Kitzingen

Glosse: Kitzingen baut an seinen Ruhmeshallen

Je schneller eine Wahlperiode sich dem Ende neigt, desto mehr sorgen sich die Politiker um ihren Ruhm. In Kitzingen haben manche jetzt schon einen Ruf wie Donnerhall.
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Eine Walhalla für wichtige Dokument: Das Staatsarchiv wird in Kitzingen neu gebaut. Foto: Andreas Brachs

"Ruhm ist ein Gift, das der Mensch nur in kleinen Dosen verträgt." Der französische Philosoph Honoré de Balzac kannte seine Mitmenschen gut, aber sie schenken seiner Aussage bis heute keine Bedeutung. Sie streben nach Ruhm im Leben wie im Tode.

So hat der Mensch sich Ruhmeshallen erbaut. Wir Deutschen haben unsere Walhalla in Donaustauf, in der Persönlichkeiten "teutscher Zunge" mit Marmorbüsten und Gedenktafeln gedacht wird. Über die Welt verteilt gibt es Halls of Fame auch für Rockmusiker, Fußballer oder Billardspieler.

Kitzingen schickt sich nun an, gleich zwei Ruhmeshallen zu errichten. Auf dem Deuster-Areal wird in den übernächsten Jahren ein Staatsarchiv entstehen, das architektonisch seinesgleichen sucht. Keine "klotzige Burg", sondern "ein schöner Tresor", sagt der Architekt – leider ohne Gold. Geld wird er aber trotzdem verschlingen. Mindestens 50 Millionen Euro zahlt der Freistaat für diese neue Heimstätte von – Dokumenten.

Richtig: Nicht Menschen werden dort ein neues Zuhause finden, auch nicht ihre Abbilder, sondern überwiegend Papier, das für alle Zeiten erhalten bleiben soll. Eine Hall of Fame fürs Archiv. Unsterblich machen kann sich damit die Regierung in München, denn sie schüttet schließlich ihr Füllhorn über Kitzingen aus und sorgt dafür, dass jeder Bürger tagtäglich dieses staatstragende Staatsarchiv am Main besuchen darf – wen der Bürger das denn will. 

Aus einer anderen Ruhmeshalle in Kitzingen sind die Bürger dagegen seit Monaten ausgesperrt: Die Stadt lässt nur noch Sportler in ihre Florian-Geyer-Halle. Ob deren Training dort ihren Ruhm mehrt, weiß ich nicht zu sagen. Bereits berühmte Menschen aber, wie die Träger des Schlappmaulordens, müssen draußen bleiben. 

Doch das wird der Stadtrat nun in einer wahren Heldentat ändern: Für die Flo-Halle wird gerade ein Flohzirkus aufgeführt. 30 Jahre lang haben es die Vertreter des Volkes nicht geschafft, der Großen Kreisstadt eine große Veranstaltungshalle zu bauen. Nun soll die Flo-Halle wenigstens übergangsweise eine werden. "Minimallösung" nennen die Räte den dafür geplanten Umbau. Ob das auch mit minimalem Geld möglich ist, wird sich zeigen. Ebenso, wer sich den Ruhm für solche Großtaten auf die Fahnen schreibt. Spätestens wenn die Stadtväter und -mütter in Wahlhalla einziehen, werden wir es wissen.

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