"Und in der Reihe B wie Bundesstraße die Nummer Acht." "Biiingooo", ruft Hannelore begeistert. Endlich hat sie die Reihe voll.
Hannelore Häring hat sich nach der Arbeit extra beeilt, um pünktlich ins Festzelt zu kommen. Hier kann sie abschalten und mit ein wenig Glück so einiges gewinnen.
Ins Festzelt auf dem Gelände des Sportvereins luden die Siedler am Montag nach der Kirchweih zu einem Familiennachmittag ein. Das Bingo-Spiel wurde heuer zum ersten Mal in das Nachmittagsprogramm mit eingebunden. "Sonst spielen wir einmal im Monat Samstag- abends", erzählt Veranstalter Kurt Fischer. Der Brauereiangestellte war über 30 Jahre Jugendleiter des SSV Kitzingen. Durch die Jugendarbeit begann auch die Bingotradition. "In den Jugendferienlagern haben wir bei schlechtem Wetter Bingo zum Zeitvertreib genutzt", erklärt Fischer. "Mit kleinen Preisen für die Kinder - das reichte als Beschäftigung schon aus."

Daraus entstand dann ein Treffen einmal im Monat Samstag abends, bei dem vor allem die alt Eingesessenen um Kleinigkeiten wie Schmuck, Alkohol oder Haushaltsgegenstände spielen.

"Meist kommen zwischen 50 und 80 Siedler. Da spielen wir schon mal bis spät in die Abendstunden", berichtet Fischer. Eine Bingokarte kostet 2,50 Euro. Von dem Erlös kauft Fischer die Sachpreise. Was am Ende übrig bleibt, wird als Geldpreis ausgesetzt.
Sachpreise hat auch schon Manuela Denk gewonnen. "Ein Kofferset, eine 1. FC Nürnberg Edition, ein Kaffeservice", zählt sie auf. Zum Familienfest ist sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern gekommen. Tochter Amily schaut sich das erste Mal Bingo an. "Wenn es zu langweilig wird, geh ich auf die Hüpfburg", verrät die Sechsjährige.
Doch auch die Kleinsten dürfen mitspielen und gewinnen. Der dreijährige Lion Lutz hat auf seine Bingokarte gut aufgepasst und im richtigen Moment seine Mama angestupst, damit sie laut "Bingo" ruft. Und schon darf er den grünen Klappliegestuhl vorne bei Kurt Fischer abholen und sich für den Rest des Nachmittags gemütlich zurücklehnen.

"Aus der Reihe G wie Gerald die Nummer 17. Und dann die Superzahl 66 auch aus der Reihe G", ruft Kurt Fischer von der Bühne aus.


Die Spannung steigt und jeder schaut hastig auf seine Karten und setzt seine Hütchen auf die Treffer. "Mir fehlt nur noch die 26", stellt Hannelore Häring aufgeregt fest, doch in diesem Moment tönt es schon wieder "Biiingooo", diesmal von Erika Werner.
Die Siedlerin, die schon zum Inventar der Bingogemeinschaft zählt, hat in den letzten Jahren schon einiges gewonnen. Neben Ketten und Ringen hat sie sogar einmal den Hauptgewinn von 100 Euro mit nach Hause genommen. Diesmal sucht sie sich Schneidebretter, Messer und zwei Flaschen Bier aus den Preisen aus.
Den Siedlern geht es aber nicht nur um die Preise. "Bingo ist einfach cool", findet Charlotte Bonic. "Es ist aufregend, spannend, und macht einfach Spaß", erzählt die Siedlerin. Fünf Karten hat sie sich gekauft und hofft nun auf ihr Glück. Dabei kommt sie wie die meisten vor allem wegen der Gesellschaft her. "Hier lernt man neue Leute kennen, da vergeht die Zeit ganz schnell."
Veranstalter Kurt Fischer freut sich über jede Bingorunde, berichtet aber auch über sinkendes Interesse am Bingospiel. "Die Leute sind mit der Zeit verwöhnt und erwarten jedes Mal etwas olles zu gewinnen. Sind sie dann den ganzen Abend da und haben Pech im Spiel, kommen manche nicht wieder." Doch solange die Leute noch kommen, wird auch gespielt. Und dann heißt es wieder nach angespanntem Warten "Biiingooo!"