Wiesentheid

Großübung: Tödliche Gefahr nach der Disco

Beeindruckendes Vorbeugungsprogramm in Wiesentheid: Mit einem gestellten Unfall werden Schüler drastisch auf die Gefahren nach der Disco aufmerksam gemacht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird der Verletzte vorsichtig aus dem Fahrzeug geborgen. Foto: Hanns Strecker
+2 Bilder

Ein Auto hat sich überschlagen und ist total zerstört. Im zerknautschten Innenraum sind drei Personen eingeklemmt – zwei vorne, eine hinten. Keiner bewegt sich mehr. Überall fließt Blut, eine Blutlache hat sich an der Fahrzeugseite gebildet. An der Unfallstelle stehen viele Jugendliche, die fassungslos auf das Fahrzeugwrack starren.

Es ist ein gestellter Unfall und eine Gemeinschaftsprojekt der Nikolaus-Fey-Mittelschule Wiesentheid und der Jugendsozialarbeit an den Schulen - kurz JaS genannt. Projektleiterin ist Patricia Martin-Mc Farland, Sozialarbeiterin im JaS. Mit dem Aktionstag Disco-Fieber sollen die Jugendlichen auf eindrucksvolle Art und Weise auf tödliche Gefahren nach Discoabenden hingewiesen werden. "Wir wollen ihre Sinne schärfen aufzupassen, bei wem man mit ins Auto steigt? Wer wie hat viel getrunken? Wer Drogen hat genommen?", erklärt Mc Farland das Projekt. "Mit Theorie kommt man bei den Jugendlichen nicht an. Hier muss man zu drastischen Mitteln greifen."

Harte Einsatzberichte

Das hat geklappt. Eindeutig. Polizei, Feuerwehr und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) erzählten den Jugendlichen in der Turnhalle von ihren Einsätzen. Harte Geschichten und mancher Jugendliche war den Tränen nah. Auch Pfarrer Hanjo von Wietersheim mit Mitarbeitern der Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) war in der Halle dabei. Seine Gruppe kommt zum Einsatz, wenn es Tote gegeben hat. Sie ist in erster Linie für die Betreuung von Angehörigen und unverletzten Betroffenen vor Ort zuständig, "aber auch zum Schluss für die Betreuung der Einsatzkräfte", wie der Pfarrer betont.

Noch geschockt von den Einsatzberichten gingen die gut 60 Schüler der oberen Klassen in den Schulhof, wo das Fahrzeugwrack lag. "Noch nie gab es eine solche Ruhe bei unseren Schülern", sagte eine Lehrerin beeindruckt. Feuerwehrkommandant Michael Rückel suchte sich einen Schüler aus, der den Notruf über ein Mikrofon nachstellen sollte. Und dann ging es los: mit Blaulicht und Martinshorn rasten die ersten Feuerwehrfahrzeuge heran. Dahinter der Rettungsdienst mit Notarzt und ein Polizeiauto. In beachtlicher Geschwindigkeit bereiteten die Feuerwehrleute den Einsatz vor.

Strukturiertes Chaos

Der Notazt stellt fest: Die Personen im vorderen Bereich sind schwerst verletzt und kompliziert eingeklemmt. Die hintere Person, dargestellt durch eine Puppe, ist tot. Professionell schneidet die Feuerwehr nach und nach das Dach und die Türen ab. Sanitäter krabbeln in das Fahrzeug und beginnen mit ersten medizinischen Maßnahmen. "Schaulustige" behindern die Rettungsarbeiten und filmen mit Handys. Polizeibeamte schreiten ein. "Ein ernstes Thema", sagt der stellvertretende Kitzinger Polizeichef Joachim Schinzel. "Dieses Phänomen tritt in letzter Zeit öfters auf."

Die Schüler schauen den Rettungskräften bei ihrer Arbeit genau zu. Für Laien schauen die Rettungsmaßnahmen chaotisch aus, stellen jedoch ein perfekt abgestimmtes Ineinandergreifen aller Einsatzkräfte dar. BRK-Bereitschaftsleiter Christian Sturm resümiert: "In nicht einmal einer halben Stunde wurden die Verletzten geborgen und ärztlich versorgt. Eine gute Zeit!" und nicht nur die Schulleiterin Susanna Zeier ist sich sicher, dass bei diesem Projekttag jeder Schüler für das Problem Disco-Unfall sensibilisiert wurde.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.