DETTELBACH

Weihnachten fern von daheim

Dettelbach statt australischer Strand - die Austauschschülerin Leah Williams hat eine klare Meinung, wo Weihnachten schöner ist.
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Dettelbach statt Australien: Leah (re) war zu Weihnachten bei Lea (li) zu Gast – dabei der Riesenteddy, den Lea geschenkt bekommen hat. Foto: Foto: Barthel
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Ein bisschen Schnee wäre ja schon schön gewesen, findet Leah Williams. Weiße Weihnachten eben, so wie man es aus den Geschichten und Filmen kennt. Daraus wurde leider nichts. Und trotzdem war dieses Weihnachten etwas ganz Besonderes für die 16-jährige Austauschschülerin. Schließlich hat es bei ihr zuhause im Moment knapp 40 Grad im Schatten. Weihnachten wird dementsprechend anders gefeiert.

Leah Williams lebt eigentlich im Bundesstaat Victoria im Süden von Australien. Für insgesamt drei Monate ist sie bei ihrer Austauschpartnerin Lea Barthel in Dettelbach zu Besuch. Zuvor war Lea 10 Wochen „down under“, nun gehen die beiden Lea(h)s zusammen in die 11. Klasse am Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen.

Und natürlich zeigt Lea Leah auch außerhalb der Schule viel: „Wir waren in München, in Nürnberg, in Würzburg und in Kitzingen auf dem Weihnachtsmarkt“, erzählt die 16-jährige Lea Barthel. „Auf so vielen Weihnachtsmärkten wie dieses Jahr war ich mein ganzes Leben noch nicht.“ Leah liebt Weihnachtsmärkte wirklich, erklärt Lea. Die Angesprochene nickt: „Wir haben so etwas leider nicht wirklich.“ Und in Nürnberg haben sie sogar das Christkind gesehen. „Das war cool!“

Das deutsche Weihnachtsfest hat es der jungen Australierin sichtlich angetan. „Ihr gebt euch so viel Mühe beim Schmücken“, erzählt Leah. In Australien haben sie zwar auch Weihnachtsbäume. Aber so schön gewachsen und symmetrisch seien die nur selten. „A big thing“ – ein großes Ding – sei Weihnachten in Deutschland. In Australien passiere vieles eher nebenbei. Deshalb sei Weihnachten in Deutschland schöner: „Definitely“ – ganz sicher.

Dabei gibt es sicher viele Deutsche, die zur Weihnachtszeit einmal mit Leah tauschen würden: „Wir sind am 24. Dezember meist draußen“, erklärt Leah. „Es gibt Barbecue, wir spielen Backyard Cricket (eine Freizeitvariante von Cricket, Anm. der Red.) oder gehen runter zum Strand.“ Ein bisschen habe ihr das schon gefehlt: Das Feiern zusammen mit der ganzen Familie – noch dazu hat Leahs Mutter am 24. Dezember Geburtstag.

Und was hat sie dieses Jahr am 24. Dezember gemacht? „Nicht viel“, antwortet Leah und lacht. Bei dem Wetter sei man ja eher drinnen. Zum Abendbrot gab es Spaghetti – sicher nicht das typische Weihnachtsessen – danach wurden die Geschenke ausgepackt.

Dabei fiel es Leah gar nicht so leicht bis abends zu warten. „Weird“ – seltsam – sei das gewesen. „Bei uns gibt es die Geschenke gleich morgens nach dem Frühstück“, erzählt sie. „Aber ihr bekommt die Geschenke doch erst am Morgen des 25. Dezembers“, sagt die Dettelbacherin Lea. „Also bekommen wir sie hier ja praktisch doch früher!“ Leah nickt: „That's true“ – aber seltsam sei es trotzdem.

Allgemein sei Weihnachten in Australien und Deutschland irgendwie ähnlich und gleichzeitig komplett unterschiedlich. Auf beiden Seiten der Welt geht es letztlich um die Geburt Christi. Es geht um die Zeit zusammen mit der Familie, darum, sich gegenseitig zu beschenken.

Aber dann bringt eben das Christkind oder der Weihnachtsmann und nicht Santa Claus die Geschenke. Denn dieser Santa Claus ist in Deutschland ja schon am 6. Dezember als Nikolaus unterwegs. „Ich war ganz schön überrascht, als es schon am 6. Dezember Geschenke gab“, erzählt Leah.

Auch in der Kirche musste Leah an Heiligabend einige Überraschungen erleben. „Bei uns gibt es nur eine kleine Kirche, alle kennen sich. Man kann auch mal ein bisschen Blödsinn machen – das geht hier eher nicht“, sagt Leah. „Nein, das geht hier wirklich nicht“, stimmt Lea zu. „Und der Pfarrer singt mehr als er redet“, fährt Leah fort. „Das würde er bei uns nie machen.“

Am 31. Dezember gibt es dann noch etwas, was es in Australien niemals geben würde: Privates Feuerwerk. „Bei uns gilt das als zu gefährlich.“ Nur Profis dürften Raketen und Böller zünden. Oft könne sie das Feuerwerk deshalb nur im Fernsehen beobachten, erzählt Leah. Das soll dieses Jahr anders werden: „Wir werden bestimmt ein paar Raketen kaufen“, verspricht Lea ihrer Austauschpartnerin.

Nicht nur dafür hat sich die Reise nach Deutschland gelohnt, findet Leah. Sie hätte auch nach China gehen können, doch Deutschland habe sie mehr gereizt. „Und sie liebt unser Essen“, erzählt Lea. Leah nickt heftig. „Am liebsten mag ich Nussecken.“ Auch das Brot hat es ihr angetan. „In Australien gibt es eigentlich nur hellen und dunklen Toast“, bestätigt Lea.

Das Austauschprogramm der beiden Lea(h)s scheint ein voller Erfolg zu sein. Denn auch die deutsche Lea schwärmt vom Austauschland. Ob sie sich vorstellen können, noch einmal in das jeweils andere Land zu gehen? Beide nicken. „Wir haben auch schon den Plan, nach der Schule zusammen jeweils ein halbes Jahr durch Deutschland und Australien zu reisen“, erzählt Lea. Und vielleicht kann dann ja die deutsche Lea hautnah erfahren, wie es ist, Weihnachten bei 40 Grad am Strand zu feiern.

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