KITZINGEN

Herzkatheter in der Klinik kann Leben retten

Zwei Meilensteine der Gesundheitsversorgung haben im Kitzinger Krankenhaus den Betrieb aufgenommen: ein Herzkatheterlabor und die neue Zentrale Patientenaufnahme.
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Der Kardiologe Dr. Abed Sallem erklärt die Geräte im Herzkatheter-Labor in der Klinik Kitzinger Land. Foto: Foto: Andreas Brachs
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Die Klinik Kitzinger Land baut die qualitative und schnelle Versorgung ihrer Patienten weiter aus. In diesen Tagen eröffnete sie offiziell ein Herzkatheter-Labor, das in Zusammenarbeit mit dem Kitzinger Kardiologen Dr. Abed Sallam betrieben wird.

Herzerkrankungen punktgenau behandeln

Mit der medizintechnischen Ausstattung auf dem neuesten Stand lassen sich viele Herzerkrankungen punktgenau diagnostizieren und oft schon behandeln. Zum Labor gehört auch ein zusätzlicher OP-Saal. Da Herzerkrankungen immer noch zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland gehören, verbessert sich mit dem Herzkatheter-Labor die Versorgung der Bevölkerung rund um Kitzingen entscheidend.

Sallam stellte in einem Vortrag am Mittwoch die vielfältigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten des Herzkatheter-Labors vor. So lassen sich verengte Gefäße, undichte Klappen oder Rhythmusstörungen zum Beispiel in Drei-D-Bildern und in Farbe hochaufgelöst darstellen. Nach Worten des Facharztes für Kardiologie und Innere Medizin handelt es sich „um eine der modernsten Anlagen der Welt“. Positiv für Arzt und Patient ist auch, dass es kaum noch Strahlenbelastung gebe. Sallam wohnt in Kitzingen, betreibt eine Praxis in Würzburg und seit einem Jahr auch in Kitzingen.

Behandlung nach Fallschwere

Ebenfalls neu ist die Zentrale Aufnahme im Haus. Dort werden Patienten nun schneller als bisher angemeldet, untersucht und nach Fallschwere sortiert zur Behandlung weitergeleitet. Die Ärztliche Leitung hat Dr. Christian Sommer übernommen. Er war lange Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes und ist somit mit den Anforderungen von Notfallpatienten vertraut. Sommer zufolge werden Patienten nun weitgehend digital erfasst und per Nummern-Aufrufsystem, wie man es zum Beispiel von der Auto-Zulassungsstelle kennt, in die Untersuchungsräume weitergeleitet.

Dabei unterscheidet die Aufnahme grundsätzlich nach Notfällen und nach Patienten, die wegen nicht dringender (elektiver) Operationen kommen. Künftig wird also nicht mehr derjenige Patient zuerst aufgerufen, der als Erster kam, sondern derjenige, der am schnellsten behandelt werden muss. Trotzdem bleibt das Ziel, die Wartzeit für alle zu verkürzen. Erstmals werden nun auch Patienten der Geburtshilfe und der Gynäkologie die Zentrale Aufnahme durchlaufen. Der neue Bereich verfügt nun über 16 Behandlungsräume statt früher sechs. Dazu kommen acht Untersuchungsräume, eine Sechs-Betten-Station, ein Schockraum und ein OP-Saal.

Zwei Säulen der medizinischen Versorgung

Dr. Wolfgang Karmann, Chefarzt und Kardiologe der Klinik, bezeichnete die beiden Abteilungen als „zentrale Bausteine und Meilensteine“ in der Entwicklung des Krankenhauses. Landrätin Tamara Bischof ergänzte, dass man die bestmögliche ambulante und stationäre Versorgung der Patienten im Landkreis ermöglichen wolle. Dafür sei das Zusammenspiel zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten wichtig. Ohne diese beiden Säulen sei ein funktionierendes Gesundheitswesen undenkbar.

Als kommunaler Träger habe der Landkreis die Pflicht und die Möglichkeit, ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung zu betreiben – anders als manche privat betriebene Klinik. Dafür brauche es die Häuser auf dem Land. In diesem Zusammenhang kritisierte Bischof die Bundespolitik, die verstärkt auf große Klinikzentren setze.

Anbau war Kraftakt

Verwaltungsleiter Thilo Penzhorn nannte die Bauarbeiten für Herzkatheter-Labor und Zentrale Aufnahme einen „Kraftakt“, aber auch die „richtige Entscheidung zur rechten Zeit“. Mit Blick auf die Konkurrenz auf dem Gesundheitsmarkt sagte er: „Nicht nur der, der groß ist, gewinnt, sondern auch der, der schnell ist.“ Die Klinik Kitzinger Land habe „gute Ärzte mit Potenzial im Haus, und die Politik lässt uns unbürokratisch machen“, freute sich Penzhorn über das Vertrauen der Landkreis-Verantwortlichen. Er dankte auch dafür, dass bei der medizinischen Versorgung „nicht aufs Geld geschaut wird“, denn schließlich seien die Um- und Anbauten am Ende teurer gekommen als geplant.

Klinik Kitzinger Land: Herzkatheter-Labor und Zentrale Aufnahme

In nur sechs Monaten Bauzeit ist der Anbau eines Herzkatheter-Labors an die Klinik Kitzinger Land entstanden. Die integrierte Praxis des Kardiologen Dr. Abed Sallam soll die medizinische Versorgung der Bevölkerung erheblich verbessern.

Zu den zehn häufigsten Todesursachen gehören mit 23 Prozent die Herzerkrankungen. Da die Bevölkerung immer älter wird, nehmen diese Krankheiten auch immer mehr zu, erklärt Klinik-Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann. Dem gegenüber steht eine immer bessere Diagnostik und Behandlung der Krankheiten, so dass unterm Strich die Sterberate bei Herzerkrankungen zurückgeht.

Rund 20 000 Notfallpatienten werden in der Zentralen Aufnahme der Klinik Kitzinger Land im Jahr versorgt. Dazu kommen 9000 weitere Patienten, die nicht als dringende Fälle eingestuft sind. Rund 200 Schockraumeinsätze gibt es jährlich.

Rund 36 Millionen Euro investiert der Landkreis in den ersten Bauabschnitt seiner Klinik-Erweiterung. Dazu gehört auch die Zentrale Aufnahme mit bis zu fünf Millionen Euro. Für das Gebäude und die Geräte des Herzkatheter-Labors werden zwei Millionen Euro fällig. Rund eineinhalb Millionen Euro davon zahlt der Landkreis für das Gebäude, der Kardiologe den Rest für die Technik.

Kontakt: Das Herzkatheter-Labor ist unter Tel. (0 93 21) 704-395 zu erreichen, die Zentrale Aufnahme für Notfälle unter Tel. (0 93 21) 704-190 für Termine unter 704-220. abra

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