Als der Bräutigam den Hochzeitsgast am Tag vor dem Fest am Schweinfurter Hauptbahnhof abholen wollte, griff die Polizei am Bahnsteig zu. Gegen den 32-Jährigen laufen seit Jahren Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod seiner damaligen Freundin Simone Strobel während eines Urlaubs 2005 in Australien.

Den Lieferanten aus Berlin hat eine Große Strafkammer des Landgerichts am Montag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt und den 46-Jährigen aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Berliner Gas- und Wasser-Installateur und der Mann aus Main-Spessart kannten sich vom gemeinsamen Wellen-Reiten in Südafrika. Da der Bräutigam Haschisch bestellte, mit verschlüsselter, aber für die Polizei lesbarer "sms", habe er sich über ein Hochzeitsgeschenk keine Gedanken mehr machen müssen, so der Angeklagte.

Küchenmesser mit langer Klinge


Der Installateur hatte sich allerdings 70 Gramm mehr besorgt als vom Bräutigam gewünscht, um Haschisch bei der Hochzeitsfeier über den Gratis-Joint hinaus an Gäste zu verkaufen. Damit wollte er die Bahnfahrt Berlin - Schweinfurt finanzieren und die Weiterfahrt zum Frankfurter Flughafen, wo er am Tag danach wieder zu einem Urlaub in Südafrika starten wollte.

In der Reisetasche des Berliners waren die Haschisch-Platten ganz unten, drüber ein Schlafsack, einige Hemden und Socken, oben drauf lag, locker eingeschlagen in ein Handtuch, ein Küchenmesser mit 18 Zentimeter langer, kurz zuvor geschärfter Klinge. Dadurch wurde aus dem Haschisch-Geschäft ein Fall von bewaffnetem Handel.
Der Berliner versicherte zwar, er habe das Messer nur für den Camping-Urlaub in Südafrika eingepackt, weil "die da unten" keine scharfen Küchenmesser haben. Da es aber so griffbereit oben drauf lag, müsse man davon ausgehen, dass er damit im Ernstfall auch die Haschisch-Platten "verteidigt" hätte, so das Gericht.

Bewährung vertretbar


Bewährung hielt das Gericht für vertretbar, weil der Berliner nicht vorbestraft ist, nach der Festnahme sofort ausgepackt und auch den Bräutigam belastet hat. Und weil das ganze Haschisch-Geschäft unter polizeilicher Kontrolle lief.
Zu den Bewährungsauflagen gehört, dass der Mann in den nächsten drei Jahren bis zu zwölf Drogen-Tests auf eigene Kosten durchführen lässt und bei seinem Bewährungshelfer abliefert.
Gegen den Bräutigam, der seinen Hochzeitsgästen etwas Besonders bieten wollte, wird im Oktober verhandelt. Der ehemalige Sportstudent steht seit 2005 im Mittelpunkt von Ermittlungen wegen des gewaltsamen Todes seiner damaligen Freundin Simone Strobel aus Rieden im Landkreis Würzburg. Die Kindergärtnerin war am 12. Februar 2005 während einer Australienreise nach einem Streit mit ihrem Freund von einem Campingplatz verschwunden. Damals war auch schon von Drogenkonsum die Rede.
Sechs Tage später fand man die Leiche der jungen Frau auf einem Sportgelände in der Nähe des Campingplatzes.

Hauptverdächtiger im Mordfall


Der 32-Jährige gilt für Staatsanwaltschaft und Kripo in Würzburg und Australien bis heute als Hauptverdächtiger, betont aber, er sei unschuldig. Nach der Festnahme am Schweinfurter Hauptbahnhof am 1. Juni dieses Jahres ging der Hochzeitsgast aus Berlin hinter Gitter, der Haftbefehl gegen den Bräutigam wurde jedoch außer Vollzug gesetzt, sodass er wenige Tage nach der standesamtlichen Trauung auf Schloss Saaleck bei Hammelburg in einer kleinen Gemeinde bei Arnstein auch kirchlich heiraten konnte. Der Mann hat inzwischen den Familiennamen seiner australischen Ehefrau angenommen.