Großlangheim

Glücksboten unterm Dach: Schwalben bauen gleich fünf Nester

Familie Weigand aus Großlangheim freut sich in diesem Jahr über fünf Schwalbennester an ihrem Haus. Wie häufig gibt es das heute noch?
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Seit einigen Jahren bauen Schwalben am Haus von Ralf Weigand in Großlangheim ihr Nest. Foto: Caroline Münch
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Familie Weigand aus Großlangheim hat seit mehr als zehn Jahren Schwalben am Haus. Meistens belegten die Schwalben zwei Nester. In diesem Jahr sind es sogar schon fünf, in denen jeweils bis zu vier Jungtiere leben. "Ich finde es bemerkenswert, dass in diesem Jahr noch mehr Schwalben als sonst bei uns brüten. Weil in den letzten Jahren viele Wege asphaltiert und Flussläufe befestigt wurden, fällt es den Vögeln eigentlich immer schwerer, Lehm zu finden, um ihre Nester zu bauen.", wundert sich Ralf Weigand.

Deshalb legt er auch eine Tonschale gefüllt mit Lehm und Wasser in die Nähe der Nester. Sonja Dölfel, Pressereferentin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), erklärt, dass ein Nest aus 800 oder mehr Lehmkügelchen besteht.

Ein Stück Natur direkt am Haus

Weigand liebt diese Zugvögel: "Die Schwalben sind meine Immigranten". Für ihn sind sie ein Stück Natur direkt am Haus. Ihm gefällt es zu sehen, wie sie aufwachsen. Wenn die Jungtiere ausfliegen, ist das für ihn ein besonderes Erlebnis: "Ganz viele Schwalben, auch von den Nachbarnestern, versammeln sich am Haus, um die Jungtiere aus den Nestern zu locken. Diese fliegen dann ohne Übung in einem stürmischen Tempo sofort los." Das Zusammenleben mit den Vögeln ist harmonisch. Sie stören die Familie nicht. Um Dreck oder Nestabfälle schneller beseitigen zu können, hat Weigand ein Holzbrett an der Fensterbank angebracht.

Früher lebten in Großlangheim in jedem Kuhstall Schwalben, erinnert er sich zurück. Heute gibt es deutlich weniger, aber es existieren noch weitere Nester im Ort. "Das liegt an dem Naturschutzgebiet "Kranzer", das sich unmittelbar an den Wohnort anschließt", vermutet der Schwalbenliebhaber. Die Feuchtwiese "Kranzer" begünstigt feuchte Lehm- und Erdvorkommen.

Immer weniger Schwalbennester an den Häusern in den letzten Jahren

Sonja Dölfel (LBV) bestätigt seine Beobachtungen, dass in den letzten Jahren der Bestand von Mehl- und Rauchschwalben rapide gesunken ist. Wegen der Flächenversiegelung fehlt den Vögeln der Lehm und Nester an den Häusern werden so seltener. Mehlschwalben stehen auf der Roten Liste in der Kategorie 3 und sind somit laut Dölfel gefährdet, während sich Rauchschwalben auf der Vorwarnliste befinden.

Da die Menschen der Natur derzeit wieder offener gegenüberstehen, kann sich Dölfel vorstellen, dass die bestehenden Nester in Zukunft besser geschützt und nach einer Renovierung beispielsweise wieder angebracht werden. Hoffnung besteht also, dass Schwalben wieder mehr Beachtung im Alltag finden werden.

Schwalben bringen Glück

Sie bringen nicht nur Leben ins beziehungsweise ans Haus, sondern sind auch nützlich. Sie verzehren pro Tag mehr als die Hälfte ihres Eigengewichts an Insekten. In ihrer Umgebung gibt es deutlich weniger Mücken und Fliegen. Außerdem sollen Schwalben einem alten Sprichwort nach jenen Höfen Segen bringen, unter deren Dächern sie Nester bauen. Ralf Weigand schenkt diesem Sprichwort Glauben: "Glück sollten wir im Hause der Familie Weigand dieses Jahr besonders viel haben."

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