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Kitzingen

Gesperrte Kitzinger Treppen: Abstimmung mit den Füßen

Die Kritik reißt nicht ab: Dass die Stadt Kitzingen kurzerhand Treppen sperrt, weil sie den Winterdienst nicht gewährleisten kann, sorgt weiterhin für Kopfschütteln.
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Treppenwitz? In Kitzingen sind viele Treppen gesperrt, weil der Winterdienst nicht gewährleistet werden kann. Foto: Frank Weichhan
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Es geht doch nichts über eine geschickte Strategie: "Während der Winterzeit", so schreibt Claudia Biebl, "ist es uns wichtig, dass alle öffentlichen Straßen und Wege in der Stadt gefahrlos zu begehen sind." Wie schön, könnte man jetzt denken. Nur: Die Pressesprecherin der Stadt Kitzingen begründet mit diesem Satz die Sperrung mehrerer Treppenaufgänge im Stadtgebiet. 

Seither ist vielerorts Kopfschütteln angesagt. Gerade in den sozialen Netzwerken tauchen die Sperrungen regelmäßig als " Treppenwitz " auf. Die Lästerei ist groß – der Ärger aber auch. Warum ist jahrzehntelang beim Thema Winter und Treppen scheinbar alles in bester Ordnung? Und warum ist jetzt seit Anfang dieses Jahres plötzlich alles anders? Realer Irrsinn sei das, so der einhellige Tenor.

Claudia Biebl erklärt das so: "Wir haben alle städtischen Wege in unterschiedliche Kategorien eingeteilt." Es gebe Wege, "die in jedem Fall und immerzu begehbar sein müssen." Und dann gebe es Wege, "die eher nachrangige Priorität haben", so die Information aus dem Rathaus. 

Schneller Räumdienst nicht gewährleistet

Grundlage der Überlegungen im Rathaus scheinen dabei extreme Wetterlagen gespielt zu haben –  so wird von Seiten der Stadt explizit auf Blitzeis hingewiesen. Da man an "einigen Stellen einen schnellen Räumdienst nicht gewährleisten" könne, habe man sich eben entschieden, "einige Treppenabgänge in der Stadt seit diesem Winter vorübergehend zu sperren". Als reine Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahme, weil der Bauhof im Ernstfall nicht überall gleichzeitig sein kann.

Wichtig sei aber auch, so die Pressesprecherin weiter, dass es bei den gesperrten Treppenabgängen "in zumutbarer Nähe eine weitere Möglichkeit gibt, um bequem und sicher von A nach B zu kommen".  Und schließlich noch das Versprechen: "Ab dem Frühjahr sind dann wieder alle Abgänge geöffnet!"

Trotzdem bleibt die Frage: Warum jetzt? Warum so überhastet und ohne Erklärungen? Scheinbar hat man in der Stadt mitbekommen, dass Schilder wie „Betreten auf eigene Gefahr“ keine rechtliche Wirkung haben. Es sind reine Hinweisschilder, im Falle eines Falles könnte der Stadt tatsächlich Ungemach und finanzieller Schaden drohen. Das ist zwar auch keine neue Erkenntnis, die Stadt scheint nun aber darauf reagiert zu haben.


Für die Kitzinger bedeuten die Sperrungen zumindest teilweise größere Umwege. Neben der neuen Mainbrücke ist vor allem auch in der Nähe des Falterturms die Verbindung von der Lindenstraße zur B 8 betroffen. Dort sind gleich drei Aufgänge den gesamten Winter über nicht mehr zugänglich. Was die Betroffenen davon halten, zeigte sich an einem der "Treppe gesperrt"-Schilder an der Mainbrücke, das von einem Schelm um den Zusatz "aus Schikane" erweitert wurde.

Nicht ganz durchdacht?

Dass die Absperrungen vielleicht doch nicht ganz so durchdacht waren, zeigt sich inzwischen in der Praxis. Womit die Stadtverwaltung wohl nicht gerechnet hat: Die Sperrzäune können leicht umfallen. Und noch leichter verschoben werden. Zumindest in der Lindenstraße stehen einige Sperrfelder längst nicht mehr da, wo sie eigentlich hingehören.

In Etwashausen, wo lange Zeit der "Schikane"-Hinweis an einem der Sperrzäune prangte, zeigt sich zudem: So leicht lässt sich der eine oder andere Zeitgenosse nicht beeinflussen: Der Trampelpfad neben der gesperrten Treppe zeigt ganz deutlich, wie es aussieht, wenn die Kitzinger mit den Füßen abstimmen – und was viele von der Aktion der Kitzinger Stadtverwaltung halten.

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