Nenzenheim
Tierschutz-Verstoß

Giftköder im Biber-Gebiet bei Nenzenheim

In der Nähe von Nenzenheim hat ein Unbekannter Rattengift in der Flur ausgelegt. Das Gift sollte wohl Biber töten, ist aber auch für Menschen gefährlich. Das Landratsamt mahnt zur Vorsicht.
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Putzig, aber bissfest: Der Biber meldete sich vor einigen Jahren wieder im Landkreis Kitzingen zurück. Nicht jedem scheint das zu gefallen. Foto: dpa
Putzig, aber bissfest: Der Biber meldete sich vor einigen Jahren wieder im Landkreis Kitzingen zurück. Nicht jedem scheint das zu gefallen. Foto: dpa
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Die kleinen, pinkfarbenen Würfel bringen den Tod auf grausame Weise. "Wenn ein Säugetier sie frisst, verblutet es innerlich", erklärt Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde am Kitzinger Landratsamt. Ein aufmerksamer Spaziergänger hat in der Umgebung von Nenzenheim solche Giftköder gefunden, vor allem an Stellen, an denen Biber aktiv sind.

Nach einem Ortstermin mit der Unteren Naturschutzbehörde und Rücksprache mit dem Veterinäramt sowie der Polizei steht fest: Bei den pinkfarbenen, quadratischen Ködern handelt es sich um Rattengift. Das Landratsamt warnt alle Eltern mit Kindern sowie Hundehalter und bittet die Bürger, die Augen offen zu halten.

Wie ein kleines, rosa Brikett sehen die Giftköder aus, die der Spaziergänger in Nenzenheim fand. Der Mann war am Freitag, 10. Januar, mit seinem Hund unterwegs gewesen.
Dieser hatte auf einmal ein solches Brikett im Maul und legte es seinem Herrchen zu Füßen. Durch Reste am Boden konnte der Spaziergänger leicht feststellen, wo sein Hund den Giftköder gefunden hatte: an einer Weide, die von einem Biber angenagt worden war.
Am Landschaftssee Nenzenheim entdeckte der Mann in einem Bereich, in dem der Biber einen Fraßplatz angelegt hat, erneut zwei solche rosafarbene Blocks. Er informierte daraufhin die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt.


Anzeige gegen Unbekannt


"Vor Ort habe ich mich selbst von den Fundorten der Giftköder überzeugt und bin der Meinung, dass sie speziell gegen die Biber gerichtet sind", erklärt Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde. Nach Rücksprache mit dem Veterinäramt war schnell klar, dass es sich bei den 200 Gramm schweren Ködern um Rattengift handelt, das normalerweise in Abwasserrohren zur Rattenbekämpfung eingesetzt wird.

Die Polizei ist informiert und das Veterinäramt hat bereits eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Köder sind auch eine Gefahr für den Menschen, zum Beispiel für spielende Kinder. Wie Dr. Walter Koch vom Gesundheitsamt informiert, kann Rattengift auch beim Menschen erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen - abhängig von der Dosis. Bei Verzehr kann es zum Beispiel durch eine Störung der Blutgerinnung zu inneren Blutungen kommen. Im Zweifelsfall sollte man umgehend zum Arzt gehen.

Außerdem verstößt das Auslegen zudem gegen das Tierschutzgesetz. "Es handelt sich hier auch um einen Verstoß - da Vorsatz anzunehmen ist, sogar um eine Straftat - gegen das Naturschutzrecht, da der Biber eine streng geschützte Art ist", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes.

Wegen ihres dichten Fells waren die Biber lange Zeit in unseren Breiten ausgerottet. Vor neun, zehn Jahren wanderte jedoch das erste Männchen wieder ein. "50 bis 60 Biber sind mittlerweile wieder im Landkreis heimisch", schätzt Dieter Lang. "Sie leben hier größtenteils relativ unauffällig."


Aufmerksam sein


Der Biber ist eine besonders und streng geschützte Art. Laut Naturschutzgesetz ist es verboten, den zweitgrößten Nagetieren der Welt nachzustellen, sie zu verletzen oder zu töten. Zirka 50 bis 60 Biber leben derzeit im Landkreis Kitzingen. Ihr auffälligstes Merkmal ist die Kelle, der bis zu 35 Zentimeter lange, breit abgeflachte Schwanz. Biber können bis zu 1,3 Meter lang werden und bis zu 17 Jahre alt.

Das Landratsamt Kitzingen bittet die Bevölkerung, aufmerksam zu sein. Wer weitere Giftköder findet oder etwas beobachtet, soll dies der Polizeiinspektion Kitzingen, Tel. 09321/ 1410, oder der Unteren Naturschutzbehörde, Tel. 09321/ 928-6212, melden.


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