Dettelbach

Hospizarbeit: Zeit schenken, zuhören und da sein

Elisabeth Rost aus Dettelbach ist Hospizbegleiterin für Senioren auf ihrem letzten Weg. Sie weiß: Mit den Angehörigen übers Sterben zu reden, fällt vielen schwer.
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Elisabeth Rost ist ehrenamtlich in Dettelbach tätig. Sie kümmert sich unter anderem um Senioren im Heim. Foto: Foto: Thomas Obermeier

„Das war ein toller Tag“, erinnert sich die 93-jährige Bewohnerin der Seniorenresidenz. Gemeinsam mit Elisabeth Rost schaut sie sich Fotos an, die jüngst bei einem Besuchsfest des Kindergartens entstanden. „Früher hab ich hier geschafft“, erinnert sich die Bewohnerin an die Zeiten, als Dettelbach (Lkr. Kitzingen) noch ein eigenes Krankenhaus hatte. Heute schließt sich der Kreis, in den Räumlichkeiten ist die Seniorenresidenz untergebracht, wo sie ihren Lebensabend verbringt.

Mehrmals pro Woche ist Elisabeth Rost als ehrenamtliche Hospizbegleiterin in den Dettelbacher Seniorenheimen und auf einer Würzburger Palliativstation unterwegs. Aktuell hat sie die feste Begleitung für drei Personen übernommen.

Im Seniorenheim ist die Dettelbacherin nahezu jedem bekannt und ein gerne gesehener Gast. Gerade sitzen einige Senioren bei einer Tasse Kaffee zusammen. Eine schöne Gelegenheit, gemeinsam Erinnerungen an früher Revue passieren zu lassen.

„Es geht nicht darum, irgendetwas besser zu wissen, sondern einfach da zu sein.“

„Jede Begleitung ist anders“, erzählt Elisabeth Rost, die 2012 die Ausbildung zur Hospizbegleiterin gemacht hat. Mehr durch Zufall kam sie zu einem Treffen aktiver Hospizbegleiter, der Erfahrungsaustausch hat sie dazu angeregt, im Hospizverein Würzburg aktiv zu werden. „Ich bekomme vieles anvertraut, auch Dinge, die die Angehörigen wohl nicht wissen. Viele sind im Geist noch hellwach, können sich aber kaum noch ausdrücken. Manche haben auch einfach Angst, alleine zu sein“, sagt die Hospizbegleiterin.

Für Senioren, die wenig Besuch von ihren Angehörigen bekommen oder gar keine haben, ist Elisabeth Rost häufig die wichtigste Bezugsperson für den letzten Lebensabschnitt. „Meine Aufgabe ist es, Zeit zu schenken und zuzuhören. Es geht nicht darum, irgendetwas besser zu wissen, sondern einfach da zu sein“, ist ihr Selbstverständnis dieser Arbeit.

„Das Sterben gehört zum Leben dazu“, sagt Elisabeth Rost, „aber über den Tod zu sprechen, fällt vielen Menschen sehr schwer. Heutzutage wird alles genau geplant, aber über das Sterben machen sich wenige Gedanken. Mit den eigenen Angehörigen darüber zu reden, wird oft als belastend wahrgenommen.“

Diese wiederum seien oft zu sehr mit der Situation belastet und froh um den Hinweis auf Hilfsangebote neben der eigentlichen Hospizbegleitung, so die 64-jährige.

Elisabeth Rost wünscht sich eine geschwisterliche Kirche

Elisabeth Rost ist seit sieben Jahren Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds in Dettelbach, außerdem fungiert sie als Regionalvertreterin der Region Würzburg-Süd und -Stadt. Deren Frauen besuchen die Bewohner im Seniorenheim zu festen Anlässen wie an Fasching, zur Adventsfeier oder zur einer eigenen Nachfeier des Weinfests.

Auch wenn sie sich gerne engagiert, gibt es viele Veränderungen, die sie sich in der Kirche wünscht. Vielen Sterbenden sei die Krankensalbung wichtig, doch „es wird immer schwieriger, kurzfristig einen Priester zu finden“, spricht sie aus Erfahrung. Elisabeth Rost wünscht sich „eine geschwisterliche Kirche“ mit gleichberechtigten Frauen und Männern. Gemeinsam mit weiteren Mitstreiterinnen hat sie die Forderungen der bundesweiten Protestaktion „Maria 2.0“ an die Türen der Dettelbacher Pfarrkirche geschlagen. Mit einem Transparent „Wir fordern Weiheämter“ nahm sie an eine Kundgebung in Würzburg teil.

Mit Gelassenheit und Gottvertrauen

Wo Elisabeth Rost hinkommt, ist gute Stimmung. Egal ob im Foyer des Seniorenheims, wo ein kurzes „Grüß Gott“ die Senioren aufschauen und lächeln lässt oder bei Familienfesten mit ihren sechs Kindern und acht Enkeln. Die Hospizbegleiterin besitzt die Gabe, in allem etwas Gutes zu sehen und diese Dankbarkeit weiterzugeben. „Ohne meine Krankheit hätte ich Sie nie kennengelernt“, sagte einmal eine Dame, die sie auf dem letzten Weg begleitet hat. Wie das funktioniert? „Mit Gelassenheit und Gottvertrauen gelingt es“, sagt Elisabeth Rost. „Die Menschen sind so dankbar, dass ich vorbeikomme“, weiß sie. Jeder Besuch im Seniorenheim bringt einzigartige Begegnungen mit Menschen, an die „viel zu wenig gedacht wird“, wie Elisabeth Rost sagt. Das spornt sie jedes Mal aufs Neue an, den Berg zum Dettelbacher Seniorenheim hinaufzulaufen.

Hospizarbeit und Hospizverein

Der Begriff „Hospiz“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich „Herberge“ oder „Gastfreundschaft“. Heute versteht man unter dem Wort „Hospiz“ vor allem die Hospizidee. Sie betrachtet Sterben als einen Teil des Lebens, steht für zugewandtes und achtsames Begleiten, möchte das Leben trotz schwerer Erkrankung lebenswert gestalten, will Schwerkranken ein Sterben in Würde ermöglichen und Trauernde unterstützen, so der Hospizverein Würzburg auf seiner Website. Unter dem Motto „Leben bis zuletzt“ bietet der Hospizverein Würzburg seit 25 Jahren schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen Begleitung an. Die Hospizbegleiter und -begleiterinnen arbeiten ehrenamtlich und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Für ihre Tätigkeit wurden sie ausgebildet. Die Hilfsangebote in der Kranken- und Trauerbegleitung stehen allen Menschen offen, unabhängig von Religion, Herkunft oder Nationalität. Die Begleitung ist kostenlos. Die Ehrenamtlichen entscheiden selbst über die von Ihnen zur Verfügung gestellte Zeit und teilen sich diese ein. In der Hospizarbeit sind sie ausschließlich den schwerkranken Menschen, die sie respektvoll begleiten, verpflichtet. Hospizbegleiter ersetzen keine Pflegekräfte und übernehmen auch nicht deren Tätigkeiten, betont der Verein. Ihre Vorstellung ist es, Zeit zu schenken und das Leben für den Schwerkranken und dessen Angehörigen möglichst lebenswert zu gestalten. (san)
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