KITZINGEN

Im „Einwegboot“ zum Weinfest

Ein eher seltener Anblick bot sich am Freitag den Spaziergängern am Schiffsanleger in Kitzingen. Dort legte am frühen Nachmittag der „Donauspatz“ an – ein Boot aus Holz mit schwarz-weißem Anstrich in den Farben der Stadt Ulm. An Bord eine fröhliche Männerpartie unterwegs von Kehlheim nach Würzburg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ulmer Schachtel: Unterwegs von Kehlheim nach Würzburg waren am Wochenende diese Herren aus Ulm. Am Freitag legten sie in Kitzingen an, um am Abend das Sulzfelder Weinfest zu besuchen. Foto: Foto: Ralf Weiskopf

Ein eher seltener Anblick bot sich am Freitag den Spaziergängern am Schiffsanleger in Kitzingen. Dort legte am frühen Nachmittag der „Donauspatz“ an – ein Boot aus Holz mit schwarz-weißem Anstrich in den Farben der Stadt Ulm. An Bord eine fröhliche Männerpartie unterwegs von Kehlheim nach Würzburg.

Ihren Aufenthalt in Kitzingen nutzte die Crew um den Schiffsführer und Miteigentümer Ferdinand Rützel zum Besuch des Weinfestes in Sulzfeld. Empfangen wurde das Boot von Hafenkapitän Klaus Krüger.

Der etwa zwölf Meter lange Kahn ist nicht irgendein Boot, sondern ein Originalnachbau der legendären „Ulmer Schachtel“. „Das Schiff wurde vor 26 Jahren von uns selbst gebaut“, berichtete Schiffsführer Rützel. Die Idee dazu sei ihm und einem Freund während einer Fahrt mit dem Faltboot von Ulm nach Wien gekommen, nachdem sie ein Hausboot am Ufer liegen sahen.

„Wenn schon ein Boot, dann eine original 'Ulmer Schachtel'“, sagten sich die beiden. „Ulmer Schachtel“ war ursprünglich ein Spottname für die sogenannte „Wiener Zille“, ein Einwegbootstyp, der bereits im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde und ursprünglich zur Waren- und später auch zur Personenbeförderung auf der Donau gebräuchlich war, weiß Rützel. Der Name „Ulmer Schachtel“ stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals hatten in der Donaustadt sogenannte „Schopper“ damit begonnen, die Zillen mit dem typischen schwarz-weißen Streifenmuster zu bauen.

Für Rützel hieß es 1993 zunächst, weitere Mitstreiter zu suchen und für die Idee zu begeistern. Hans Müller, Schreinermeister und Architekt, machte die Pläne und weil das Schiff kein „Einwegboot“ werden sollte, kam auch noch der Schlosser Hans Großmann ins Spiel. Der baute den Rahmen der Personenkabine, die – um auch unter niedrigen Brücken durchfahren zu können – mit Hilfe von vier Wagenhebern abgesenkt werden kann, so Rützel.

Eineinhalb Jahre haben die Männer in einem Sägewerk an ihrem Traum gebaut. Die Jungfernfahrt führte sie damals nach Wien. Seither sind sie immer wieder unterwegs, wobei Frauen an Bord nichts zu suchen haben – „der fehlenden Toiletten wegen“, sagen sie. Das kann man glauben, oder auch nicht.

Am Sonntag war die Fahrt diesmal zu Ende. In Würzburg wurde der „Donauspatz“ aus dem Wasser gehoben und auf einen Lkw verladen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.