HÖRBLACH

Idee: Verein für den Baggersee gründen

Platsch! Lennox macht von seinem Schwimmreifen einen Satz in den Hörblacher Baggersee. Der gehört der Kitzinger Firme Lenz-Ziegler-Reifenscheid, die das Baden in ihrer Kiesgrube gerne duldet. Und Geschäftsführer Hermann Reifenscheid hat eine Idee: Baggersee-Begeisterte könnten eine Interessengemeinschaft gründen: „Wir pflanzen Bäume, Ihr kümmert Euch um die Sauberkeit.“
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Badespaß am Hörblacher Baggersee: Der elfjährige Marvin (links) und der acht Jahre alte Lennox Schmitt aus Mainstockheim genießen einen abendlichen Ausflug mit ihren Eltern an den See. Den Erwachsenen gefällt die Natürlichkeit des Geländes, die Jungs freuen sich über reichlich Platz zum Planschen. Foto: Fotos: Barbara Herrmann
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Platsch! Lennox macht von seinem Schwimmreifen einen Satz in den Hörblacher Baggersee. Sonst stört am Dienstagabend kaum ein Geräusch die Ruhe am Wasser. Auf dem Parkplatz verlieren sich nur zwei Autos. Kerstin und Stefan Schmitt wissen die Natürlichkeit des Geländes zu schätzen, die Mainstockheimer machen mit ihren beiden Jungs Marvin und Lennox gerne spontane Ausflüge an den See – und sind froh, dass man dort überhaupt baden darf.

Denn das Gelände ist kein offizieller Badesee, sondern Kies-Abbaugebiet der Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR), die das Baden dort allerdings gerne duldet. Deren Renaturierungs-Konzept für das Gelände sieht nach Ende des Abbaus in rund sieben Jahren nicht nur Flächen für die Fischerei und Ökozellen vor, sondern auch einen Freizeit-See. Planschen, sonnenbaden und windsurfen darf man dort jetzt schon – auf eigene Verantwortung. Ein Angebot, das gut angenommen wird, auch wenn der Badebetrieb sich jetzt endgültig auf einen See verlagert hat: von Großlangheim kommend auf der linken Seite.

Ein Umstand, der vereinzelt Kritik hervorrief. Der Badestrand mit flachem Wassereinstieg für die Kinder und der Kiosk am rechten See (von Großlangheim kommend), sind Vergangenheit. Doch war dieser Bereich von Anfang an für die Fischerei als Folgenutzung bestimmt. Gegen Jahresende soll es eine Ausschreibung für die Fischseen geben, die dann verpachtet werden.

Dass der Badebetrieb sich an einer Stelle konzentriert, hatte sich auch die Polizei nach dem heißen Pfingstwochenende mit chaotischer Parksituation gewünscht. Jetzt überqueren vor allem Kinder nicht mehr die Straße. Die Lösung mit dem provisorischen Parkplatz direkt am See, auf den Schilder im Ort hinweisen, funktioniere bislang gut, sagt Schwarzachs Bürgermeister Volker Schmitt.

„Wir pflanzen Bäume, Ihr kümmert Euch um die Sauberkeit.“
Hermann Reifenscheid, Geschäftsführer LZR

Dass bei dem noch eher unwegsamen Gelände mit nur kleiner Sandbucht noch Luft nach oben ist, wissen auch die beiden Geschäftsführer Willi Lenz und Hermann Reifenscheid. Das Unternehmen hat jedoch nur Arbeit und Kosten mit dem Badebetrieb, besser gesagt dessen Hinterlassenschaften. Nach dem Pfingstwochenende beispielsweise kostete es LZR 300 bis 400 Euro, das Gelände von Mitarbeitern der Aplawia säubern zu lassen.

Reifenscheids Idee: Baggersee-Begeisterte könnten eine Interessengemeinschaft gründen: „Was Besseres könnte uns gar nicht passieren“, ist der LZR-Geschäftsführer überzeugt. Gemeinsam mit einer IG oder einem Verein könnte man sich Konzepte überlegen, wie das Seeumfeld gestaltet werden kann. Sein konkretes Beispiel: „Wir pflanzen Bäume, Ihr kümmert Euch um die Sauberkeit.“ Eine Idee, die auch bei Schwarzachs Bürgermeister Anklang findet. Die Naherholungsfläche müsse sich noch nach und nach entwickeln, sagt Schmitt, der sich über die gute Zusammenarbeit mit LZR freut.

Klar ist, dass der See noch längst nicht seine endgültige Gestalt angenommen hat, noch einige Jahre ist er in erster Linie Arbeitsplatz für den Kiesabbau. Doch von Anfang an sei es der Firma LZR wichtig gewesen, nicht nur viel für die Natur, sondern auch für den Menschen zu tun, betonen beide Geschäftsführer. Und weitgehend funktioniere das Nebeneinander von Abbau und Badespaß auch prima, einige Chaoten gebe es aber immer.

Mit einer Interessengemeinschaft ließe sich beispielsweise ein großer Sandstrand leichter umsetzen, schlägt Hermann Reifenscheid vor. Und sein Kollege Willi Lenz ergänzt, dass man sich auch wieder über einen Kiosk freuen würde. Bislang fehle ein neuer Betreiber. Auflagen wie ein fester Untergrund und Toiletten erschweren dieses Vorhaben, weiß Lenz, doch sei man bereit, mit Interessenten zusammenzuarbeiten.

Den Schmitts gefällt es am Hörblacher Baggersee so, wie es ist. Ein bisschen mehr Liegefläche wäre schön, sagt Kerstin Schmitt, betont aber sofort: „Das ist Natur, das soll auch Natur bleiben.“

Hörblacher Seenplatte

Beginn: Seit 1990 nutzt die Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) das von ihr gekaufte Gelände bei Hörblach für den Kiesabbau.

Fläche: Insgesamt ist das Gelände rund 65 Hektar groß, aufgeteilt in drei Bereiche: Der älteste ist Abschnitt 1 (liegt rechts von der Straße von Großlangheim nach Hörblach), er soll künftig für die Fischerei genutzt werden (Wasserfläche: acht Hektar). Abschnitt 2 (auf der anderen Straßenseite) dient später der Freizeit und Erholung (16 Hektar), in Abschnitt 3 (westlich, an der Straße Richtung Kitzingen) sollen Ökozellen mit vier kleineren Seen (acht Hektar) entstehen.

Ökologie: Zum umfassenden Naturschutz-Konzept gehört das „Klassenzimmer am Baggersee“. Nächste Aktion: Die Bayern-Tour-Natur zur 18. Fledermaus-Nacht am Sonntag, 31. August, von 19 bis 22 Uhr.

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