Bei einer Altenpflegerin (48) im Landkreis Würzburg hat ein Dealer aus Iphofen wiederholt tiefgefrorenes Hackfleisch gekauft, aus deren Tiefkühltruhe im Keller. Dabei ging es ihm nicht um „Fleischküchli“ oder Spaghetti Bolognese: Das Hackfleisch diente nur zur Tarnung von eingefrorenen Haschischplatten. Der Kunde konnte also auf der Heimfahrt, für den Fall einer Polizei-Kontrolle, ganz cool bleiben.

Der Haschisch-Handel aus der Tiefkühltruhe, gelegentlich wurde das Rauschgift auch in Teig eingearbeitet, lief als „Familienbetrieb“. Ein 27-jähriger, einschlägig vorbestrafter Mann wollte aus Angst vor der Polizei weder Haschisch noch Kunden in seiner Wohnung haben und deswegen wurden mindestens drei Kilogramm unter der Adresse seiner Mutter gebunkert: Die wollte nicht „Nein“ sagen und konnte es vielleicht auch deswegen gar nicht, weil sie selbst seit vielen Jahren mehrfach abhängig ist, von Drogen, Medikamenten und Alkohol.

Keine geringen Mengen

Beim „Bunkern“ ist auch für ihren Konsum was „herausgekommen“. Einzelheiten des Geschäftes kannte sie sicher nicht, so Staatsanwaltschaft und Gericht, aber dass es nicht gerade geringe Mengen waren, die in ihrer Tiefkühltruhe gelagert wurden, hat sie selbst zugegeben und auch, dass sie einen Kunden schon mal selbst bediente und abkassierte, wenn der Sohn nicht da war.

Im April 2014 ist der illegale Verkauf von Hackfleisch mit Einlagen von Rauschgift-Fahndern eingestellt worden: Ein junger Mann hatte nach seiner Festnahme von einem Lieferanten berichtet, der das Geschäft mit seiner Mutter betreibt und die Adresse genannt.

Ein Schöffengericht hat den „Familien-Fall“ jetzt nacheinander bearbeitet. In der vergangenen Woche ist der Sohn, seit langem Drogenkonsument, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, für Handeln im Umfang von mindestens vier Kilogramm Haschisch.

Auf Bewährung

In dieser Woche wurde die Mutter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, allerdings, wie auch schon von der Staatsanwaltschaft beantragt, zur Bewährung ausgesetzt: Zu den Auflagen gehört, dass die Altenpflegerin zügig eine Therapie antritt und danach viermal im Jahr mit einem Test nachweist, dass sie keine Drogen mehr konsumiert.

Trotz einer Vorstrafen-Latte saß die Frau seit ihrer Verhaftung im April dieses Jahres zum ersten Mal hinter Gitter, in Aichach, der bayerischen Justizvollzugsanstalt für Frauen. Die Vorsitzende Richterin Martina Pfister-Luz war zuversichtlich, dass die Angeklagte nach einem Leben mit zahlreichen „Baustellen“, mit Chaos in vielen Variationen, Pech bei den Lebensgefährten und auch Gewalt, die Wende um 180 Grad noch einmal schaffen könnte.

Sie wolle, so die Angeklagte in ihrem Schlusswort, wieder in ihrem erlernten Beruf als Altenpflegerin arbeiten, der ihr Spaß macht, und schrittweise möchte sie auch wieder an die drei Kinder herankommen, die ihr wegen drohender Verwahrlosung von Amts wegen genommen wurden.

Die Rückfahrt in die Justizvollzugsanstalt Aichach mussten zwei Polizeibeamte allein antreten.