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Kitzingen

Glosse: In Corona-Zeiten an den Osterhasen schreiben

Viele Leute scheinen jetzt unendlich viel Zeit zu haben. Was tun gegen Langeweile? Unsere Glosse weiß Rat: Mal wieder einen Brief schreiben! Und wir verraten sogar, an wen.
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Schoko-Osterhasen in Corona-Zeiten. Foto: Wawi, dpa

Haben Sie auch schon einen Brief geschrieben? Angeblich entdecken in unseren digitalen Zeiten gerade wieder viele Menschen Füller und Briefpapier neu. Briefe schreiben als Entschleunigung in entschleunigten Zeiten. Das müssen Sie wissen:

Erst einmal dauert es länger, mit der Hand zu schreiben, als auf der Tastatur zu tippen. Drei-Finger-Stift-Haltegriff statt Zehn-Finger-Tipp-System. Und mal eben Fehler löschen geht auch nicht. Also: durchstreichen und neu schreiben. Oder Tipp-Ex kaufen. Die alte Flasche ist seit Jahren eingetrocknet.

Fürs Senden gibt es keinen Button zum Anklicken, sondern einen Briefumschlag, den man zukleben (nicht ablecken – Ansteckungsgefahr!) und mit einer Briefmarke (noch im Haus?) bestücken muss. Bitte Anschrift und Absender nicht vergessen! Und dann muss man das Ding auch noch persönlich zum Postkasten tragen. Womöglich zu Fuß. – Wo war der noch mal?

Anschließend wartet der Empfänger ein oder zwei Tage bis diese E-Mail – zu deutsch: Echt-Post – auch bei ihm zu Hause im Briefkasten ankommt.

Briefe schreiben ist nicht schwer, nur was und an wen?

Alles nicht so schwer und unserem aktuellen Lebenstempo angemessen. Wäre da bloß nicht der Inhalt: Was soll man schreiben und an wen?

Einen ersten Feldversuch haben Freiwillige in fünf Städten und Gemeinden im Landkreis Kitzingen diese Woche unternommen. Sie bekamen einen vorgefertigten Brief, in dem sie nur ein Kreuz machen mussten. Mehr war vorerst nicht gefordert. Anschließend brauchte man nur den Umschlag verschicken. Die Adresse stand auch schon drauf, Marke nicht nötig. Nennt sich Briefwahl.

Wer über dieses Anfänger-Stadium hinaus ist, kann sich nun an einen selbst formulierten Brief machen. Dafür empfehlen Psychologen zurzeit einen Brief an den Osterhasen (der ans Christkind würde einfach zu lange ohne Reaktion bleiben). 

Da kann man dann hineinschreiben, ob man schon beim Eierfärben ist, was man sich alles zu Ostern wünscht, wo die Eier respektive Geschenke am besten versteckt werden sollen, damit man selbst sie sicher findet, aber der Nachbar hoffentlich nicht und so weiter und so fort.

Das Ganze schickt man dann an: Herr Osterhase, Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt oder an: Oberlausitzer Osterhasenpostamt, Viebigstraße 1, 02782 Seifhennersdorf oder an: Osterhase, Siedlungsstraße 2, 06295 Osterhausen.

Keine Angst: Dabei kann nichts schiefgehen. Wenn der Osterhase den Brief nicht gleich wegwirft, schickt er vielleicht ein paar nette Zeilen zurück. Nur ob er dieses Jahr trotz Corona auch persönlich vorbeihoppelt und Eier versteckt, können wir leider nicht garantieren.