Kitzingen

Ihr scheint alles gleichgültig: Kurzarrest für 19-Jährige

Aus dem Gericht: Eine junge Frau muss gleich zweimal von der Polizei vorgeführt werden. Da verordnet der Kitzinger Jugendrichter vier Tage Arrest zum intensiven Nachdenken.
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Ein Strafgesetzbuch (Symbolbild) Foto: Oliver Berg, dpa

Ihre demonstrativ an den Tag gelegte Gleichgültigkeit hat einer 19-Jährigen vier Tage Kurzarrest eingebracht. Die Frau war mit einer geringen Menge Haschisch und Marihuana erwischt worden. Zum Verfahren wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln vor dem Jugendgericht in Kitzingen musste sie gleich zweimal von der Polizei vorgeführt werden. Beim letzten Mal gab es vier Tage Kurzarrest.

Den hätte sich die Frau ersparen können, wenn da diese Gleichgültigkeit nicht wäre. Sie nimmt keine Termine ernst, weder bei Gericht noch beim Jugendamt. "Die Akte besteht nur aus Vorladungen", sagte die Jugendgerichtshilfe. Eine Vorladung gab es auch zur ersten Verhandlung im Sommer. Wer nicht erschien ist, war die 19-Jährige. Also musste die Polizei die Angeklagte daheim abholen. Vor dem Jugendrichter gab sie den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zu. Die Frau war am Würzburger Hauptbahnhof mit einer geringen Menge Marihuana, Haschisch und einem Marihuana-Tabak-Gemisch erwischt worden.

Großteil der Sozialstunden nicht geleistet

Sie kam mit 16 Sozialstunden davon. Kein Problem, eigentlich. Aber nach viereinhalb Stunden war Schluss. Angeblich aus gesundheitlichen Gründen leistete sie die restlichen Stunden nicht. "Bei so was ist für mich der Ofen aus", sagte Jugendrichter Wolfgang Hülle. Er setzte eine neue Verhandlung an.

Wieder gab es eine Vorladung, wieder erschien die Angeklagte nicht – und wieder musste die Polizei sie vorführen. "Die Post hat sie angeblich nicht erreicht", sagte einer der Beamten. Als sie da war, gab es eher zähe Antworten auf die Fragen des Gerichts. "Sie macht ihr eigenes Ding", sagte die Jugendgerichtshilfe. Viel mehr wusste diese mit Blick auf die schon erwähnte leere Akte nicht. Immerhin räumte die junge Frau den Sachverhalt noch einmal ein: "Das wird schon so gewesen sei."

Dem Jugendrichter gelang es dann doch noch, ihr ein bisschen was aus ihrem Lebenslauf zu entlocken. Danach wohnt sie noch bei den Eltern, hat die Hauptschule abgeschlossen, dann aber nach dem Abbruch einer Lehre seit zwei Jahren keinen festen Job mehr. "Ich mach' was in Mediendesign, selbstständig", sagte die dem Richter. Die Frage, wie sie sich die Zukunft vorstellt, beantwortete sie mit "kompliziert".

Staatsanwaltschaft forderte eine Woche Arrest

"Ihnen ist völlig egal, was hier abläuft", fasste der Staatsanwalt seine Eindrücke zusammen. Der Sachverhalt war für ihn erwiesen. Die Chance, mit Sozialstunden davon zu kommen, habe die Frau verspielt. Eine Woche Dauerarrest hielt er für tat- und schuldangemessen. Ganz so viel wurde es nicht. Vier Tage Kurzzeitarrest stehen im Urteil. "Die sollen Ihnen zeigen, wo Ihr Weg hinführt, wenn Sie Straftaten begehen und sich um nichts kümmern", gab ihr Hülle mit auf den Weg.

Von der Frau kam ein knappes "Okay". Der Staatsanwalt war auch mit dabei. Damit ist das Urteil rechtskräftig und die junge Frau verließ den Sitzungssaal, eher gelangweilt, aber diesmal ohne Polizei.

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