LANDKREIS KITZINGEN

Im Gespräch mit der AfD: Das Volk soll entscheiden

Die AfD im Bezirk und ihre Ziele: Welche Positionen vertritt die AfD im Bezirk? Christian und Andrea Klingen sowie Richard Graupner beantworten Fragen zur Wirtschafts- und Flüchtlingspolitik, zum Klimawandel und zu unbedachten Äußerungen in der Parteispitze. Mit einem Kommentar von Diana Fuchs.
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Gute Laune: Richard Graupner, Christian und Andrea Klingen vom Bezirksvorstand der AfD fühlen sich in ihrer Politik bestätigt. Foto: Foto: Ralf Dieter

Christian Klingen macht politische Karriere. Vor drei Jahren war der Markt Einersheimer maßgeblich am Aufbau des Kreisverbandes der AfD beteiligt. Jetzt ist er Bezirksvorsitzender. Klingen kann sich eine Kandidatur als Bundestagsabgeordneter gut vorstellen. Zum Interviewtermin kommt er mit seiner Frau Andrea, die im Bezirksverband als Kassiererin fungiert und seinem Stellvertreter Richard Graupner.

Frage: Woher rührt Ihr politisches Engagement?

Christian Klingen: Es hat mir von Anfang an gefallen, den Kreisverband aufzubauen. Der Bezirk ist noch einmal eine größere Herausforderung.

Und warum die AfD?

C. Klingen: Die AfD gefällt mir wegen ihrer Ziele und weil sie basisdemokratisch ist.

Was heißt basisdemokratisch?

C. Klingen: Wir sind für Volksabstimmungen, für Bürgerentscheide und Volksbegehren. Wir wollen, dass die Bürger wieder mehr Mitspracherecht bekommen. In anderen Ländern sind die Bürger befragt worden, ob sie in der EU bleiben wollen. Bei uns nicht.

Spricht sich die AfD für einen Austritt aus?

C. Klingen: Da muss man erst mal abwarten. Aber die EU darf keine Schuldenunion werden. Unsere Ersparnisse gehen durch die Zinspolitik kaputt.

Andrea Klingen: Wenn die EU nicht bald die Kurve kriegt, sollten wir eine Bürgerbefragung durchführen. Vorerst sollten wir ihr aber die Chance geben, Reformen durchzuführen.

Sind Sie persönlich für einen Austritt?

C. Klingen: Wir wollen nicht ganz raus, aber auch nicht zentral von Brüssel aus regiert werden. Es ist doch besser, wenn wir selber entscheiden können, was für uns gut ist. Der Euro hat uns beispielsweise nur Streitereien und Unfrieden eingebracht.

Was ist die Alternative?

C. Klingen: Kleine Währungsverbunde, beispielsweise mit Österreich.

Wie viele Mitglieder hat die AfD im Bezirk derzeit?

A. Klingen: Die Mitgliederzahlen wollen wir nicht veröffentlichen, aber der Trend geht nach oben.

Eher dreistellig oder sogar schon vierstellig?

A. Klingen: Unterfrankenweit haben wir eine gut dreistellige Zahl. Und der Bezirksverband ist ja erst 2013 gegründet worden.

Was für Menschen sind im Bezirksverband aktiv?

C. Klingen: Das geht quer durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen – vom Professor bis zum Gärtner. Diese verschiedenen Blickwinkel ergeben interessante Diskussionen.

Welche Themen besprechen Sie?

Richard Graupner: Es geht vor allem um die Bundespolitik.

Und da will die AfD auch bayernweit mitmischen?

C. Klingen: Wir wollen flächendeckend Direktkandidaten stellen. Die erste Aufstellungsversammlung in Mittelfranken ist schon gelaufen.

Und hier in Unterfranken? Gibt es schon einen Kandidaten für die Bundestagswahl?

C. Klingen: Wenn die Mitglieder so entscheiden, würde ich zur Verfügung stehen.

Bei wie viel Prozent sehen Sie die AfD in Bayern?

C. Klingen: Bayern ist wegen der CSU und den Freien Wählern ein schwereres Pflaster als Sachsen oder Baden-Württemberg.

A. Klingen: Diese Parteien sind ähnlich strukturiert und sprechen auch die konservativen Wähler an. Genau so wie die Bayernpartei.

C. Klingen: Acht Prozent sollten wir bei der Bundestagswahl 2017 trotzdem schaffen.

Graupner: Gerade wenn wir die CSU entlarven. Die fährt ja immer die selbe Strategie. Vor der Wahl gibt es viele Versprechen, die nachher nicht erfüllt werden.

Welche Schwerpunkte würden Sie als Bundestagsabgeordneter setzen?

C. Klingen: Mich interessiert vor allem die Wirtschaftspolitik, aber auch der Umweltschutz und der Tierschutz.

Im Programm Ihrer Partei steht, der Klimawandel sei nicht von Menschenhand gemacht. Teilen Sie diese Position?

Graupner: Dieses Thema ist beim Parteitag sehr kontrovers diskutiert worden.

C. Klingen: Und ganz zum Schluss. Da ist kaum Zeit geblieben.

A. Klingen: Die Emotionen sind hochgekocht. Es war eines der wenigen Themen, die nicht einstimmig beschlossen wurden.

Noch mal nachgefragt: Stehen Sie hinter dieser Aussage?

C. Klingen: Hinter diesem Punkt kann ich nicht stehen.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte bei der Umweltpolitik?

C. Klingen: Die Forschung sollte bei den regenerativen Energien weiter betrieben werden. Aber auch bei der Kernenergie. Es ist doch scheinheilig von der Bundesregierung, Atomkraftwerke hier abzuschalten und Strom von wesentlich älteren Atommeilern in Frankreich oder Tschechien zu beziehen.

A. Klingen: Die riesigen Solarfelder auf den Feldern finde ich nicht gut. Auf Dächern ist das schon was anderes.

Wo ordnen Sie die AfD ein? Rechts von der CSU?

C. Klingen: Wir sehen uns als liberal-wertkonservative Kraft.

Graupner: Es gibt ganz verschiedene Strömungen innerhalb der Partei. Das reicht von national-konservativen Kräften bis hin zu liberalen Kreisen. Das Grundgesetz steht dabei über allem. Wer es überschreitet, hat in der AfD nichts verloren.

Das Grundgesetz sagt, dass politisch Verfolgte Asylrecht genießen. Wollen Sie die Grenzen dicht machen?

C. Klingen: Ich war als ehemaliger Polizist der Bereitschaftspolizei zur Unterstützung selbst an der österreichischen Grenze und habe Kontrollen durchgeführt. Damals hat die bayerische Grenzpolizei pro Jahr bei den Grenzkontrollen rund 5000 Personen aufgegriffen, die mit Haftbefehl gesucht wurden. Ohne diese Kontrollen geht ein Stück Sicherheit verloren.

Ein radikaler Islamist wird kaum an der Grenzstation zu erwischen sein.

Graupner: Einige schwimmen schon im Flüchtlingsstrom mit. Ich kann zumindest den Rucksack durchsuchen. Diese Leute sind ja nicht nur für uns gefährlich. Sie bringen auch die normalen Flüchtlinge in Misskredit.

Welche Flüchtlinge sind für Sie in Deutschland willkommen?

A. Klingen: Wer aus einem Bürgerkriegsland kommt oder politisch verfolgt wird, der genießt bei uns Asyl. Wenn der Grund wegfällt, sollten diese Menschen allerdings wieder in ihr Land zurückkehren.

Sobald der Krieg in Syrien endet, sollten wir alle Syrer wieder zurückschicken?

A. Klingen: Genau.

C. Klingen: Diese Menschen werden vor Ort gebraucht, um ihr Land wieder aufzubauen.

Ist die Unterstützung hier in Deutschland richtig. Sind Sie für Ausbildungsprogramme und Eingliederung in Schulen?

A. Klingen: Sicher, die Weiterbildung ist enorm wichtig. Außerdem würden sie sich ja sonst nur langweilen.

Graupner: Wir müssen aber schon den Kostenfaktor im Auge behalten. Viele Flüchtlinge haben keine Schulbildung oder eine, die mit unserer nicht zu vergleichen ist. Es ist fast unmöglich, diese Menschen in unser Berufsleben zu integrieren.

Also eine Auswahl treffen, wer integriert werden darf? So wie es Alexander Gauland kürzlich vorschlug. Dürfen künftig nur noch verfolgte Christen ins Land?

A. Klingen: Aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen halten wir eine Aufnahme von weiteren Muslimen in Deutschland ebenfalls für problematisch. Es zeigt sich leider, dass eine Integration von Menschen mit moslemischen Glaubens in dieser Größenordnung nicht so funktioniert, wie uns dies die Altparteien bislang Glauben machen wollen.

C. Klingen: Ich bin ein Verfechter des Grundgesetzes. Wir müssen humanitäre Hilfe leisten, aber wir müssen auch die Betrüger aussortieren.

Graupner: Als Polizist habe ich oft mit Zuwanderern zu tun. Glauben Sie mir: Viele sind nicht vor Bomben geflohen, sondern Wirtschaftsflüchtlinge. Es ist doch besser, diesen Menschen in ihren Heimatländern intensiv zu helfen.

A. Klingen: Wir sollten diese Leute erst gar nicht entwurzeln. Mit dem Geld, das wir hier für die Asylpolitik ausgeben, ist vor Ort mehr zu erreichen.

Sie werden gerade wegen Ihrer Flüchtlingspolitik von Anhängern der linken Szene angefeindet. Wie gehen Sie damit um?

C. Klingen: Es ist schlecht, dass diese Leute nicht mit uns diskutieren wollen. Einen ganz normalen Infostand können wir nur noch mit Polizeischutz aufbauen. In einer Demokratie ist das schon befremdlich. Wir würden jedenfalls nie auf die Idee kommen, einen Infostand der Grünen oder der Linken zu umzingeln.

Macht Ihnen das Angst?

C. Klingen: Nein. Das ist eher ein Ansporn für uns.

Es gab in den vergangenen Jahren ein paar Parteien, die gekommen und wieder gegangen sind. Die Piraten, die Republikaner. Sehen Sie diese Gefahr auch bei Ihnen?

C. Klingen: Nein. Natürlich gibt es Streitigkeiten, wie vor kurzem in Baden-Württemberg. Aber die werden gelöst. Für Antisemitismus ist jedenfalls kein Platz in der AfD.

Hätte man diesen Streit nicht eleganter lösen können? Es wirkte so, als ob Frauke Petry und Jörg Meuthen nicht die gleiche Sprache sprechen.

Graupner: Das hängt mit der politischen Unerfahrenheit an der Spitze unserer Partei zusammen.

Ist politische Unerfahrenheit auch der Grund für den Boateng-Vergleich von Alexander Gauland, für den Spruch über das Produktionsverhalten der Afrikaner von Björn Höcke oder die Aussage von Beatrix von Storch, Merkel würde eines Tages ins Exil nach Chile gehen? Schämen Sie sich manchmal für Ihre Parteispitze?

A. Klingen: Ich habe Verständnis. Aus einer politischen Unerfahrenheit heraus kann es passieren, dass manches schneller und unbedacht geäußert wird.

C. Klingen: Man sollte nicht gleich vor die Presse gehen und etwas vorsichtiger sein.
 



Kommentar Nicht die wahre Alternative

von unserem Redaktionsmitglied 
Diana Fuchs
 

Alternativen zu haben, ist grundsätzlich gut. Die Demokratie basiert darauf. Vor allem aber basiert sie auf gewissenhaften Bürgern, die sich ihre eigenen Gedanken machen, Dinge hinterfragen, eigene Schlüsse ziehen, danach handeln – und wählen.

Die hiesigen Vertreter der „Alternative für Deutschland“ (AfD) machten im Interview einen durchaus sympathischen Eindruck. Es sind absolut keine Unmenschen. So manches ihrer Ziele, speziell in Sachen Flüchtlingspolitik – „Betrüger aussortieren“, „Menschen gar nicht erst entwurzeln“ – klingt gut und richtig. Doch das Entscheidende fehlt: ein gangbarer Weg, diese Ziele zu erreichen.

Wie lassen sich Betrüger unter den Flüchtlingen aussortieren? Nach intensiver Debatte zeigen die AfD-Verantwortlichen nur sehr vage auf, wo es langgehen könnte, eine überzeugende Antwort bleiben sie schuldig. Andrea Klingens Satz, man sollte die Menschen gar nicht erst entwurzeln, hört sich wunderbar an. Doch wie soll das funktionieren? Sollen deutsche Soldaten in den Krieg ziehen? Oder mal eben nach Kandahar oder Aleppo reisen, um Fluchtwillige festzubinden?

Und die Idee, alle Syrer – egal, wie integriert sie sind – sofort zurückzuschicken, sobald der Krieg in Syrien endet, klingt, gelinde gesagt, ziemlich einfältig, ja töricht.

Alternativen sind grundsätzlich gut. Die AfD ist für mich keine.

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