Kitzingen

Gnadenfrist für das Kitzinger Tierheim

Der Schwebezustand in Kitzingen hält an - ebenso wie der Kampf um eine langfristige Lösung. Was sagen die Tierheime in der Region zur möglichen Schließung?
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Kranken oder alten Tierheimtieren eine zweite Chance geben
Wohin mit den Fundtieren, wenn das Kitzinger Tierheim schließen muss und kein Ersatz da ist? Umliegende Tierheime würden sich kümmern – allerdings eher vorübergehend.

Um mit einer guten Nachricht anzufangen: Das Tierheim in Kitzingen gibt es immer noch. Das hörte sich im Sommer 2017 noch anders an. Damals hatten Risse im Mauerwerk zu weiteren Untersuchungen und einer unschönen Erkenntnis geführt . Für das auf einen – vor rund 110 Jahren stillgelegten – Stollen gebaute Tierheim sind die Stunden gezählt. Damals hieß es: „Anfang 2019 droht dem Tierheim das Ende“.

Inzwischen wissen wir: Ganz so schnell ging es mit der Schließung – zum Glück – dann doch nicht. An den Umständen indes hat sich nichts geändert. Das Tierheim steht auf wackeligen Füßen; das Ende ist weiterhin beschlossene Sache. Wann das genau sein wird, bestimmt das Bergamt Nordbayern. Das hat die brüchigen Stollen unter den Gebäuden im Blick und duldet den Betrieb – noch.

Noch kein Schließungstermin

Wobei das NOCH groß geschrieben wird. Aktuell habe man „einen konkreten Schließungstermin nicht festgelegt“. Das teilt die Pressestelle der Regierung von Oberfranken in Bayreuth, wo das Bergamt angesiedelt ist, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Klar ist aber auch: „Dem Tierschutzverein wurde aufgegeben, die Nutzung des Tierheims zeitnah zu beenden.“ Eine Aussage, die man wohl als Gnadenfrist für das Kitzinger Tierheim verstehen muss.

Wie auch immer man „zeitnah“ definieren will – das Schlusskapitel für das Kitzinger Tierheim kann schnell geschrieben sein. Nach ebenso langer wie vergeblicher Suche des Tierschutzvereins – etwa in Iphofen – gab es zuletzt einen Hoffnungsschimmer: Eventuell ließe sich in Prichsenstadt ein Grundstück finden , so die Signale aus der jüngsten Stadtratssitzung. Konkret ist allerdings noch nichts. Deshalb besteht die Gefahr, dass in Kitzingen das Tierheim geschlossen werden muss und es erst einmal keinen Ersatz gibt.

Finanzierung des Neubaus offen

Zumal die Finanzierungsfrage offen ist: Schätzungen gehen von mindestens einer Million Euro aus, um ein neues Tierheim aus dem Boden zu stampfen. Ganz zu schweigen von den laufenden Kosten: Die Fundtiere müssen geimpft, bei Krankheiten tierärztlich behandelt und mindestens ein halbes Jahr untergebracht werden. Das geht schnell ins Geld: Rund 15 Euro pro Hund und Tag, bei Katzen rund zehn Euro seien da mindestens fällig, so die Rechnung von Iris von Crailsheim, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Bei einer Schließung würden die Tiere entweder in der jeweiligen Fundgemeinde untergebracht. Oder sie landen in umliegenden Tierheimen in angrenzenden Landkreisen – wobei dort kaum Kapazitäten sind, wie eine Umfrage ergab. Johannes Saal, Betreiber des Schwebheimer Tierheims, hat sich bereit erklärt, im Falle der Schließung in Kitzingen heimatlose Tiere aufnehmen zu wollen. Dies könne aber nur vorübergehend und provisorisch sein. Eine dauerhafte Aufteilung sei „nicht vorstellbar, da es zu arbeits- und kostenintensiv wäre“, erklärt Saal. Er appelliert deshalb an die Kommunalpolitik, eine Lösung zu finden.

Was sagen andere Tierheime?

Auch Elisabeth Haasmann vom Tierheim Würzburg sagt: „Selbstverständlich kümmern wir uns kurzfristig um die Tiere“, falls es zu einer Schließung in Kitzingen kommen sollte. Langfristig müsse man sich jedoch mit den Verantwortlichen des Landkreises absprechen. Grundsätzlich gilt bei Haasmann: „Tiere lassen wir nicht im Stich.“

„Der Verlust wäre für uns andere Tierheime zu stemmen“, sagt Simone Dietrich von der „Siho-Ranch“ in Oberscheinfeld über die kurzfristige Aufnahme von Tieren aus Kitzingen. Anders bewertet Claudia Brunner vom Tierschutzhof Lucky Farm die Situation. Sie erklärt, dass man finanziell nicht in der Lage sei, den Verlust des Kitzinger Tierheims ohne entsprechenden Ersatz auszugleichen.

Die aktuelle Entwicklung im Landkreis Kitzingen fasst Landrätin Tamara Bischof zusammen.



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