Geiselwind

Hubert Aiwanger sucht die Nähe zu den Geiselwindern

Der Chef der Freien Wähler überzeugte seine Gastgeber bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Ortsverbands. Der Gast sprach auch unangenehme Themen an.
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Blick in den Saal in Geiselwind beim 30jährigen des Freien Wähler Ortsverbandes. Als Gast sprach Landesvorsitzender Hubert Aiwanger. Foto: Andreas Stöckinger
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Die Freien Wähler, Landgemeinschaft Geiselwind und Ortsteile, hatten zu ihrem 30. Geburtstag den prominentesten Mann aus ihren Reihen eingeladen. Mit Hubert Aiwanger hielt der Parteivorsitzende, gleichzeitig Stellvertreter des Bayerischen Ministerpräsidenten und Staatsminister für Wirtschaft, die Festrede. Dabei schaffte der 48-jährige Politiker das, was einigen seiner Zunft kaum mehr gelingt. Er sprach ohne Worthülsen deutlich an, wo die Probleme und Herausforderungen der Politik derzeit liegen. Ganz im Sinne der Freien Wähler legte er ein Plädoyer für die regionalen Strukturen ab. Selbst "große" Themen löse man eher vor Ort, führte Aiwanger anhand von Beispielen aus.

Aiwanger gab sich volksnah, gratulierte jedem der zu ehrenden Mitglieder persönlich. Kein Wunder, dass der Vorsitzende des Ortsvereins, Siegfried Hummel, angetan war. Die Einladung für das Fest habe man an Aiwanger verschickt, als dieser noch kein Ministeramt hatte. Hummel bekannte, dass er in den letzten Wochen gezittert habe, ob Aiwanger nun noch komme. "Respekt, dass Sie den Termin bei einem kleinen Verein wahrnehmen", begrüßte er den Gast, der wegen der Landesversammlung der Partei in Amberg 45 Minuten zu spät kam.

Die Gründung von Gemeinde und Ortsverband

So verpasste er den Abriss über die Geschichte der Freien Wähler in Geiselwind, den Boy Voss vortrug. Voss ging unter anderem auf die Gebietsreform ein, bei der 1972 aus den um Geiselwind liegenden Dörfern und Weilern aus drei Regierungsbezirken eine Gemeinschaft gebildet wurde. Der erste Bürgermeister war mit Georg Kern ein Bürger aus Rehweiler, dem mit Ludwig Rückel (1978), Gottfried Schaller (1990) und Ernst Nickel (seit 2002) lauter Freie Wähler folgten. Der Ortsverband wurde 1989 auf Betreiben von Gottfried Schaller und Michael Reinlein gegründet.

Dann durften die Grußredner ran, wie etwa der Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Gerald Pittner und Paul Streng als Stellvertreter der Landrätin. Schließlich trat der Freie-Wähler-Chef ans Mikrofon, um 50 Minuten lang frei zu sprechen. Das Kommunale, das Vor-Ort-Sein, sei die Königsdisziplin seiner Gruppierung. "Wir hören auf die Themen der Bürger; das fehlt heute vielfach." Regionalität funktioniere nur mit starken Ortsverbänden; dort sei wichtig, dass Harmonie herrsche.

Aiwanger über die AfD: "ein politischer Totalausfall"

Das Eigentum müsse weiter gesichert bleiben, ging der Wirtschaftsminister auf dieses gerade brisante Thema ein. Die schlechte Mobilfunk-Versorgung war ein weiterer Punkt: "Es ist wichtig, dass wir das anpacken." Dazu verdeutlichte Aiwanger, was seine Maxime ist: "Wir gehen ran, drücken nicht die Augen zu und sagen: Das geht uns nichts an." Seine Freien sieht er als die Zukunftspartei, die "kein Moos am Buckel" habe wie andere. Deftige Worte fand er für die AfD: "ein politischer Totalausfall, eine Nullnummer im Landtag".

Der Wirtschaftsminister plädierte für regionale Strukturen. Wo Ehrenamt und Vereine nicht mehr funktionierten, sei die Gesellschaft auf Sand gebaut. Themen wie den Flächenverbrauch oder die Leerstände löse man am besten an der Basis. Politik bewege sich oft von einem Extrem zum anderen; die Freien Wähler seien die wohltuende Mitte, die viel Unsinn verhinderten, befand der Polit-Profi. Das kam an im Saal. "Sie haben viele wunde Punkte angesprochen. Ich wünsche Ihnen die Kraft und das Durchsetzungsvermögen, Ihre Gedanken durchzubringen", dankte Geiselwinds Vorsitzender Siegfried Hummel.

Ehrung verdienter Mitglieder

Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel, ebenso Freier Wähler, schritt dann zur Ehrung verdienter Mitglieder. Von den neun Gründungsmitglieder erhielten Michael Reinlein, Altbürgermeister Gottfried Schaller und Boy Voss eine besondere Auszeichnung. Zu den Gründern gehörten weiter Elisabeth Beck, Wolfgang Gegner, Richard Mahr, Siegfried Sauerbrey, Marianne Wittmann und Gerhard Zeitler.

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