VOLKACH

Hummelflug und Musik der absoluten Spitzenklasse

Als Professor Jörg Wachsmuth seine „Ilse“ in die Mainschleifenhalle schob, ging ein Raunen durch die Reihen der Zuschauer. Die zückten ihre Smartphones. Aus gutem Grund.
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Da ist sie: „Ilse”, die größte spielbare Tuba der Welt, gespielt von Professor Jörg Wachsmuth (im Leoparden-Look). Foto: Foto: Guido Chuleck
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Als Professor Jörg Wachsmuth seine „Ilse“ in die Mainschleifenhalle schob, ging ein Raunen durch die Reihen der Zuschauer, und die zückten ihre Smartphones und Fotoapparate. Gute 60 Kilogramm ist „Ilse“ schwer, bei einer Größe von 2,20 Metern, und sie ist die größte spielbare Tuba der Welt. „Da kommt man sich schon etwas klein vor“, gab der nicht gerade klein gewachsene Wachsmuth zu. Und auch beim Dirigenten Ernst Oestreicher war so etwas wie leichte Nervosität spürbar. Immerhin stand nach „Der alte Brummbär“, gespielt vom Symphonischen Blasorchester (SBO) Volkach mit Wachsmuth, der Höhepunkt des Abends an: der „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow aus dessen Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“, gespielt eben auf der weltweit größten spielbaren Tuba.

Allein dafür hatte es sich gelohnt, zum Tuba-Konzert in die Mainschleifenhalle zu pilgern und sich mit eigenen Augen und Ohren zu überzeugen, ob der „Hummelflug“ tatsächlich auf einer Tuba zu spielen ist, deren Schalltrichter einen Durchmesser von einem Meter aufweist. Ja, da lässt sich der „Hummelflug“ tatsächlich spielen, und zwar so gut, dass tatsächlich die einzelnen Töne (rechnerisch zwölf pro Sekunde) zu unterscheiden sind.

Anzug im Leopardenmuster

Danach war der Professor schwer außer Atem, als wäre er die 100 Meter in sieben Sekunden gelaufen, durfte sich aber im gefühlt zehnminütigem stehenden Beifall der 400 Zuhörer erholen. Sein ungewöhnliches Bühnenoutfit, einen Anzug im Leopardenmuster (einschließlich der Schuhe), begründete er übrigens damit, dass er sich für das schnelle Spielen „wie das schnellste Tier der Welt“ fühlen wollte.

Jetzt war „Ilse“ natürlich der Star des Abends, zumindest was das Instrument anging. Vorausgegangen waren jedoch eineinhalb Stunden konzertanter Blasmusik, die weit über das Normalmaß hinaus ein Niveau erreichte, das nur mit „absoluter Spitzenklasse“ zu bezeichnen ist.

In Workshop eingebettet

Das Konzert war eingebettet in einen Wochenend-Workshop mit 95 Teilnehmern und zehn Dozenten aus ganz Deutschland, und da spielt man nicht das, was sowieso schon jeder spielen kann und kaum einer noch hören will. Nein, da spielt dann Lukas Mauckner auf dem Euphonium (griechisch für „wohlklingend“ aus der Familie der Bügelhörner, zu der auch die Tuba gehört) das „Pulse“. Dann spielt da auch ein Tubaquartett (Tuba, Euphonium) des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden (Applaus!), und da spielt das SBO, abwechselnd von Oestreicher und Manuel Scheuring geleitet, auch die Basis zum Hummelflug, und eben mit dem Solisten Mauckner das moderne und mit allerhöchstem Anspruch versehene „Pulse“ von Thomas Doss.

Zur allgemeinen Erholung von Musikern und Zuhörern stand auch ein gediegener Marsch auf dem Programm. Nicht nur wegen des Hummelfluges waren diese eineinhalb Stunden schneller vorbei als so manchem Zuhörer lieb war, und so mancher dürfte auch die Zugabe am Sonntag genossen haben, dem dritten Tag und letzten Tag des Workshops.

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