allen fränkischen Dörfern etablieren konnten. Auch in Wiesenbronn sind spätestens seit dem 18. Jahrhundert zwei Brauereien nachgewiesen. Sie waren Bestandteile der Gasthäuser „Rotes Roß“ und „Grüner Baum“.

Die Brautechnik blieb über Jahrhunderte dieselbe. Wenn im Sudhaus der eigentliche Brauprozess beendet war, und aus Würze, Hopfen und Hefe das „Jungbier“ entstand, begannen die Nachgärung und die Ausreifung. Nach sechs bis zwölf Wochen konnte das „Lagerbier“ in Holzfässer abgefüllt werden und gelangte oft gleich zum Ausschank, schreibt Hüßner weiter.

Im 19. Jahrhundert bürgerten sich als Örtlichkeit für die Nachgärung und Lagerung sogenannte „Felsenkeller“ ein. Sie entstanden am Dorfrand und waren durch ihren markanten Linden- und Kastanienbewuchs weithin erkennbar. Felsenkeller boten mit gleichbleibend kühlen Temperaturen bessere Bedingungen als die Hauskeller in den Brauereien.

Für den Konsum des Bieres vor Ort legte man über den Kellern und unter den Linden Biergärten mit Kegelbahnen und kleinen Ausschenkhäusern an. Auch Michael Kreller, Wirt auf dem „Grünen Baum“, erweiterte 1839 seinen kleinen Felsenkeller und ergänzte diesen mit einem „Bierschenkhäuschen“ und einer „bedeckten Kugelbahn“. Um 1875 erweiterte Krellers Schwiegersohn Christian Breitwieser die Kelleranlagen und baute einen „Eiskeller“. Das Eis hatte man in den Wintermonaten aus den Seen gewonnen.

Das Kallerhäusla mit seinem Biergarten war lange Zeit Treffpunkt für die Bauern nach dem sonntäglichen Flurgang. Der Kreisheimattag gibt einen Eindruck davon.

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