Kitzingen

Häcker-Chronik 2020: Regisseur Fuchs sucht noch Schauspieler

Kommenden Sommer zeigt das Schauspiel wieder Szenen der 1300-jährigen Kitzinger Stadtgeschichte. Der Ausblick zeigt: Die Zuschauer erwartet mehrere Änderungen.
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Die Aufführung der "Häcker-Chronik" lebt vom Engagement zahlreicher Akteure und Statisten. Für das Schauspiel im kommenden Jahr werden noch Interessenten gesucht. Das Archivbild stammt aus dem Jahr 2015. Foto: Georg Neuerer
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Was für Oberammergau die Passionsspiele sind, ist für Kitzingen die Aufführung der "Häcker-Chronik". Alle fünf Jahre erzählt das Schauspiel in rund vier Stunden in 17 Szenen Ereignisse aus der fast 1300 Jahre zurückreichenden Kitzinger Stadtgeschichte. Vom 24. Juli bis 2. August 2020 ist wieder soweit . Sechs Vorführungen wird es im Innenhof der Friedrich-Bernbeck-Wirtschaftsschule geben, berichtet Regisseur Helmut Fuchs.

Der 71-Jährige aus Kleinrinderfeld führt Regie bei der Häcker-Chronik, seitdem diese im Jahr 1980 erstmals auf die Bühne gebracht wurde. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er trägt die Verantwortung für das Gelingen des Werks, das von Mal zu Mal in Details anpasst, schon allein deshalb, weil die Stadtgeschichte nicht stehen bleibt, sondern fortgeschrieben wird. Und er hat dafür zu sorgen, dass die Schauspieler nicht nur ihre Rollen souverän beherrschen – sie müssen auch miteinander können, wenn sie zusammen vors Publikum treten.

Manche Schauspieler müssen mehrere Rollen spielen

Die Frage der Schauspieler beschäftigt Fuchs bereits jetzt, knapp ein Jahr vor der nächsten Häcker-Saison. Gut 100 Akteure, ausschließlich Laien, benötigt der Regisseur. Eigentlich. Denn so viele, dass alle der 50 bis 60 Sprechrollen individuell besetzt werden könnten, waren es bereits 2015 nicht mehr. Nicht einmal mehr 90 Schauspieler waren es damals, sagt Fuchs. Dies hatte Folgen: Einzelne mussten mehrere Rollen spielen. Dies verlangt von ihnen, nicht nur mehr Texte auswendig zu lernen, sondern sie müssen sich zwischen ihren Szenen schnell umziehen.

Der Altersdurchschnitt der Schauspieler steigt seit Jahren. Seit dem Häcker-Jahr 2015 sind Akteure gestorben, andere werden kommendes Jahr altersbedingt nicht mehr mitspielen können. Nachwuchs zu finden, "das ist ein großes Problem", berichtet Fuchs. Er hofft, dass ein Theater-Workshop in der Fastnachtakademie, den die Stadt Kitzingen Ende November anbieten möchte, Interessierte ermutigt, beim Schauspiel mitzumachen. Es ist ein neuer Weg, Laien zwanglos einen Kontakt zum Theaterspiel zu vermitteln. "Wir brauchen möglichst viele Akteure jeden Alters, Frauen und Männer", sagt Fuchs. Auch Helfer im Hintergrund, etwa für die Garderobe, sind gefragt.

Auf der Bühne geht es nicht nur um die großen Rollen der Szenen, etwa die der Hedeloga, der sagenumwobenen Gründerin des Klosters, der Keimzelle Kitzingens. Es werden auch Statisten gesucht, die keine Texte sprechen und Leute aus dem Volk darstellen, beispielsweise in den Szenen des Bauernaufstands und Bauernkriegs im 16. Jahrhundert oder der Belagerung der Stadt im 30-Jährigen Krieg.

Regisseur möchte Szenen "aufpeppen" und andere verkürzen

Der Regisseur gibt einen Ausblick auf Änderungen, die er aktuell plant. So möchte er die Szene des Rathaus-Baus weniger aufwändig und langatmig gestalten, ebenso die Szene mit dem Falterturm und den Weingesetzen. "Aufpeppen", wie er sagt, möchte er die Konfrontation der Eisenbahner und der Flößer in der Rangschiffer-Szene. Noch keine Lösung hat er für die Szene, die den Einzug der US-Army am Ende des Zweiten Weltkriegs in Kitzingen zeigt. In der Vergangenheit traten dort auch "echte" dunkelhäutige GIs auf, die in Kitzingen stationiert waren. Mittlerweile ist von diesen aber keiner mehr in der Region.

Was bleiben wird, ist der Auftritt des original blau lackierten VW-Käfers der einstigen Stadtpolizei, der mit Tatütata auf die Bühne fährt, ebenso ein alter Jeep der Army. Zu sehen sind die Oldtimer in der Szene rund um die so legendäre wie berüchtigte Hill-Billy-Bar . Freuen dürfen sich die Zuschauer auf einen weiteren Part, den die Musiker von Hadeloga-Consort übernehmen: Auf Instrumenten der Renaissancezeit umrahmen sie Umbaupausen und begleitet – auch das ist neu – einen Auftritt der Fränkischen Volkstanzgruppe Kitzingen . Ein Augenschmaus dürften auch die über 20 Barock-Kostüme sein, die den Kostüm-Fundus des Häcker-Ensembles erweitert haben.

Kartenvorverkauf startet rechtzeitig vor Weihnachten

Fuchs möchte bis Ende dieses Jahres die Bühnenbesetzung festgezurrt haben. In nächster Zeit werden alle Akteure der vergangenen Saison kontaktiert, ob sie wieder mit dabei sind. Denn wer seine Rolle erneut spielen möchte, der gilt als gesetzt. Die Außenproben werden spätestens ab März 2020 beginnen. Anspruchsvolle Einzelszenen möchte der Regisseur bereits ab Januar proben. Kein Akteur soll häufiger als zweimal pro Woche zur Probe müssen, von 19 bis 21 Uhr. Den Kartenvorverkauf startet die Stadt noch in diesem Jahr, rechtzeitig vor Weihnachten.

Wie steht es eigentlich um den Posten des Regisseurs? Wenn es nach Fuchs geht, dann würde er seine Funktion noch lange Zeit ausüben. Doch er ist Realist: 2025 kann er sich gut vorstellen, die Häcker-Chronik nochmals zu leiten. Doch idealerweise, stimmt er zu, dann bereits mit einem Nachfolger an seiner Seite. Auch dieser Posten ist übrigens noch zu haben.

Wer Interesse hat, als Akteur bei der Häcker-Chronik 2020 einzusteigen, oder Fragen hierzu hat, der meldet sich bei der Stadt Kitzingen, Claudia Biebl, per Tel.: (09321) 201050 oder E-Mail an claudia.biebl@stadt-kitzingen.de

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