IPHOFEN

„Hexenverbrennung hautnah“

Die Museumstür war noch nicht richtig geöffnet, da setzte auch schon der Sturm auf die Sonderausstellung ein: Gleich drei Schulklassen nutzen vergangenen Donnerstagmorgen einen Wandertag, um die Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ im Iphöfer Knauf-Museum zu erkunden.
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Begegnung mit der Geschichte: Die Erfolgsausstellung „Hexenwahn in Franken“ im Knauf-Museum lockt verstärkt auch Schulklassen an. Foto: Foto: Frank Weichhan

Die Museumstür war noch nicht richtig geöffnet, da setzte auch schon der Sturm auf die Sonderausstellung ein: Gleich drei Schulklassen nutzen vergangenen Donnerstagmorgen einen Wandertag, um die Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ im Iphöfer Knauf-Museum zu erkunden.

Zwei zehnte und eine achte Klasse der Wirtschaftsschule erlebten einen etwas anderen Geschichtsunterricht: Sie erfuhren durch persönliche Schicksale, dass der Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit eine düstere Zeit war, in der der Hexenwahn tobte.

Gründe für den Wahn gab es viele: Missernten, Krankheiten, dazu eine in Glaubensdingen verunsicherte Bevölkerung. In Würzburg setzte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Gegenreformation durch und trieb dabei ab 1590 auch die Jagd nach Hexen voran.

Eine der Schülerinnen, die Zehntklässlerin Esin Samur, fasste für uns nach dem Besuch ihre Eindrücke zusammen, die sie mit „Hexenverbrennung hautnah“ überschrieben hat.

„Unser Lehrer machte uns einige Tage vor dem Museumsbesuch neugierig, indem er uns erzählte, dass wir mit Schicksalen von unschuldigen Opfern konfrontiert werden würden. Ich ging mit gemischten Gefühlen in die Ausstellung, da ich mich fragte, wieso so etwas Abscheuliches unschuldigen Menschen angetan wurde.

Nachdem wir unsere Audioguides bekommen hatten, ging es los. Ich erfuhr, dass Frauen Vorwürfe gemacht wurden, sie hätten die Ernte verdorben, sie seien die Ursache von Missgeburten und hätten Menschen mit 'Zaubertränken' krank gemacht. Sie wurden für jedes Unglück von Einzelpersonen und Städten verantwortlich gemacht. Daraufhin hat man diese so lange gefoltert, bis sie diesen Vorwürfen nur noch zugeben konnten.

Die sogenannten 'Hexen' erfanden Lügen, etwa dass sie einen Pakt mit dem Teufel hatten, nur um nicht mehr länger gequält zu werden. Sogar vor Kindern wurde kein Halt gemacht, auch sie fielen dem Hexenwahn zum Opfer. So etwas Menschenunwürdiges sollte niemandem widerfahren.

In diesem Museum wurde mir gezeigt, dass noch nicht vor allzu langer Zeit solche grauenhaften Prozesse in Gange waren und fürchterliche Urteile gesprochen wurden. Meiner Meinung nach ist der Besuch der Ausstellung von großer Bedeutung, um zu begreifen, was damals in unseren Regionen ablief. Egal in welcher Stadt oder in welchem Land auch immer, es sollte niemand zum Sündenbock für das Unglück gemacht werden!“

Sonderausstellung: Hexenwahn in Franken, Knauf-Museum Iphofen, bis 2. November, geöffnet Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, Montag geschlossen. Weitere Infos: www.knauf-museum.de.

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