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Heile Welt gibt es auch im Landkreis nicht

In den beiden Frauenhäusern in Würzburg, in dem Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt Schutz und Hilfe finden, sind kaum Frauen aus dem Landkreis Kitzingen zu finden. Daraus auf eine „heile Welt“ im Landkreis zu schließen, ist allerdings falsch. Das machten mit Brita Richl (Arbeiterwohlfahrt – AWO) und Franziska Boes (Sozialdienst katholischer Frauen – SkF) die beiden Leiterinnen der Frauenhäuser deutlich. Die stellten in der Sitzung des Jugend- und Familienausschuss des Kreistags die Arbeit der Frauenhäuser vor. Die sind neben der Stadt und den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart auch für den Landkreis Kitzingen zuständig und werden von ihm mitfinanziert. Wie Landrätin Tamara Bischof sagte, steuert der Landkreis derzeit 50 000 Euro bei. 2010 waren es noch 14500 Euro. „Wir kommen unseren Pflichten eins zu eins nach“, so Bischof. Die Leiterinnen waren sich sicher, dass auch der Landkreis Kitzingen keine heile Welt ist. Dass sich relativ wenige Frauen aus dem Kreis an die Hilfseinrichtungen wenden, liege vor allem an der ländlichen Struktur. Das Thema häusliche Gewalt sei nach wie vor ein Tabuthema. Vor allem in einem kleinen Dorf falle es Frauen schwer, sich zu outen, wenn sie Opfer von Gewalt durch den Partner geworden seien. Dass Gewalt tägliche Realität ist, zeigten sie an ein paar Zahlen. Danach sind jährlich in Bayern 140 000 Frauen von körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren Partner betroffen. Im Jahr 2016 hat das Polizeipräsidium Unterfranken 1893 Fälle von häuslicher Gewalt in der Statistik aufgeführt, 673 davon im Bereich Mainfranken. Dass dabei nicht nur die Frauen betroffen sind, zeigen die 34 Prozent der Fälle, bei denen Kinder anwesend waren. Die beiden Frauenhäuser in Würzburg gibt es seit 1980. Insgesamt stehen zwölf Frauen- und Kinderplätze zur Verfügung. „Die Kriseneinrichtung“ ist für Frauen ab 18 Jahren da, arbeitet absolut anonym. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Die Kontaktaufnahme erfolgt immer erst telefonisch durch die betroffene Frau. Danach können je nach Bedarf eine Vielzahl von Maßnahmen eingeleitet werden, von ambulanten Beratungsgesprächen bis zur vorübergehenden Wohnmöglichkeit. Dazu kommt noch eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft an 365 Tagen, die die Frauenhäuser mit der Telefonseelsorge organisieren. Es gab auch Zahlen, die deutlich machen, dass der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden kann. So spricht die AWO von 91 Ablehnungen pro Jahre wegen Vollbelegung, beim SkF müssen 79 Frauen vertröstet werden. Ein Problem, das die Politik in Bayern inzwischen erkannt habe. Eine Arbeitsgemeinschaft im Sozialministerium kümmere sich um das Thema, so Pichl. Während sie die Arbeit in den Häusern vorstellte, die die betroffenen im Notfall aufsuchen, ging Boes auf die sogenannte Pro-aktive Beratung ein. Es handelt sich dabei um ein Beratungsangebot, das nach einem Polizeieinsatz in Sachen häuslicher Gewalt greift. Die Beratungsstelle arbeitet mit den acht Polizeiinspektionen in Mainfranken zusammen. Die übermitteln die Daten der betroffenen Frauen per Fax. Innerhalb von drei Tagen nehmen die Berater telefonischen Kontakt zu den betroffenen Frauen auf. Die können dann entscheiden, ob und welche Hilfsangebot sie annehmen wollen. Wie Boes sagte, sind 2016 48 Faxe, davon 38 aus der Stadt Würzburg, bei der Beratungsstelle angekommen. Die Mehrzahl der Frauen habe ausschließlich eine telefonische Beratung gewünscht. Kontakt: AWO-Frauenhaus Würzburg Tel. (09 31) 61 98 10, www-awo-unterfranken.de/einrichtungen/frauenhaus oder SkF Frauenhaus Würzburg Tel. (09 31) 45 00 777, www.skf-wue.de