Albertshofen
Kirchweih

Hingucker bei der Albertshöfer Kirchweih

Zwar spielte das Wetter nicht mit, dafür gab es umso schönere und verrücktere Wagen, die sich durch Albertshofen schlängelten. Ein Höhepunkt war das Gefährt der Geometer.
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Mit viel Krach, greller Farbe und einem rotierenden Sofa der Hingucker dieses Kirchweih-Umzugs: Der Wagen der Geometer war das, was niemand erwartete.  Fotos: Thomas Feiler
Mit viel Krach, greller Farbe und einem rotierenden Sofa der Hingucker dieses Kirchweih-Umzugs: Der Wagen der Geometer war das, was niemand erwartete. Fotos: Thomas Feiler
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Eine schöne Kerm und gute Laune wünschte sich Christian Gimperlein vor Beginn des Kirchweihumzuges. Gimperlein ist der Vorsitzende des Brauchtumsvereins Albertshofen und hat mit vielen anderen bereits ab August angefangen, die Albertshöfer Kirchweih zu organisieren. Doch so lange die Vorbereitungen auch andauerten: Das Wetter konnte niemand zugunsten der Kirchweih beeinflussen. Dennoch blieb Christian Gimperlein auch kurz vor Beginn des Umzuges am Sonntag zuversichtlich: "Es gibt bei der Kerm kein Scheißwetter."
Dabei war das Wetter mehr als bescheiden: Während des ganzen Zuges regnete es, die Zuschauer, die die Straßen säumten, hielten sich so gut es ging mit Regenschirmen trocken, manche Plakate an den Wagen weichten langsam auf.
Trotzdem waren alle bester Laune: Der Hohe Rat - alle Mitglieder in Frack und Zylinder - wurde nie müde klarzustellen, wer diese Woche Kirchweih hat.
Selbst dann noch, als ihre Stimmen vom Schreien, vom Singen und vom Zigarrenpaffen heiser geworden waren, feierten sie auf ihrem Wagen lautstark sich und ihr Dorf. "Wer hat Kerm? - Wir ham Kerm!", riefen die älteren Burschen immer wieder, jubelten und hoben dabei ihre Zylinder in die Lüfte.
Auch das restliche Feiervolk auf den Wagen ließ sich vom schlechten Wetter die Laune nicht verderben. Dafür hatten sie zu lange gearbeitet, das sah man auf dem ersten Blick: Ein Zug von Traktoren, allesamt verziert mit Salatköpfen und buntem Gemüse, fuhr gemächlich vom Gelände des Gemüsehandels Will bis zum Pfarrhaus, um dort Pfarrer Otto Gölkel einen Besuch abzustatten.
Der servierte dem Hohen Rat, nachdem er aus vollem Halse einmal ,Laudato Si' vorgesungen hatte, Getränke - aber nicht die, die die Mitglieder des Hohen Rates erwartet hatten: statt Alkohol gab es Spezi. "Das müssen wir bis zur nächsten Kerm noch üben", rief ein Mitglied des Hohen Rates, doch da fuhr der Wagen schon weiter. Danach zogen auch die anderen Wagen am Pfarrhaus vorbei und Pfarrer Gölkel bekam von den Fahrern entweder ein Brot mit frisch gestampfter Butter oder einen Becher mit Suppe überreicht.
Dann musste der Geistliche selbst in Aktion treten. Er musste mit dem Mund von einer Angel eine Wurst von einer Schnur schnappen. "Die haben sich schon was Nettes einfallen lassen", bemerkte der Pfarrer, nachdem die meisten Wagen schon vorbei gezogen waren - doch da hatte er noch nicht den Wagen der Geometer entdeckt.
Statt das Rattern eines Traktors hörte das Publikum am Straßenrand laute Musik und den Krach eines Motors mit viel zu hoher Drehzahl. Statt eines mit Gemüse geschmückten Bulldogs fuhr ein neongelber Pkw durch Albertshofens Straßen. Auf dem Autodach rotierte ein schwarzes Sofa mit dem Schriftzug "Make Kerm no war".
Mit diesem Wagen haben die Geometer ihren Auftrag für die Kirchweih perfekt erfüllt, nämlich möglichst skurril, verrückt und vor allem anarchistisch aufzutreten. "Das sind dann wohl die Wilden im Dorf", vermutete Pfarrer Gölkel.
Wild machten die Geometer auch weiter, als sie nach dem Umzug das Kirchweihfass suchen und ausgraben sollten. Irgendwo innerhalb eines kleines Feldes war dieses Fass begraben. Ehe das aber wieder gefunden wurde, wurde zunächst eine Kloschüssel ausgegraben und von den Geometer so viel alte Sachen auf dem Feld wie möglich zerstört. Dabei geriet die Kirchweiherede, "die Kerwaräid", fast in den Hintergrund: Das Highlight waren schlicht und einfach die Geometer.
Als dann das Fass endlich von den allerjüngsten unter Anleitung der Geometer ausgebuddelt wurde, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Der Regen konnte der Kirchweih nichts anhaben. Nass, dennoch bester Laune und mit einem dicken Grinsen auf den Gesichtetern, gingen die Zuschauer des Umzugs anschließend zu Kaffee und Kuchen ins Gemeindehaus. Christian Gimperlein hatte am Ende des Kirchweihumzuges also doch noch Recht mit seiner Prognose behalten: Selbst das mieseste Regenwetter kann der Kerm in Albertshofen nichts anhaben.

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