SEINSHEIM

Hochzeitsgeld für den freiwilligen Gang in die Zwangsehe

Ein spannender Rückblick bei der 40-Jahr-Feier der Großgemeinde Seinsheim: Bürgermeister Heinz Dorsch zeigte den Gästen viele Bilder aus den vergangenen 40 Jahren.
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Stadt zu werden, das hat Seinsheim in den vergangenen 40 Jahren nicht geschafft. Foto: Foto: Gerhard Krämer
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Liebevoll war das Seinsheimer Jugendheim in den Ortsfarben Gelb-Blau geschmückt worden, Mitglieder des Gemeinderats bedienten die Gäste, die Seinsheimer Musikanten spielten. Alles war gerichtet für die 40-Jahr-Feier der Großgemeinde Seinsheim. Nur: Einige Plätze blieben dennoch leer, was vermutlich der Weinlese geschuldet war, wie Bürgermeister Heinz Dorsch vermutete.

Wenn die Bürger aus verschiedenen Ortschaften 40 Jahre zusammen leben, miteinander kommunizieren, einander aushelfen und füreinander Verantwortung tragen, gemeinsame verantwortliche Gremien wählen, miteinander zusammenarbeiten, miteinander eventuell auch streiten, vielleicht auch manchmal leiden, dann sollte dies auch ein Grund sein, auch einmal miteinander feiern, begründete Bürgermeister Heinz Dorsch die 40-Jahr-Feier, bei der auch Stimmkreisabgeordneter Otto Hünnerkopf seine Glückwünsche überbrachte.

Eigene Vorstellungen und Wünsche

„In den letzten 40 Jahren musste und wurde viel auf den Weg gebracht“, sagte Bürgermeister Heinz Dorsch. Für die Verantwortlichen der ersten Stunde sei es nicht immer leicht gewesen, bei den verschiedenen Themen auf einen Nenner zu kommen. Jeder einzelne hätte so seine Vorstellungen und Wünsche gehabt und hätte seine Eigenständigen nicht verändern wollen.

So manche Beschlüsse, die schnell vor Ende der Selbstständigkeit gefasst worden seien, hätten den Nachfolgern des Öfteren längere und intensive Diskussionen bereitet, weiß Dorsch.

Keine Liebe, aber auch kein Streit

Sicherlich sei die Gebietsreform seinerzeit nicht immer eine Liebesheirat gewesen, meinte Dorsch. Doch Streit wie in Ermershausen im Landkreis Haßberge, daran erinnerte Landrätin Tamara Bischof, habe es hier nicht gegeben. Die Landrätin erzählte vom Freiwilligengeld, also eine Art „Hochzeitsgeld“, das es gegeben hatte für die „freiwillige Entscheidung zu einer Zwangsehe“. Viele Punkte wollten die einzelnen Gemeinderäte dabei geklärt haben, zum Beispiel, dass die zusätzlichen Schlüsselzuweisungen in den einzelnen Orten investiert würden oder Sprechstunden in den Ortsteilen. „Heute ist rein gar nichts mehr zu spüren“, meinte Tamara Bischof, was allerdings zu Murmeln im Saal führte.

Doch generell sei die Gebietsreform ein Gewinn für die Gemeinde, ist sich die Landrätin sicher. „Das Kirchturmdenken gehört der Vergangenheit an.“ Dies spiegele sich auch in den geschlossenen Allianzen wider, denn allein als kleiner Ort stehe man wachsenden Herausforderungen hilflos gegenüber.

Nur zwei Bürgermeister in 40 Jahren

Aus ihrer Sicht seien in der Nachbetrachtung die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Respekt zollte sie der Tatsache, dass es mit Hans Schubert und Heinz Dorsch (seit 28 Jahren) in den 40 Jahren nur zwei Bürgermeister gegeben hatte.

Heinz Dorsch hatte sich viel Mühe gemacht, und zeigte den Gästen viele Bilder aus den vergangenen 40 Jahren. Vor 1990 habe er nur wenige Bilder finden können, weswegen er etliche Artikel aus der Zeitung präsentierte. Schon im ersten Gemeinderat sei übrigens eine Frau vertreten gewesen, die allerdings nach einem Jahr schon wieder ausgeschieden sei. Aktuell sitzen vier Frauen im Gemeinderat. Dieser hatte sich zumindest 1978 ein Zeitlimit gesetzt, denn einem Protokoll war zu entnehmen, dass Tagesordnungspunkte „wegen Überschreitung der Sitzungszeit“, nämlich 23 Uhr, zurückgestellt wurden

Leute heute nicht mehr so garstig

Im Zuge der Präsentation verriet Dorsch, dass er nach den Erfahrungen, die er in der Amtszeit seines Vaters als Bürgermeister gemacht habe, eigentlich nie Bürgermeister werden wollte. Schließlich habe er das viele Schimpfen mitbekommen. „Heute sind die Leute nicht mehr so garstig“, ist er erleichtert.

Dorsch erinnerte unter anderem an die 575-Jahr-Feier des Marktes und die „Stadt Seinsheim“, an den Wasserleitungsbau in Tiefenstockheim, wo hinterher keiner mehr geschimpft habe, an ganzseitige Berichterstattungen in der Zeitung über die Bürgerversammlung, an die vielen Veränderungen durch die Dorferneuerung, an den Bau des Landschaftssees in Seinsheim, den Kauf der Seinsheimer Chronik, an Leistungen der Vereine und an vieles mehr.

Musikalisch bereicherten sie Seinsheimer Musikanten unter Albin Schiffmeyer, der Seinsheiner Gesangverein Frohsinn mit Chorleiter Gregor Kernwein und der Gesangverein Tiefenstockheim unter Christian Brückner die Festveranstaltung.

Seinsheim und die Gebietsreform

Bürgermeister Heinz Dorsch hatte tief im Archiv gegraben und zitierte aus Sitzungsprotokollen. Denn schon 1972 hätten die Diskussionen begonnen. Obernbreit habe damals einen Zusammenschluss mit sechs Gemeinden des südlichen Landkreises geplant.

Im Mai 1973 ist festgehalten, dass der Markt Seinsheim bestrebt ist, sich mit den Gemeinden Hüttenheim, Bullenheim, Wässerndorf, Iffigheim, Tiefenstockheim und Markt Herrnsheim zusammenzuschließen.

1975 hat dann laut Dorsch Iffigheim bekundet, falls keine solche Großgemeinde zu Stande komme, lieber nach Obernbreit oder Marktbreit zu gehen. Im Dezember 1975 hatte der Gemeinderat Wässerndorf festgestellt, das sein Wunsch für Obernbreit nicht zum Tragen komme. Deshalb wolle sich der Ort der Zeitplanung der Regierung nicht widersetzen, „damit die Aussicht auf staatliche Förderung nicht verloren geht“.

Mitte Dezember beschloss dann die Marktgemeinde Seinsheim, mit Iffigheim, Tiefenstockheim und Wässerndorf eine Einheitsgemeinde zu bilden. Iffigheim wäre zu diesem Zeitpunkt weiterhin gerne zu Obernbreit gegangen, beugte sich aber dem geplanten Zusammenschluss, der dann am 1. Mai 1978 auch Realität wurde.

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