MÜNSTERSCHWARZACH

Gut für die Persönlichkeit

Als Schüler hatte Robert Scheller so gut wie keine Berührung mit dem Theater. Als Schulleiter wollte er es besser machen. Aus gutem Grund.
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Schauspielerische Talente: Ein Näschen fürs Theater haben die Schülerinnen und Schüler, die an den 58. bayerischen Theatertagen in Münsterschwarzach teilnehmen. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Als Schüler hatte Robert Scheller so gut wie keine Berührung mit dem Theater. Als Schulleiter wollte er es besser machen. Aus gutem Grund.

Die 58. Theatertage der bayerischen Gymnasien sind am Mittwochnachmittag eröffnet worden. Das Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach gleicht bis zum Samstag einem Tollhaus. In den Klassenräumen biwakieren die Schüler aus zehn bayerischen Schulen – von Straubing über Nürnberg bis Würzburg. Und die Turnhalle sowie die Aula haben sich große Theatersäle verwandelt. Jeden Tag stehen Stücke auf dem Spielplan. Am heutigen Freitag gleich fünf Stück. Daneben gibt es Workshops für Schüler und eine Fachtagung für Lehrer. Thema: Theaterarbeit mit Jungs.

Schirmherr der Veranstaltung ist Paul Maar, Autor unzähliger Kinderbucherfolge wie „Das Sams“ oder „Lippels Traum“ – und begeisterter Theatergänger. Vor seiner Zeit als Schriftsteller war Maar Kunsterzieher an einem Gymnasium und hat dort eine Theater-AG gegründet. Seine Erfahrung: Bei den Schülern wurden Kräfte freigesetzt, die alle Zuschauer völlig überraschten. „Theaterspielen fördert das Sprachverständnis und das Selbstbewusstsein der Schüler“, erklärt der Autor. „Ich unterstütze es deshalb sehr, wenn Lehrer die Initiative ergreifen und Theater an ihren Schulen anbieten.“

Am Egbert-Gymnasium hat Scheller vor vielen Jahren das Fach Ausdruck und Gestalten in den 5. und 6. Klassen eingeführt. Eine Stunde pro Woche verpflichtend. „Weil sich dabei auch diejenigen Schüler wohlfühlen, die sonst Schwierigkeiten haben, ihre Rolle im Klassenverbund zu finden.“ Theater als Integrationsmodell, als verbindendes Element. Als Chance für Kinder, die sich ansonsten schwer tun. Das hatte Scheller in seiner Zeit als Internatsleiter in Würzburg gelernt.

Ein Argument, das auch Paul Maar für essenziell hält. „Theater spielen fördert den Zusammenhalt in der Klasse“, sagt er. „Die Akzeptanz des Einzelnen wächst, weil jeder gebraucht wird.“ Theater ist viel mehr als Schauspielerei. Bühnenbildner werden benötigt, Maskenbildner, Techniker, Organisatoren hinter der Bühne. Jede Hand, jeder Kopf wird gebraucht.

„Man lernt beim Schultheater viel mehr, als man meint“, bestätigt der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Georg Eisenreich. Beispielsweise die Ausdrucksfähigkeit und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. „Auch die Lernmotivation für andere Fächer steigt. Schüler testen ihre Grenzen, stärken ihr Selbstbewusstsein. Theater hilft bei der Persönlichkeitsentwicklung.“

Diese Einstellung aus dem Staatsministeriums sagt Schulleiter Scheller sehr zu. „Schön, dass trotz der schulischen Anspannung im G8 so etwas wie Schultheater noch möglich ist. Die Zukunft liegt schließlich nicht nur in Fächern wie Latein, Deutsch oder Mathe, sondern in der Entwicklung der Persönlichkeit.“

Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums hat es auch in Sachen Schultheater einen Umbruch gegeben, wie der Theaterlehrer am Pirckheimer Gymnasium in Nürnberg, Dirk Benker, bestätigt. „Die Zeit für ein Wahlfach Theater fehlte den Schülern oftmals.“ Doch wo es flexible Lehrer und Schulleiter gibt, da gibt es auch Lösungen: Am Pirckheimer Gymnasium sind die so genannten Theaterklassen längst etabliert. Analog zu den Sport- oder Bläserklassen wird in diesem Fall das Fach Theater ins Pflichtprogramm genommen. Zwei Stunden in der Woche.

„Die Nachfrage bei den Schülern ist groß“, sagt Benker. So groß, dass manche Schulen an ihre Grenzen stoßen. Ausgebildete Theaterlehrer sind Mangelware. Benker hat das Fach nachträglich an der Uni Erlangen belegt. Sein Antrieb? „Wir ermöglichen den Kindern den Zugang zu einer ästhetischen Bildung. Viele würden an dieser Kunstform sonst gar nicht teilhaben.“ Seine Erfahrung: „Die Schüler sind immer mit Herzblut dabei.“

Zu beobachten ist das in diesen Tagen am Münsterschwarzacher Egbert-Gymnasium. Schon beim Empfang am Mittwochnachmittag zeigten die Vertreter der zehn Gymnasien die Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens und weckten vielfache Emotionen bei den Gästen. Aufgewühlt, belustigt, fröhlich und nachdenklich – so verließen die Zuschauer den Empfang. Und vor allem gespannt. Auf das, was in diesen Tagen noch kommen wird.

Programm: Freitag: 25. Juli: 9 Uhr: Homeland (Mittelstufentheater Haar); 10 Uhr: Die Mutige Nadja (Gymnasium Raubling); 14 Uhr: Leonce und Lena (Willstätter Gymnasium Nürnberg); 16 Uhr: Doudndanz. Späßle (Gymnasium Straubing); 18.30 Uhr: Nichts. Etwas. Was auch immer? (Gymnasium Schwabach). 20 Uhr: Festivalparty.

Samstag, 26. Juli, 9 Uhr: Was ist Tschänder? (Gymnasium Neusäß).

Karten für die einzelnen Vorstellungen gibt es vor Ort.

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