Kitzingen
Demografie

Gemeinden müssen Familien gezielt fördern

Mit den geburtenschwachen Jahrgängen müssen in den nächsten Jahrzehnten alle Regionen in Deutschland zurecht kommen. Beim Kampf um Familien gibt es viel zu tun.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Willkommenspaket für Neugeborene gibt es schon im Landkreis Kitzingen. Weitere familienfreundliche Angebote sind wegen der demografischen Veränderungen dringend angeraten.  Foto: Archiv
Ein Willkommenspaket für Neugeborene gibt es schon im Landkreis Kitzingen. Weitere familienfreundliche Angebote sind wegen der demografischen Veränderungen dringend angeraten. Foto: Archiv
"Bis 2030 fehlen im Landkreis Kitzingen über 500 Kinder unter sechs Jahren", sagt Markus Hladik, Koordinator vom Lokalen Bündnis Erlangen-Höchstadt. Diese 500 Kinder entsprechen 20 Kindergartengruppen. Bei den 6- bis 18-Jährigen werde die Entwicklung noch dramatischer ausfallen, hier fehlen bis 2030 laut Hladik 3200 Jugendliche oder 250 Fußballmannschaften.

Familienfreundliche Maßnahmen für Kommunen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Regionalmanagements und des Lokalen Bündnis für Familie Kitzinger Land, zu der über 45 Bürgermeister, Mitarbeiter der Verwaltungen und Vertreter von Institutionen gekommen waren. Sie erhielten wertvolle Tipps für die Zukunft.
"Der Landkreis Kitzingen steht mit dieser Entwicklung nicht alleine da", betonte der Referent. Deutschland werde als Schlusslicht bei der weltweiten Geburtenrate in jeder Region mit dieser Entwicklung zu kämpfen haben. "Deshalb ist es wichtig, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um dagegen zu steuern", betonte Hladik.

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt versucht man dies seit Jahren mit einem Bündel an Maßnahmen. So hat der Landkreis ein Förderprogramm für die Ferienbetreuung aufgelegt. "Wir stellen dafür jährlich 50.000 Euro in den Haushalt ein", erklärte Hladik. Der Landkreis fördert Ferienbetreuung, die bestimmte Kriterien erfüllt, mit 8,50 Euro pro Tag und Kind. Seit einiger Zeit gibt es auch den jährlichen Wettbewerb "Kinder-, jugend- und familienfreundliche Gemeinde" zu verschiedenen Themen, der mit 1000 Euro dotiert ist. Der Landkreis hat eine "Familienfreundlichkeits-Prüfung" für Kommunen entwickelt, veranstaltet ein jährliches Familienfest und informiert in vielen Broschüren über interessante Themen.

Viele Angebote für Familien


Eine Fülle an Angeboten hat auch die Gemeinde Mauer im Rhein-Neckar-Kreis in petto. Bürgermeister John Ehret war der zweite Referent der Veranstaltung. Er berichtete aus der Praxis der knapp 4000-Seelen-Gemeinde. Neben einem Willkommenspaket für Neugeborene, einem Babysitter-Zertifikat und einem kostenfreien Fahrdienst für Senioren zum Friedhof, bietet die Gemeinde auch sechs Wochen Ferienbetreuung in den Sommerferien mit Rabatt für Alleinerziehende und Geschwister an sowie ein Ganztagsangebot für Schüler mit kostenfreien Arbeitsgruppen am Nachmittag wie Yoga für Kinder, "Coolness-Training" oder Kochkurse.

Außerdem ist die Gemeinde beim Projekt "Notinsel" - ähnlich dem Hilfepunkt in Volkach - dabei und bietet den "Walking Bus" an, eine Aktion zur Förderung der Bewegung von Kindern, bei der Ehrenamtliche die Kinder zu Fuß zur Schule bringen. "Das kostet natürlich alles Geld, aber unsere Familien sind es uns wert", betonte Bürgermeister Ehret.

Beeindruckt zeigte sich Regionalmanagerin Simone Göbel von der Vielzahl an Angeboten, die es in Mauer gibt. Sie ist sich sicher, dass die Bürgermeister des Kitzinger Lands mit der einen oder anderen Anregung nach Hause gefahren sind. "Diese "weichen Faktoren" gewinnen nämlich immer mehr an Bedeutung und werden sich für Kommunen als Standortvorteil herausstellen", ist sich Göbel sicher.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren