GEISELWIND

Heiße Luft um sechs A 3-Spuren

Wer ein „schönes“ Beispiel für bayerische Verkehrspolitik sucht, sollte seinen Blick auf Geiselwind richten. Das „laute Autobahndorf“, wie es mal in einer Schlagzeile hieß, kämpft seit Urzeiten gegen den Krach von der Schnellstraße, hat seit 2009 den genehmigungsrechtlichen Startschuss ebenso wie viele Bau-Versprechen prominenter Politiker im Ohr und muss jetzt bangen, ob vor 2019 die Baumaschinen rollen.
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Blechlawine: Trotz Staus, Unfallgefahren und immer mehr Lärm vor den Toren Geiselwinds bleibt der Ausbau der A 3 aus. Die Politik glänzt nur mit leeren Versprechen. Foto: FOTO Cabolet

Wer ein „schönes“ Beispiel für bayerische Verkehrspolitik sucht, sollte seinen Blick auf Geiselwind richten. Das „laute Autobahndorf“, wie es mal in einer Schlagzeile hieß, kämpft seit Urzeiten gegen den Krach von der Schnellstraße, hat seit 2009 den genehmigungsrechtlichen Startschuss ebenso wie viele Bau-Versprechen prominenter Politiker im Ohr und muss jetzt bangen, ob vor 2019 die Baumaschinen rollen.

Wann den Bürgern der Lärm, die Abgase und die Staus auf die Nerven gingen – genau weiß das keiner. Nur: Irgendwann haben die Geiselwinder den Krach satt und die leeren Versprechungen der Politik. Den unrühmlichen Anfang macht die Staatsregierung 1988. Die bittet um ein wenig Geduld. Dazu gibt's ein Versprechen: baldiger A 3-Ausbau samt Lärmschutz.

Dem Versprechen folgt – nichts. Nicht mal eine Planung. Da platzt den Bürgern der Kragen. Ab 2004 heißt es „Geiselwind kämpft“, in einer Bürgerinitiative und in der Zeitung. Der Ort macht Druck. Und kriegt ein Versprechen. Von Günther Beckstein. Der damalige Innenminister gelobt 2005 – der CSU droht die Bundestagswahl – baldiges Baurecht und peilt 2008 an für die Strecke zwischen dem Biebelrieder Kreuz und Fürth/Erlangen.

Eine Punktlandung kriegt der spätere Ministerpräsident nicht hin: Baurecht gibt's derzeit nur für 29 von 79 Kilometern. Immerhin geht Geiselwind mit dem sechsstreifigen Ausbau am 15. Dezember 2009 auf rund fünf Kilometern – zwischen Fuchsberg und der Anschlussstelle Geiselwind – baurechtlich an den Start.

Seither ist Schluss mit lustig. Die Autobahn wird voller, der Krach nerviger, Staus sind eher Normalfall als Ausnahme. Folge: Die Geiselwinder sind sauer. Vor allem als 2010 rauskommt, dass die CSU-Staatsregierung es nicht einmal fertig gebracht hat, den A 3-Ausbau in den Finanzplan des Bundes reinzukriegen.

Der Knatsch von unten kommt aber oben an. Politiker und Autobahndirektions-Größen geben sich die Geiselwinder Klinke in die Hand. Große Töne kommen von Innenstaatssekretär Gerhard Eck im Mai 2011 im Rathaus. Der will Lärmschutzwände haben, bevor die Autobahn sechsspurig wird. Das Traumschloss platzt bald. Heiße Luft verbreitet auch die Autobahndirektion mit einem Spatenstich für 2013.

Unter den Dampfplauderern, die zwar die täglich rund 90 000 Fahrzeuge vor der Geiselwinder Haustüre bedauern, aber nichts auf die Reihe bringen, reiht sich 2011 Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ein. Der hat den Ausbau zwar im Plan, liefert dafür aber kein Geld. Ebenfalls eine Nullnummer liefert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Im Mai 2013 stellt der den Baubeginn für 2014 in Aussicht. Bei der Aussicht auf nichts ist es geblieben.

Apropos nichts: Staatssekretär Eck bringt seinen unermüdlichen Einsatz für die Geiselwinder zwar gerne öfter und öffentlichkeitswirksam unters Volk, was aber spurlos an der Realität vorbeigeht. Letztere ist offensichtlich für Dorothee Bär, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, reserviert. Bär sagt klar: Die Baumaschinen rollen erst, wenn die A 3 zwischen Aschaffenburg und Biebelried fertig und Geld für den weiteren Ausbau – runde 48 Millionen Euro – vorhanden ist.

Das kann sich ziehen. Der Bereich der A 3 zwischen Würzburg und Randersacker braucht laut Autobahndirektion bis 2019. Und Geiselwind? „Derzeit liegen keine Erkenntnisse vor, die darauf hindeuten, dass sich der Baubeginn für den Abschnitt Fuchsberg/Geiselwind über das Jahr 2019 hinaus verzögern sollte“, heißt es in einem Presseschreiben. Falls doch, ist das Baurecht erstmal im Altpapier und die Geiselwinder dürfen feiern – das zehnjährige Und-nix-ist-passiert-Jubiläum.

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