LANDKREIS KITZINGEN

Ihre Arbeit hat sich bewährt

Ohne sie wäre Schule gar nicht mehr vorstellbar. Das sagt Friedrich Tasch. Und der muss es wissen. Tasch ist seit 16 Jahren Rektor der Mittelschule Siedlung in Kitzingen. Für unabdingbar hält er die Arbeit der Berufseinstiegsbegleiter.
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Intensive Beratung: Marvin Geuter will Kfz-Mechatroniker werden, Lorena Heckelmann Konditorin. Berufseinstiegsbegleiterin Saskia Gauer hilft den beiden Schülern der Mittelschule-Siedlung, ihre beruflichen Wünsche zu verwirklichen. Foto: Foto: RALF DIETER
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Ohne sie wäre Schule gar nicht mehr vorstellbar. Das sagt Friedrich Tasch. Und der muss es wissen. Tasch ist seit 16 Jahren Rektor der Mittelschule Siedlung in Kitzingen. Für unabdingbar hält er die Arbeit der Berufseinstiegsbegleiter.

Seit 2009 gibt es Berufseinstiegsbegleiter an drei Mittelschulen im Landkreis Kitzingen. Angestellt sind die vier Frauen bei der Handwerkskammer Service GmbH. Ihren Dienst leisten sie direkt vor Ort – in den Schulen.

Christine Sahlmüller ist von Anfang an dabei. Die ehemalige Ausbilderin im Gastronomiebereich ist von ihrer Arbeit angetan. Vor allem, wenn sie von Erfolg gekrönt ist. Sahlmüller berichtet von einem jungen Mann, der als Schüler nicht gerade zu den stärksten zählte und die Bewerbungen sehr zögerlich und ängstlich anging. Dank der Berufseinstiegsbegleiterin absolvierte er mehrere Praktika und siehe da: ausgerechnet bei einem anspruchsvollen Arbeitgeber fiel der Groschen. Der Jugendliche erhielt positive Rückmeldung, doch als es um die Bewerbung ging, verfiel er wieder in sein Phlegma. „Er hat die Bewerbung nicht abgegeben, obwohl der Betrieb ihn wollte“, erzählt Sahlmüller und staunt auch Jahre danach noch über so ein Verhalten.

Doch Aufgeben gilt nicht bei den Berufseinstiegsbegleiterinnen. Sahlmüller hat den jungen Mann angeschubst und motiviert. Er musste noch Mal zur Probe arbeiten und erhielt schließlich den Ausbildungsvertrag, schrieb in der Berufsschule nur noch Einser und Zweier, wie von seinem Ausbildungsbetrieb verlangt. Er wurde Filialleiter und macht jetzt seinen Handelsfachwirt. „Wenn er mit seinem Mercedes vorfährt, dann ist das einfach ein gutes Gefühl“, sagt Sahlmüller und lacht.

Nicht jeder Mittelschüler wird nach seiner Ausbildung mit einem Mercedes vorfahren. Aber darum geht es gar nicht. „Unser Ziel lautet, jeden Schüler zu einem Abschluss zu bringen und am besten in ein Ausbildungsverhältnis“, erklärt Daniela Fritz, Leiterin berufliche Bildung bei der HWK Service GmbH. Jede ihrer vier Berufseinstiegsbegleiterinnen im Landkreis Kitzingen betreut 20 Schüler, die ihr von den Lehrern empfohlen wurden. Schüler, die eine Unterstützung aus unterschiedlichen Gründen besonders nötig haben.

„Am schlimmsten ist es, wenn ein Jugendlicher keine Ausbildung abschließt“
Daniela Fritz HWK Service GmbH

Die Arbeit der Berufseinstiegsbegleiterinnen beginnt bereits in der 8. Klasse. Dann finden die ersten Gespräche über die Berufsfindung statt, dann vermitteln die vier Frauen die ersten Praktika. „Je mehr, desto besser“, sagt Saskia Gauer, die an der Siedlungs-Mittelschule tätig ist. Jeden Tag sind die vier Frauen an der Schule präsent, halten den Kontakt zu ihren Schutzbefohlenen. „Da kann sich keiner verstecken“, sagt Gauer und schmunzelt. Gleichzeitig halten die Berufseinstiegsbegleiter Kontakt mit den Betrieben und den Berufsberatern von der Agentur für Arbeit in Kitzingen. „So entsteht ein engmaschiges Netz“, erklärt Gauer. Ein Netz, das die Jugendlichen auffängt und ihnen Sicherheit gibt. Und das sogar über die Schulzeit hinaus.

„Wir betreuen die Jugendlichen auch im ersten Halbjahr ihrer Ausbildung“, sagt Nicole Bethäuser, die an der Mittelschule in Wiesentheid wirkt. Die Erfahrung zeigt, dass viele junge Menschen ihre Ausbildung in der Probezeit abbrechen wollen. „Wir vermitteln zwischen Betrieb und Auszubildendem“, erklärt sie. Und wenn eine Trennung doch unvermeidlich ist, dann suchen die Berufseinstiegsbegleiter zusammen mit den Jugendlichen nach einer Übergangslösung.

„Am schlimmsten ist es, wenn ein Jugendlicher keine Ausbildung abschließt und sich sein Leben lang als Gelegenheitsjobber durchschlagen muss“, sagt Fritz. Ihre Erfahrung: Jeder hat eine Chance verdient. Und jeder bekommt sie. Eventuell dank Sonderprogrammen, die von den Berufseinstiegsbegleiterinnen ebenfalls vermittelt werden. „Diese Arbeit hat sich sehr bewährt und sollte auf jeden Fall weitergeführt werden“, wünscht sich Friedrich Tasch. Sein Wunsch wird in Erfüllung gehen. Für die Maßnahmen stehen seit kurzem bundesweit Haushaltsmittel in Höhe von 1,06 Milliarden Euro bis ins Jahr 2018/2019 zur Verfügung. Die Hälfte stammt aus dem Europäischen Sozialfonds, die andere aus dem Eingliederungstitel der Bundesagentur für Arbeit. Rund 115 000 Jugendliche an mehr als 2500 Schulen können deutschlandweit so gefördert werden.

Im Landkreis Kitzingen wird neben den drei bisherigen Schulen auch die Volksschule Buchbrunn von dem Programm profitieren. Wer das Programm mit Leben erfüllt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Die Leistung der Berufseinstiegsbegleiter ist ausgeschrieben worden. Daniela Fritz und ihr Team hoffen, dass die Handwerkskammer Service GmbH wieder den Zuschlag erhält. Die vier Frauen mögen sich ihr Berufsleben ohne Schule gar nicht mehr recht vorstellen.

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