Volkach

Heißes Thema: Wenn der Weihnachtsbaum zur Feuerfalle wird

Mit einem ungewöhnlichen Übungsszenario gibt die Feuerwehr Volkach Tipps zur Weihnachtszeit. Dazu fackelt sie ein nachgestelltes Wohnzimmer ab. 
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Nichts mehr zu retten: Die gute Stube ist binnen Sekunden ausgebrannt. Die Volkacher Wehr übt kurz vor Weihnachten an einem Christbaumbrand. Foto: Hanns Strecker
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Ein gemütliches Wohnzimmer steht im Hof der Feuerwache Volkach. Neben einem alten Sessel ein kleiner Beistelltisch mit einem ausgedorrten Adventskranz und daneben ein schon etwas betagter Weihnachtsbaum. Schön geschmückt mit Lametta und Christbaumkugeln und echten Wachskerzen. Das ganze ist in einem Raum aus Spanplatten platziert. Eine besinnliche Weihnachtsstimmung – würden nicht direkt daneben Feuerwehrautos stehen und Feuerwehrmänner mit angelegten Atemschutzgeräten und Löschschläuchen in Stellung gehen.

Drastischer Hinweis auf Brandgefahr

Kommandant Fred Mahler will mit seiner Truppe in drastischer Form auf die Brandgefahren zur Weihnachtszeit aufmerksam machen. "2017 mussten wir zwischen dem Heiligen Abend und Silvester zu mehreren kleineren und größeren Bränden ausrücken", erinnert sich Pressesprecher Moritz Hornung, "was aber Gott sei Dank immer glimpflich ausging." Dann zündet er im "Wohnzimmer" die Kerzen an. Er bringt die Kerzen absichtlich in die Nähe der Zweige. Wenig später ist ein Knistern wahrzunehmen und Rauchschwaden steigen auf. Keine 20 Sekunden später entstehen die ersten kleinen Flammen und dann geht alles blitzartig: Mit einem dumpfen Knall steht der Baum in Flammen, das Feuer greift auf die Decke über und schwappt wie eine Welle an ihr entlang.

"Lassen Sie Kerzen niemals unbeaufsichtigt brennen. Unachtsamkeit ist die Brandursache Nummer eins."
Fred Mahler, Kommandant der Volkacher Wehr

Gase entwickeln dort eine unheimliche Hitze und es kommt zu einem sogenannten "Flash-over" –einer Rauchgasdurchzündung. Wie bei einer Explosion steht nun der ganze Raum in Flammen. "Der Entstehungsbrand hat sich in einen Vollbrand entwickelt", moderiert Feuerwehrchef Mahler die gefährliche Situation und gibt das Startzeichen zum Löschen. Obwohl nur ein verhältnismäßig kleiner Ort brennt, dauern die Löscharbeiten, bis wirklich alles abgelöscht ist.

 

"Hier wurde im Vorfeld alles verkehrt gemacht", erklärt Hornung. Keinerlei Präventionsmaßnahmen, brandgefährliches trockenes Tannengrün und direkt daneben offenes Feuer.

"Lassen Sie Kerzen niemals unbeaufsichtigt brennen – vor allem nicht , wenn Kinder dabei sind. Unachtsamkeit ist die Brandursache Nummer eins!", sagt der Brandexperte. Weitere Tipps: Wer nicht auf echte Kerzen verzichten will, sollte sie in standfeste, nicht brennbare Halterungen stecken und sie, noch bevor sie ganz abgebrannt sind, auslöschen. Von Vorteil ist es, den Baum in einen mit Wasser gefüllten Ständer zu stellen. Obwohl er keine Wurzeln mehr hat, saugt er dennoch Wasser auf und trocknet nicht so schnell aus. "Halten Sie immer einen Eimer mit Wasser bereit – noch effektiver sind Feuerlöscher mit einem Wasser-Schaum-Gemisch oder zertifizierte Feuerlöschsprays, die eine sinnvolle Ergänzung im heimischen Brandschutz bieten können."

Auch elektrische Kerzen bergen Gefahren

Die Feuerwehr mahnt, dass auch elektrische Kerzen ein erhebliches Risiko mit sich bringen können. Bei der Verwendung von elektrischen Lichterketten ist zu beachten, dass die Steckdosen nicht überlastet werden. Deswegen müssen elektrische Kerzen ein Prüfsiegel tragen, das den VDE-Bestimmungen (Verband Deutscher Elektrotechnik) entspricht und die elektrische Sicherheit zertifiziert. Zudem dürfen die Steckdosenleisten die individuelle Leistungsangaben (meist 3500 Watt) nicht überschreiten, was sonst zu einem Schmorbrand führen könnte. "Noch gefährlicher ist es, Steckdosenleisten hintereinander zu verwenden, denn die Leistungsgrenze der Steckdose bleibt trotzdem unverändert", erklären die Brandspezialisten der Wehr. "Normalerweise müsste die Sicherung herausspringen, doch veraltete Strominstallationen oder Defekte können dies verhindern."

Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch einmal ein Feuer ausbrechen, in welcher Größe auch immer, kann man unter 112 einen Notruf absetzen. Alle Feuerwehren bleiben selbstverständlich auch an den Feiertagen erreichbar.

 

Warum brennt der Christbaum so schnell?
Das Gefährlichste am Weihnachtsbaum ist nicht das Holz, sondern die Nadeln. Sobald der Baum geschlagen ist und dann in warmer, trockener Luft steht, beginnt er auszutrocknen. Wenn die Feuchtigkeit auf unter 50 Prozent sinkt, entsteht eine Brandgefahr; bei unter 20 Prozent kann der Baum innerhalb von Sekunden in Flammen stehen. Grund dafür ist, dass die Nadeln beim Austrocknen nicht schrumpfen, sondern sich mit Luft füllen. Gleichzeitig befinden sich in den Nadeln noch leicht entflammbare ätherische Öle, die sich zusammen mit der Luft zu einem explosiven Gemisch entwickeln. Werden die Nadeln, zum Beispiel durch eine Kerze, heiß, steigt der Druck in der Nadel. Die Außenhaut reißt auf und das heiße Gas wird herauskatapultiert. Es entzündet sich und erzeugt einen winzigen Feuerball: Die Nadeln explodieren regelrecht und greifen in einer Kettenreaktion auf die anderen über, wobei der Baum dann binnen Sekunden im Vollbrand steht.
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