KITZINGEN

Im Handwerk werden gute Bewerber rar

Grundsätzlich positiv ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Stadt und Landkreis Kitzingen. Dies sagte Eugen Hain, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit. Bei einem Pressegespräch zur Ausbildungsmarkt-Bilanz für das Jahr 2013 berichtete Hain, dass die Zahl der Schulabgänger, die sich für eine Lehrstelle vormerken ließen, die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen übertroffen habe.
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Die Lage ist gut: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Stadt und Landkreis Kitzingen ist grundsätzlich gut. Aber: Für Klein- und Mittelbetriebe, vor allem aus dem Handwerk, sind gute Bewerber inzwischen zu einem raren Gut geworden. Unser Foto entstand bei der Firma GEA Brewery Systems, die mit der Mittelschule Kitzingen Siedlung im Rahmen des Kooperationsvertrages zusammenarbeitet. Foto: Foto: Mittelschule Kitzingen

Grundsätzlich positiv ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Stadt und Landkreis Kitzingen. Dies sagte Eugen Hain, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit. Bei einem Pressegespräch zur Ausbildungsmarkt-Bilanz für das Jahr 2013 berichtete Hain, dass die Zahl der Schulabgänger, die sich für eine Lehrstelle vormerken ließen, die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen übertroffen habe.

Zum Stichtag – 30. September – seien dennoch 79 Ausbildungsstellen unbesetzt gewesen. Inzwischen sank die Zahl der offenen Azubi-Jobs auf 30, berichtete Arbeitsvermittlerin Eva Wörthmann. Gegenüber 2012 sei die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze mit 640 konstant geblieben. Um vier Prozent, auf 786 gesunken sei die Zahl der Bewerber.

Höhere Schulabschlüsse

39 Prozent hatten den Hauptschulabschluss, 46 Prozent Mittlere Reife, acht Prozent die Fachhochschulreife und vier die Hochschulreife. Der Rückgang bei den Bewerbern resultiere aus der sinkenden Zahl von Jugendlichen und aus der Tendenz hin zu höheren Schulabschlüssen, sagte die Arbeitsvermittlerin. Für die Agentur für Arbeit steige dadurch die Herausforderung, Jugendliche und Betriebe regional zusammenzubringen.

„Insgesamt betrachtet hatten die Lehrstellensuchenden heuer ausreichend Auswahlmöglichkeiten“, so Wörthmann. Branchen, die in der Gunst der Jugendlichen nicht so hoch angesiedelt seien, klagten zunehmend über Schwierigkeiten, Fachkräfte zu gewinnen, berichtete Hain: „Für Klein- und Mittelbetriebe, vor allem aus dem Handwerk sind gute Bewerber inzwischen zu einem raren Gut geworden.“

Für viele Jugendliche spiele die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz und ein gutes Betriebsklima eine immer wichtigere Rolle. Dieses Kriterium komme noch vor dem Verdienst. Letzterer sei aber dennoch ein Grund, warum viele Jugendliche kein Interesse am Bäcker- oder Metzger-Beruf haben, wie Berufsberaterin Christa Stadie sagt. Die angehenden Azubis wüssten auch, wer ein guter und wer ein schlechter Arbeitgeber ist.

Für Betriebe sei es an der Zeit, ihre bisherigen Einstellungsstandards zu überdenken, betont Stadie: „Es gilt, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben.“ Ausbildungsbetriebe würden bald „gezwungen sein, ihre Ansprüche zu reduzieren und Auszubildende einzustellen, die statt Mittlerer Reife den Quali haben“, sind die Berufsberaterinnen überzeugt.

Auch Schulnoten als Kriterium zur Einstellung seien schon immer problematisch. „Wir haben es hier mit Pubertierenden zu tun, die in dieser Zeit des Erwachsenwerdens gewaltige Entwicklungssprünge machen können“, so Stadie. Viele Schüler seien willig, aber noch unentschlossen. Unternehmer müssten weg von der Vorstellung, „ich will die Besten, um aus ihnen das Beste herauszuholen“ und sich in Zukunft auch durchschnittliche Bewerber oder solche mit Handicap anschauen.

Eine Herausforderung

Die Entwicklung sei für Unternehmen, Jugendliche, Eltern, Schule Kammern und Arbeitsagentur eine Herausforderung. Ein verstärktes Engagement ist laut Stadie auch deshalb wichtig, weil in vielen Berufen die Messlatte immer höher gelegt wird und die Anforderungen an die Beschäftigten steigen.

Neben rein fachlichem Können gewännen Kommunikations- und Teamfähigkeit immer mehr an Bedeutung. „Es wird immer wichtiger mit einer guten Ausbildung ins Berufsleben zu starten“, so die Berufsberaterin. „Wer hier Defizite hat, gehört schon heute zu den klassischen Verlierern auf dem Arbeitsmarkt, da Beschäftigungsmöglichkeiten immer weniger werden.“

Mit zahlreichen Aktionen, gemeinsam mit den Kammern und den Partnern des Ausbildungspaktes, habe man die Anstrengungen, Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen weiter verstärkt. „Wir wollen Jugendliche sensibilisieren, sich für einen Start ins Berufsleben noch mehr anzustrengen und Arbeitgeber ermutigen, angebotene Ausbildungsplätze nicht unbesetzt zu lassen“, so Stadie und Wörthmann.

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