Greuth
Großbrand

Großbrand in Greuth: Ursache noch unklar

Das ganze Dorf Greuth packte an, als es galt, zwei Familien zu helfen. Dadurch verlief die nächtliche Rettungsaktion nach Ausbruch des Feuers in Ställen und Scheunen dramatisch, aber glimpflich für Mensch und Tier.
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In einer der Scheunen steht ein völlig ausgebranntes Wohnmobil. Futter und Heu sind herabgestürzt.   Foto: Sabine Paulus
In einer der Scheunen steht ein völlig ausgebranntes Wohnmobil. Futter und Heu sind herabgestürzt. Foto: Sabine Paulus
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Nach der Brandnacht ist ein grauer Vormittag in Greuth angebrochen. Eisiger Wind drückt sich in den Hof der Familie Schönberger und formt die aufsteigenden Rauchschwaden über dem abgebrannten Stall zu einem Wirbel.

Christina Schönberger und ihre Familie wurden in der Nacht zum Donnerstag von einem wahren Albtraum geweckt.

Die Scheune des Nachbaranwesens in der Hauptstraße brannte. Das Feuer arbeitete sich voran, nutzte Holz, Heu und anderes brennbares Material für sein zerstörerisches Werk und sprang auf den Stall der Schönbergers über.
Zuerst ist Christinas Mutter aufgewacht, alarmiert von ungewohnten Geräuschen. Sie weckte alle anderen: die Schwester, die Großeltern, den Vater. Dann hörte es auch Christina: "Das Feuer raschelte. Und die Ziegel sind zerplatzt von der Hitze."

Alle mussten schnell raus

Um 1.45 Uhr ging die Sirene los. Die Familienmitglieder haben sich angezogen. Als sie dabei waren, die wichtigsten Sachen zu packen, wurden sie schon von den Feuerwehrleuten aus dem Haus geholt. "'Raus hier, raus hier' haben sie gerufen", erzählt die 16-Jährige.
Die Bewohner des Nachbarhauses, eine 36-Jährige und ihre vier Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren, konnten sich nach Angaben der Polizei rechtzeitig selbst in Sicherheit bringen und kamen bei Nachbarn unter.

Die Helfer und die Feuerwehren rückten mit einem Großaufgebot von 100 Personen an.

Das Bayerische Rote Kreuz unter Leitung von Matthias Heckelt war mit 19 Personen am Brandort. Die BRK-Bereitschaft Kitzingen hatte ein CO-Messgerät für die medizinische Beurteilung bei Rauchgasinhalationen dabei. Christinas Vater und Großmutter wurden ins Krankenhaus gebracht, weil sie viel Rauch eingeatmet hatten.

Mit allen Kräften wurden die Tiere aus den Stallungen der Schönbergers gerettet. Das ganze Dorf half dabei.

Die Rinder wurden auf Bauernhöfe in der Nachbarschaft verteilt, Kühe, die gemolken werden müssen, kamen in den Melkstall des Nachbarn schräg gegenüber. Die Schweine standen zunächst auf dem Misthaufen. Christina: "Wir wussten einfach nicht, wohin mit ihnen." Schließlich holte ein Viehhändler die Schweine ab. Die Kaninchen sitzen in einer Garage in der Nähe.

Die Schweine und Kühe konnten größtenteils noch aus dem Gebäude befreit werden, ehe der Vollbrand und abstürzende Gebäudeteile dies unmöglich machten.

Nur wo die Katzen sind, weiß Christina nicht. Die seien weggerannt und noch nicht wieder aufgetaucht.
Den ganzen Vormittag über hatten die Feuerwehrleute noch zu tun. Im Heu steckten immer noch Glutreste. Und während noch gelöscht wurde, beförderte ein Schlauch, der aus einem Kellerfenster hing, unentwegt einen dicken, braunen Strahl schmutzigen Wassers in die Straßenrinne.Die beiden an die brennenden Scheunen und Stallungen angrenzenden Wohnhäuser waren mit viel Wasser vor einem Übergreifen des Feuers bewahrt worden.

"Dass die Häuser in Brand gerieten, konnte gerade noch verhindert werden. Die ersten Fensterscheiben an den Wohngebäuden waren aufgrund der enormen Hitze bereits geborsten", berichtet Michael Rückel, Kommandant der Feuerwehr Wiesentheid.

Dabei bereitete die Wasserversorgung Probleme. Die Fernwasserleitung war plötzlich zusammengebrochen, so dass der Wassernachschub über Tankfahrzeuge sichergestellt werden musste, bis der Aufbau von zwei Förderleitungen aus einem zirka 800 Meter entfernten See geklappt hatte. Richtig gefährlich wurde es, als eine über den brennenden Gebäuden verlaufende Hochspannungsleitung durch die Wärme schmolz und in einen Innenhof fiel.
Das Löschwasser rettete das Schönberger-Haus, richtete allerdings im Heizungsraum einigen Schaden an.

Überhaupt schätzt die Polizei, dass ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden ist.

Bei den Nachbarn ist ein Wohnmobil verbrannt, die landwirtschaftlichen Gebäude sind vollkommen zerstört, die Wohnhäuser teilweise in Mitleidenschaft gezogen.

Die Brandursache war gestern Nachmittag noch nicht bekannt. Den ganzen Tag über war die Kripo vor Ort und sah sich auf dem verwüsteten Gelände um.

Christina Schönberger und ihre Familie erlebten einen schrecklichen Nikolaustag. Aber weil an diesem Tag alle zusammengeholfen haben, die vielen Einsatzkräfte und das ganze Dorf, konnte das Schlimmste verhindert werden.
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