KITZINGEN

Heiße Tage? Cool bleiben!

Kaputte Straßen, verdörrte Felder. Die Hitze fordert ihren Tribut. Auch Menschen und Tiere leiden. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen können Abhilfe schaffen.
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So ist es richtig: Ein kühles Eis, einen Hut auf dem Kopf und dann schnell wieder in den Schatten. Die Bewohner und das Personal von St. Elisabeth in Kitzingen kommen mit der Hitze dank verschiedener Vorsichtsmaßnahmen gut zurecht. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Kaputte Straßen, verdörrte Felder. Die Hitze fordert ihren Tribut. Auch Menschen und Tiere leiden. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen können Abhilfe schaffen.

Kleinkinder, die im Auto gelassen werden, weil die Mutter schnell noch einen Einkauf tätigen will. Hunde, die hinter hochgelassenen Seitenscheiben hecheln, weil Frauchen oder Herrchen länger wegbleiben als gedacht. Fälle wie diese sind in den letzten Tagen durch die Presse gegangen. Fälle, die mit gesundem Menschenverstand hätten vermieden werden können.

„Die Hitze hatte tatsächlich massive Auswirkungen.“
Harald Erhard BRK-Kreisgeschäftsführer

Neben Kleinkindern leiden vor allem Senioren unter der Hitzewelle. In den Seniorenheimen sind entsprechende Vorsorgemaßnahmen längst ergriffen worden. „Wir erhalten eine Hitzewarnung von der Heimaufsicht am Landratsamt“, berichtet Elisabeth Müller vom Haus St. Elisabeth in Kitzingen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt greifen die Gegenmaßnahmen – oder „extra Standards“ – wie es Müller nennt. Trinkprotokolle werden für alle Bewohner des Hauses angelegt, in den Aufenthaltsbereichen laufen die Ventilatoren, zum Mittagessen gibt es leichte Kost. „Nachts lüften wir gut durch und tagsüber lassen wir die Fenster zu“, berichtet Müller. Zum Zudecken erhalten die Senioren „nur“ ein Laken und sie werden immer wieder aufs Neue animiert, viel zu trinken und leichte Kleidung anzuziehen. Bis dato haben sich die Vorsichtsmaßnahmen bewährt. Nur eine Bewohnerin musste wegen Kreislaufproblemen in die Klinik Kitzinger Land eingeliefert werden.

Dort sind in den letzten beiden Tagen deutlich mehr Patienten als üblich mit Kollapsneigungen eingeliefert worden. „Die meisten haben einfach zu wenig getrunken“, berichtet Chefarzt Dr. Stephan Rapp. Kreislaufprobleme, Sonnenstich, niedriger Blutdruck: Das sind die typischen gesundheitlichen Probleme im Hochsommer. Ein einziger Patient ist bislang mit Krampfanfällen und Temperaturen über 41 Grad eingeliefert worden. „Da müssen wir genau schauen, wie sich das entwickelt“, so Dr. Rapp. Ansonsten ist es bis auf die letzten beiden Tage in der stationären Aufnahme trotz der Hitzewelle relativ ruhig zugegangen. Die Notärzte hatten dagegen alle Hände voll zu tun.

„Die Hitze hatte tatsächlich massive Auswirkungen“, sagt der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, Harald Erhard. Normalerweise sind an einem Wochenende vier Rettungswagen im Landkreis Kitzingen besetzt. Am letzten Wochenende waren zu Spitzenzeiten sieben Rettungswagen und drei Notärzte gleichzeitig im Einsatz. 110 Patienten musste das BRK zwischen Freitag und Montagvormittag versorgen, 51 Mal notärztlich. „In den meisten Fällen ging es um Kreislaufkollapse oder Hitzeerschöpfung“, erklärt Erhard.

Zusätzlich fragten mehr Veranstalter als üblich vorsorglich nach einem Rettungswagen. „Das Verantwortungsbewusstsein ist gestiegen“, freut sich Erhard. Die Hitze bedeutet aber nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter eine besondere Herausforderung. Rekord war eine Zwölf-Stunden-Schicht mit zwölf Einsätzen. Normalerweise gibt es sieben Einsätze pro Schicht.

„Zum Glück hat sich bei unserer Ausrüstung viel getan“, berichtet Erhard. Der Kreisgeschäftsführer kann sich noch an die Zeiten erinnern, als ein Patient mit Kreislaufproblemen von schwitzenden Sanitätern in einen erhitzten Krankenwagen gehievt werden musste. Erholung sah anders aus. Längst sind die Rettungswagen klimatisiert.

Im Seniorenheim St. Elisabeth weiß man sich anders zu helfen. Dort gibt es kostenlose Getränke für das Personal und zusätzliche Eisportionen für Bewohner und Arbeitskräfte. Der heiße Sommer soll ja auch seine schönen Seiten haben.

Für viele Tiere hat er das nicht. „Am besten nehmen Sie einen Hund erst gar nicht mit ins Auto“, rät Angela Drabant vom Kitzinger Tierheim. Die Tiere sollten im Schatten bleiben, so lange es geht. Gassigehen nur frühmorgens oder spätabends – das tut letztendlich Zwei- und Vierbeinern gut.

Neben den Hunden leiden auch Kleintiere wie Hamster oder Kaninchen sehr unter der Hitze. Drabant berichtet von einem Kaninchen, das zehn Kilometer im Auto transportiert wurde und im Tierheim kollabierte. „Zum Glück der einzige Fall bislang.“

Kaninchen sind als Höhlenbewohner und dämmerungsaktive Tiere besonders von der Hitzewelle betroffen, berichtet die zweite Vorsitzende Iris von Crailsheim. „Sie können nicht schwitzen, auch nicht hecheln oder sich über die Zunge Kühlung verschaffen“ erklärt sie. Eine Außenhaltung ist in dieser Zeit mehr als problematisch. „Ab 30 °C besteht die Gefahr eines Hitzeschlages“, warnt von Crailsheim. „Kaninchen auf dem Balkon zu halten ist zurzeit ihr sicherer Tod.“

Letzten Endes geht es Mensch und Tier bei diesen Bedingungen ähnlich. „Bei großer Hitze sollte die Futterration energieärmer ausfallen“, rät die zweite Vorsitzende. „Am Besten füttert man bei großen Temperaturen erst gegen Abend größere Mengen Frischfutter und am Tag nur sehr kleine Mengen.“

Ganz wichtig für Mensch und Tier: ausreichend trinken, Sonnenschutz nicht vergessen und wenig belasten. Verhaltensregeln, die der gesunde Menschenverstand eigentlich vorgibt. „Wir stellen uns in den nächsten Tagen dennoch auf mehr Patienten ein“, sagt Dr. Rapp.

Zunächst einmal dürfen sich Zwei- und Vierbeiner über eine kleine Abkühlung freuen. Der Wetterbericht meldet für die nächsten Tage Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Am Wochenende soll die 30-Grad-Marke aber wieder geknackt werden.

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