Zwölf Jahre lang war sie Pfarrerin in Nenzenheim, betreute zuletzt auch die Protestanten in Hüttenheim, Markt Herrnsheim, Willanzheim und Tiefenstockheim. Im Frühjahr wurde ihr Weggang nach Aub bekannt. In der bis auf den letzten Platz besetzten Pfarrkirche St. Michaelis feierte sie - begleitet von Dekan Martin Ost - nach zwölf Jahren in Nenzenheim einen eindrucksvollen Abschiedsgottesdienst.
Die Geistliche stammt aus Rottenbauer und kam nach ihrem Vikariat in Miltenberg über ihre erste Pfarrstelle in Weilheim/Oberbayern nach Nenzenheim. Viele Aktionen hat sie hier angestoßen und mitgestaltet. "Bei der Vorbesprechung zur 850-Jahrfeier Nenzenheims hat anfangs große Skepsis geherrscht", erinnert sich Elke Gerschütz zum Beispiel, wie nach ihrer "Geburtshilfe" durch gemeinsame Anstrengung aller ein bemerkenswertes Jubiläum gefeiert werden konnte. Damit habe das Dorf aufgezeigt, was in ihm steckt.
Ein weiterer Glanzpunkt war für sie die Namensgebung für die Pfarrkirche St. Michaelis, die bis 2010 namenlos war. "Zuletzt hat mich die Zahl der Helfer beeindruckt, als vor wenigen Tagen das alte Pflaster aus dem Friedhof entfernt wurde", erzählt die Seelsorgerin. 40 Helfer zwischen sieben und mehr als 70 Jahren hätten zugepackt und für ihren Dorffriedhof Großes bewirkt.
In die Sanierung der Kirchenburg war Elke Gerschütz ebenso eingebunden wie bei der Einrichtung des integrativen Kindergartens. Mit der Übernahme der Pfarrstelle in Hüttenheim kam ein weiterer Kindergarten hinzu.
Die Begleitung von Menschen war Elke Gerschütz über ihren seelsorgerischen Auftrag hinaus überaus wichtig. Gerade bei Beerdigungen wurde ihr in den letzten Jahr klar, dass sie nicht nur Pfarrerin ist. Ihr Herz hängt sehr an der Seelsorge.

1200 "Schäfchen"


Pfarrerin Gerschütz hatte neben den drei Pfarrstellen mit 1200 Gemeindemitgliedern einen Friedhof und zwei Kindergärten zu betreuen. In Nenzenheim ist es ihr in den Jahren gelungen Menschen von ganz klein bis ganz groß für die Kirche zu begeistern - auch solche, die einmal absolut nichts von Kirche hielten. "Ich hoffe es ist mir gelungen, der Menschlichkeit durch die Kirche ein Gesicht zugeben", bilanziert die Geistliche.
Dieses Bild wird sich nun ändern, denn an ihrer neuen Wirkungsstelle in Aub hat sie zwar vier Kirchengemeinden, aber 400 Kirchenmitglieder weniger. Auch muss sie sich um keinen kirchlichen Kindergarten mehr kümmern. Neu kommt neben einem ökumenischen Bibelkreis wohl auch Asylantenarbeit hinzu. "Es wird ein lebbarer Kompromiss für die Familie", zeigt sich die Pastorin hoffnungsvoll, denn die beiden Söhne können weiterhin die Schule in Würzburg besuchen.
Das große Abschiedfeiern wollte in der Pfarrkirche kein Ende nehmen. Kindergartenkinder vermuteten in Gedichtform, dass Nenzenheim der Pfarrerin sicher ein Stück weit zur Heimat wurde. Die Pfarrerin räumte ein, dass sie nicht nur viele der Kinder selbst getauft hat, sondern auch die Jugend der Gemeinde heranwachsen sah. "In zwölf Jahren ist viel passiert, wir sind einander begegnet und haben gegenseitig Spuren hinterlassen", betonte Gerschütz in ihrer letzten Predigt. Ohne Gefühlsausbruch sei vieles nicht zu beschreiben.
Das Bäffchen habe den größten Teil ihres Lebens bestimmt, sie habe nach ihren Aufgaben gelebt und gehandelt, immer die ganz kleinen und die alten Menschen im Blick gehabt. Viel zu spät habe sie erkannt, dass es auch den Menschen Elke Ger-schütz gibt, der persönliche Interessen hintanstellte und so manches Mal zwischen den Stühlen saß. Als sie spürte, dass auch eine Pfarrerin an ihre Grenzen stoßen kann, habe sie eine Ausbildung als Clown gemacht. Sie sei früher immer ernst gewesen, habe damit aber nur tiefe Verletzungen zu überspielen versucht. Nachdem sie mit der Ausbildung zum Clown begann Prioritäten zu setzen, habe sie auch wieder gelernt über sich selbst zu lachen.
Dekan Martin Ost bat vorab um Verständnis, dass Elke Ger-schütz noch bis Ende August in Nenzenheim wohnen bleibe, ihr Dienst aber zu Ende sei. Zunächst wird sie von Ruhestandspfarrer Wolfgang Götschel vertreten. Bis zur Neubesetzung der Pfarrstelle - nicht vor dem 28. Februar 2013 - wird Pfarrer Matthias Subatzus zuständig sein.