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Gnodstadt

Hilfe für Kranke: Mit Weihnachtskrippen gegen Mukoviszidose

Der Kampf gegen Mukoviszidose liegt Werner Biebelriether aus Gnodstadt am Herzen. Über zehn Jahre bastelte er Krippen, um mit dem Erlös Betroffenen zu helfen.
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Mehrere tausend Euro spendete Werner Biebelriether in den vergangenen zehn Jahren an den Verein Mukoviszidose, indem er selbst gebaute Krippen verkaufte. Dafür wurde er von Rosalie Keller von der Organisation mit dem "Schutzengel" ausgezeichnet. Foto: Lukas Kutschera
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Wie sich Angehörige von Kindern mit seltenen Erkrankungen fühlen, das weiß Werner Biebelriether aus Gnodstadt. Seine Enkel Lilli und Nils haben beide Mukoviszidose,  eine unheilbare Erbkrankheit. Von selbst tut sich in der Forschung wenig, da nur etwa 8000 Menschen in Deutschland betroffen sind. Das macht auch den Austausch mit anderen Patienten oder fachgerechte Unterstützung für die Angehörigen schwierig. "Es zerrt schon an den Nerven", sagt der 73-Jährige über die Erfahrungen seiner Familie.

Doch Familie Biebelriether hat, wie viele Betroffene in ganz Deutschland, einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die Krankheit – den bundesweit tätigen Verein Mukoviszidose. Der hilft Patienten und deren Angehörigen durch Selbsthilfegruppen sowie Beratungsstellen und finanziert Forschungsprojekte. Dafür ist er auf Spenden angewiesen. Und hier kommt Werner Biebelriether ins Spiel. Seit zehn Jahren spendet er an den Verein. Das Besondere: Er finanziert das über den Verkauf seiner selbst gebastelten Weihnachtskrippen.

Über zehn Jahre tausende Euros gespendet

Dafür zeichnet ihn die Regionalgruppe Unterfranken des Vereins Mukoviszidose nun mit dem "Schutzengel" aus. "Diese Auszeichnung bekommen nur ganz besondere Menschen und Spender", sagt Rosalie Keller von der Organisation. Zuhause bei Werner Biebelriether in Gnodstadt überreicht sie den "Schutzengel". Es ist der dritte überhaupt, den der Verein je vergeben hat. Dabei erzählt Werner Biebelriether von seinem außergewöhnlichen Engagement. Einen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich hat der 73-Jährige in den vergangenen zehn Jahren gespendet.

Mit seinen Krippen war Werner Biebelriether auf Weihnachtsmärkten in ganz Unterfranken unterwegs. Immer dabei hatte er die Flyer des Vereins Mukoviszidose. Seinen Erlös spendete er komplett und auch die Materialien zahlte er aus eigener Tasche. "Sonst wäre sicher nicht so viel zusammengekommen", meint der 73-Jährige heute. Auch den Weihnachtsmärkten ist er dankbar, dass sie ihn ohne Standgebühren verkaufen ließen.

Sein Enkel brachte ihn auf die Idee, Krippen zu bauen

Die Krippen baute Werner Biebelriether komplett selbst. Bis zu drei Tage saß er an einem einzelnen Exemplar. Er machte die Krippen aus kleinen Holzleisten, die er dann zurecht schnitt und verklebte. Als Inspiration dienten ihm echte Scheunen und Ställe, die er gesehen hat. Manchmal ließ er aber auch seiner Fantasie freien Lauf. Verkauft hat er die Krippen dann für bis zu 200 Euro.

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Auf die Idee kam er durch seinen Enkel Nils."Wir haben vor ein paar Jahren eine Krippe bei uns aufgestellt", erinnert sich der 73-Jährige. Damals war er auf der Suche, wie er sich für Betroffene engagieren kann. Und dann gefiel seinem Enkel die Krippe so gut, dass Werner Biebelriether seine Aufgabe gefunden hatte.

Er entschied sich, selbst welche zu bauen, um damit Spenden zu sammeln. Als gelernter Spengler-Installateur hatte er den Dreh schnell raus. Wie viele Krippen er in den zehn Jahren verkauft hat, kann der 73-Jährige nicht sagen. Aber: "Mit 41 war 2018 mein bestes Jahr." Und die konnte er damals alle unter die Leute bringen.

Werner Biebelriether hofft auf eine Heilung für Mukoviszidose

Der Verein Mukoviszidose ist für Werner Biebelriether eine Herzensangelegenheit. Sowohl Lilli, die heute 13 Jahre alt ist, als auch der 17-jährige Nils können mit ihrer Krankheit leben. Die Enkelin des 73-Jährigen macht Leistungsturnen und besucht die Realschule; sein Enkel absolviert gerade eine Ausbildung zum Elektroniker. Als die Familie damals, nach den Geburten die Diagnose bekam, war der Verein mit seiner Selbsthilfegruppe eine wichtige Stütze für sie. "Wir wussten damals gar nicht, was die Krankheit überhaupt bedeutet", erinnert sich Werner Biebelriether an die Zeit.

Aber vor allem, dass  Mukoviszidose endlich heilbar wird,  ist seine Hoffnung. "Selbst wenn es meinen Enkeln vielleicht nicht mehr hilft, werden immer noch Menschen mit der Krankheit geboren", sagt er. Obwohl Biebelriether seit diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen keine Krippen mehr baut, wird er weiter spenden. Damit weiter geforscht werden kann, bis eine Heilung gefunden ist.

Sie wollen Betroffenen in Unterfranken helfen? Spenden an den Verein Mukoviszidose können Sie hier: IBAN DE84 7905 0000 0043 1771 12

Mukoviszidose
Mukoviszidose ist eine unheilbare Erbkrankheit, eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper. Dadurch bildet sich in den inneren Organen der Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das die inneren Organe irreparabel schädigt.
Symptome: Patienten leiden unter Symptomen wie wiederkehrenden Lungenentzündungen, Verdauungsstörungen und chronischem Husten. Häufig sind auch Vitamin-Mangelerscheinungen und Untergewicht.
Therapie: Betroffene müssen mehrmals täglich Medikamente einnehmen sowie täglich inhalieren und Atemübungen durchführen. Darüber hinaus müssen sie sich kalorienreich ernähren und Enzyme für die Verdauung zu sich nehmen. 
Jährlich kommen in Deutschland laut Verein Mukoviszidose etwa 200 Menschen mit der Krankheit auf die Welt.
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