Nicht nur im Rinderbereich, auch bei Schweinen und Geflügel spielt die Eiweißversorgung der Tiere mit importiertem Soja eine große Rolle. Da ganz offensichtlich eine wachsende Verbraucherzahl Wert auf nachhaltig erzeugte Produkte mit regionaler Herkunft legt, und zur Regionalität auch der Einsatz heimischer Futtermittel gehört, bietet das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Schweinehaltung Schwarzenau als Teil der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) am Mittwoch, 1. Februar, ein „Praktikerforum“ mit dem Thema „Heimische Eiweißfuttermittel in der Schweine- und Gelügelhaltung“ an.

Importiertes Soja ist nicht nur ein sehr hochwertiges Eiweißfuttermittel in der Landwirtschaft, es ist auch ein sehr preisgünstiges. Während es im Rinderbereich durchaus heimische Alternativen geben kann, sind diese im Schweine- und Geflügelbereich sehr beschränkt. Extraktiertes Rapsschrot nennt Peter Lindner, Leiter des LVFZ, als eine der wenigen Ausweichmöglichkeiten mit allerdings rund zehn Prozent weniger Eiweißinhalt und nicht ganz so optimaler Verdaulichkeit. „Es gibt Alternativen zu Soja, aber die sind begrenzt“, so Lindners Resümee.

Und deshalb hat das LVFL in Schwarzenau genau in diesem Bereich geforscht: Vom Sojaanbau über die Aufbereitung des Futtermittels – Sojabohnen können von den Tieren nicht verdaut werden und müssen erst in einem aufwendigem Verfahren „getoastet“ werden – bis hin zur Verfütterung, von der Zuchtsau über das Ferkel bis zum Mastschwein. Diese Ergebnisse werden am Mittwoch vorgestellt.

Aber noch mehr: Sojaanbau ist nur im Vertragsanbau möglich. Denn Soja ist kein Stickstoffzehrer, als Leguminose produziert es eher noch Stickstoff, als dass es ihn verbraucht. Wohin also mit der Gülle in einem Schweinebetrieb, der selber Soja anbauen möchte. Hier muss die Kette stimmen: vom Anbau über die Aufbereitung bis hin zum Verkauf? Hier berichtet Christian Krumphuber von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

War das Jahr 2011 mit gerade mal 4000 Hektar Sojaanbau in Bayern ein Rekordjahr, so wird im Nachbarland über das Zehnfache an Soja angebaut und vermarktet. Den Grund dafür sieht Lindner auch beim Verbraucher: In Österreich spielt die Regionalität bei Lebensmitteln eine größere Rolle, als in Deutschland. Die Landwirte dort können höhere Preise erzielen, was den Anreiz erhöht, die komplette Kette auch regional zu halten. Lindners Zahlenbeispiel: Wenn auch in Bayern regional erzeugtes Soja verfüttert werden soll, dann müsste der Schweinepreis um 20 Cent pro Kilo steigen von derzeit 1,60 Euro auf 1,80 Euro. Dafür müsste im Handel und beim Verbraucher die Bereitschaft da sein.

Auch hier gibt es erste Ansätze, der Lebensmitteleinzelhandel fängt an, auf Regionalität zu setzen. Es gibt schon Geschäfte, die Schweinefleisch „garantiert aus Bayern“ anbieten, wozu neben der Herkunft der Tiere auch das Futter gehört. Dazu wird ein Vertreter des Einzelhandels am Mittwoch reden.

Das Forum am Mittwoch wendet sich an die gesamte Wertschöpfungskette. Von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Handel sollen die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes heimischer Eiweißfuttermittel diskutiert und die Marktchancen so erzeugter Lebensmittel ausgelotet werden. Die Landesanstalt kann hier aber nicht viel mehr als Anstoßgeber sein – handeln müssen die Beteiligten und nicht zuletzt die Verbraucher.

Das Seminar „Heimische Eiweißfuttermittel in der Schweine- und Gelügelhaltung - Möglichkeiten und Grenzen“ findet am Mittwoch, 1. Februar, von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr in der Maintalhalle in Dettelbach statt.