WILLANZHEIM

Grab- und Trauerkultur erhalten

Der Willanzheimer Gemeinderat ist sich bewusst, in den Friedhöfen der drei Ortsteile konzeptionell etwas bewegen zu müssen, um den Zukunftsaufgaben gerecht zu werden. Deshalb unternahmen die Räte am Samstag eine Informationstour, um sich in Volkach, Kitzingen und Obernbreit verschiedene Formen von Urnengräbern anzusehen. Dabei nahm Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert die zentrale Botschaft mit, dass den Bürgern bei allen Veränderungen die Gräber- und Trauerkultur erhalten bleiben soll.
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Informationstour auf Friedhöfen: Volkachs Bürgermeister Peter Kornell veranschaulicht den Willanzheimer Gemeinderäten bei ihrer Informationsfahrt verschiedene Formen von Urnengräbern. Foto: Foto: Hartmut Hess

Der Willanzheimer Gemeinderat ist sich bewusst, in den Friedhöfen der drei Ortsteile konzeptionell etwas bewegen zu müssen, um den Zukunftsaufgaben gerecht zu werden. Deshalb unternahmen die Räte am Samstag eine Informationstour, um sich in Volkach, Kitzingen und Obernbreit verschiedene Formen von Urnengräbern anzusehen. Dabei nahm Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert die zentrale Botschaft mit, dass den Bürgern bei allen Veränderungen die Gräber- und Trauerkultur erhalten bleiben soll.

Station eins: Volkach

Bei der ersten Besuchsstation in Volkach erfuhren die Willanzheimer vom dortigen Bürgermeister Peter Kornell, dass in den älteren Friedhofsteilen schon seit 2003 keine Erdbestattung mehr erlaubt ist. „Ich war auch selbst in meiner Familie betroffen“, erzählte Kornell und gab sich als Anhänger der Feuerbestattung: „Weil das für mich die hygienischste Bestattungsform ist.“ In Volkach erschloss die Stadt vor ein paar Jahren ein neues Friedhofsquartier, um Erdbestattungen überhaupt noch zu ermöglichen.

Doch gehe der allgemeine Trend zu Feuerbestattungen. Ein Grund: Das Gesundheitsamt untersagt in vielen Friedöfen Erdbestattungen. Staunässe und Grundwasser führt zu so genannten „Wasserleichen“, wobei der Verwesungsprozess wegen der Feuchtigkeit nicht normal fortschreiten kann. Die Volkacher haben wie die Kitzinger schon vor Jahren handeln müssen, um der geänderten Situation gerecht zu werden. In Volkach kommen Urnengräber, die auf vier Plätzen in einem ehemaligen Normalgrab angelegt sind, heute gut bei den Bürgern an. Alternativ gibt es auch eine Urnenwand oder ein Urnen-Sammelgrab, für Menschen, die anonym beerdigt werden sollen. Peter Kornell machte deutlich, dass das Umstellen auf Urnengräber den Kommunen weniger Einnahmen beschere und dadurch der Deckungsgrad der Friedhofskosten absinke. Doch gerade die Anonymität will der Großteil der Menschen nicht, wie Peter Kornell ausführte. Denn die Angehörigen bräuchten die Grabstellen, um trauern zu können, die Menschen wollten auf jeden Fall nicht auf die Grab- und Trauerkultur verzichten.

Die Gartenbau-Kreisfachberaterin Mechthild Engert informierte über das Buch „Ländliche Friedhöfe in Unterfranken“ mit vielen Bildern und authentischen Information von Friedhöfen. Diese seien gerade für ältere Menschen ein Ort der Kommunikation und würden teilweise auch die Geschichte der Orte abbilden.

Vielfältigste Angebot in Kitzingen

In Kitzingen besichtigen die Ratsmitglieder den Alten und den Neuen Friedhof, geführt von Uwe Plomitzer von der Stadtverwaltung. Er zeigte den Willanzheimer Urnenwände mit Nischen, in denen die Angehörigen Blumen niederlegen können. Kitzingen hat das vielfältigste Angebot im Landkreis, neben allen vorhandenen Formen an Urnengräbern und -wänden auch eine Urnenwiese und einen Urnengarten, den die Stadtgärtnerei für die Grabstellenbesitzer pflegt.

Die dritte Station führte die Willanzheimer nach Obernbreit, wo stellvertretender Bürgermeister Reinhard Baier die Vorteile einer Urnenwiese aufzeigte. Ingrid Reifenscheid-Eckert fand, dass die Gemeinderäte viele Informationen bekommen und Möglichkeiten gesehen hätten, die sie als Hausaufgaben mit nach Hause nahmen. Denn jetzt stünden mehrere Monate an Vorarbeit ins Haus, um Konzepte für die Umsetzung in den Friedhöfen der Willanzheimer drei Ortsteile auszuarbeiten. Die Konzepte will die Bürgermeisterin dann in Bürgerversammlungen präsentieren.

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