HELLMITZHEIM

Hellmitzheim, ein Ort mit Zukunft

Landesentscheid zum Dorf-Wettbewerb: Die Jury fand viel Lob für Iphofens zweitgrößten Stadtteil Hellmitzheim, aber ob das für einen Sieg reicht?
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An blühenden Vorgärten lief die Jury in Hellmitzheim vorbei. Foto: Foto: Gerhard Krämer
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Sonnenschirme statt Regenschirme wie beim Bezirksentscheid wären am Donnerstag nötig gewesen, als die 15-köpfige Jury beim Landesentscheid des 26. Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ Hellmitzheim genau unter die Lupe nahm. Iphofens zweitgrößter Stadtteil hatte sich mit 14 anderen Bezirks-Golddörfern qualifiziert und wartet nun gespannt auf die Entscheidung, die am Montagnachmittag bekannt gegeben wird.

Seit 6 Uhr war Bürgermeister-Stellvertreter Ludwig Weigand in seinem Heimatort auf den Beinen. Wie viele andere im Ort hatte auch er eine anstrengende Zeit der Vorbereitung hinter sich. Und so mancher atmete nach dem Rundgang der Abfahrt der Jury erst einmal durch und gönnte sich ein kleines Bier in einem der beiden Dorfgasthäuser.

Anspannung im Ort

Die Anspannung im 378 Einwohner zählenden Ort war zu spüren, allerdings wirkte der Ort fast wie ausgestorben. Kein Auto stand in den Straßen. Die Einheimischen parkten in ihren Höfen und Feuerwehrleute lotsten Auswärtige freundlich zu Parkplätzen außerhalb des Kernortes. Die anderen Bewohner aber, die das Dorf ob ihres Zusammenhaltes so wertvoll machen, die hatten sich bereits auf der schattigen Grünfläche zwischen Gemeindehaus und Kindergarten versammelt. „Heute Nacht schlafen wir besser“, meinte eine Hellmitzheimerin und verriet damit die Anspannung der vergangenen Tage.

Als dann pünktlich um 9.30 Uhr die Jury mit dem Bus kam, der Posaunenchor „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen“ spielte, viele Hellmitzheimer von ganz jung bis alt dabei waren, alle richtig positioniert waren, die Kindergartenkinder interessiert verfolgten, was da in der Nachbarschaft so abging, da zeigte sich die ganze Gemeinschaft, in der jeder vorbereitet war und sein Bestes gab.

Gestärkt mit Honigbrot und Bratwurst

Landrätin Tamara Bischof lud die Bewertungskommission mit Günter Knüppel an der Spitze ein, die Kulturlandschaft zu genießen. „Der größte Schatz von Hellmitzheim sind die Bürger“, lobte sie. Eigentlich hätte die Ortsgemeinschaft schon gewonnen, denn sei sei ein großes Team. Für das I-Tüpfelchen, die Goldmedaille im Landesentscheid, drückte sie aber die Daumen.

Gestärkt mit Honigbrot, Schinkenbrot, Forellenmus, Wildbratwurst und Käsewürfel, Symbole für die Vielfalt der Landwirtschaft, und Hellmitzheimer Gebäcktalern startete die Jury ihren Dorfrundgang. „Wir strengen uns an, Sie zu überzeugen, dass wir die Besten sind“, versprach Bürgermeister Josef Mend.

Zuvor hatte Jurymitglied und Landschaftsarchitekt Bernd Carl für eine kleine Schrecksekunde gesorgt, als er ganz trocken mit ernster Miene bemerkte: „Was ich bisher gesehen habe... – man sieht das Dorf fast nicht.“ Aufatmen – denn es war schon vorab ein verstecktes Lob für die Dorfrandbegrünung.

Jugend und Fledermäuse unter einem Dach

Engagierte Bürger präsentierten der Kommission eine ländliche Idylle, eine alte Kulturlandschaft, Hutewälder, einen aktiven Ortskern geprägt von vorausschauender Dorfentwicklung, die Feuerwehr im ehemaligen Gemeinschaftsgefrierhaus, die Galerie im früheren Raiffeisenlagerhaus, das Sportheim in der ehemaligen Schafscheune, das neue Baugebiet, die vielen renovierten Höfe, deren Tore offen standen, die Kirche im und für den Ort, das sanierte Jägerhaus und natürlich das Flatterhaus, in dem nicht nur Fledermäuse heimisch sind, sondern auch die Jugend.

Schon die Hellmitzheimer Broschüre über die Menschen und das Leben im Ort hat Karl Fleschhut (Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen) schwer beeindruckt. „Das Leben genießen“ sei ein guter Leitspruch. Ebenso lobt er die konsequente Innenentwicklung. Seine Kollegin Beate Wolters (Soziale und kulturelle Aktivitäten) schwärmte vom kirchlichen und weltlichen Angebot, besonders vom Kindergarten in der Ortsmitte, vom Strohballenpool der Dorfjugend, der Integration von Flüchtlingen, dem Brandversicherungsverein und vielem mehr. „Ich habe hier eine ganz, ganz lebendige Gemeinschaft vorgefunden, die fit für die Zukunft ist“, sagte sie.

Liebe zur Heimat

„Dramaturgisch gelungen“ bilanzierte Brigitte Sesselmann (Baugestaltung und -entwicklung). Denn nach der Information, dass 70 Prozent des Dorfes im Krieg zerstört worden waren, war sie gespannt auf das jetzige Aussehen. Und erlebte mit Dorfplatz und Flatterhaus das Beste am Schluss. Die Gestaltungssatzung gehe hier Hand in Hand mit einer intensiven Beratung, freute sie sich, was sich im Ortsbild widerspiegele. „Ich habe mich hier pudelwohl gefühlt“, bekannte sie.

Brigitte Goss (Grüngestaltung und -entwicklung) lobte das viele Grün, das schon lange existiere. Der Ort gehe noch so viele Dinge an und werde diese auch weiterführen, war sie überzeugt. „Hier wird alles planvoll betrieben“, hat Guido Romor (Das Dorf in der Landschaft) erkannt. Auch, dass die Liebe zur Heimat den Hellmitzheimern durch den Magen gehe, spielte er auf sie landschaftsbezogenen Köstlichkeiten an.

Schwierige Aufgabe

Am Montag wird die Bewertungskommission nach den Worten ihres Vorsitzenden Günter Knüppel dann das Ergebnis bekannt geben. Auf das wartet auch Bürgermeister Mend gespannt. Er sprach von einer schwierigen Aufgabe, die die Jury bei der Bewertung der 15 Golddörfer vor sich habe. Da sich die Jury hier aber wohlgefühlt habe, sei schon ein Gewinn, denn das sei das Ziel des Ortes. Sein Dank galt am Schluss der gesamten Dorfgemeinschaft.

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