Viele tun sich schon mit dem Begriff Inklusion schwer. Das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten, das Erleben des gemeinsamen Hobbys Angeln ist für die Fischerjugend Ochsenfurt schon lange kein Thema mehr. Ein Besuch am See.

Eine Gruppe junger Leute sitzt auf Klappstühlen oder auf der Wiese am Ufer des Angelsees. Über ein Dutzend Angelruten sind aufgestellt, die Schwimmer an den Angelschnüren dümpeln träge auf der spiegelnden Oberfläche des Sees. Die Sonne lacht vom nur leicht bewölkten Himmel, ein Pavillon mit Biertischgarnituren lädt zum Platz nehmen ein. Der Duft von frisch gegrilltem Steckerlfisch weht vom Grill herüber. Idylle pur in freier Natur.

Wir sind zu Gast bei der Fischerjugend des Sportfischer Vereins (SFV) Ochsenfurt und für die ist heute wieder einmal ein ganz besonderer Tag. Sie haben sich Gäste eingeladen und das nicht zum ersten Mal. Eine Gruppe junger Erwachsener der Lebenshilfe Würzburg sitzt ebenfalls mit am Ufer und hofft auf das Anglerglück.

Jugendbetreuer Denis Herrlinger und Uschi Ferstl, bei der Lebenshilfe zuständig für die Organisation von Urlaubs- und Freizeitaktionen, sind mit ihren Schützlingen nach Sulzfeld gekommen. Die Idee, dass Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam ihrem Hobby, dem Angeln, nachgehen, hatte vor einiger Zeit der Jugendpfleger Carsten Pauli. Er rannte damit bei Ludwig Lenhart, dem Bezirksjugendleiter der Fischerjugend und Vorsitzendem des SFV Ochsenfurt, offene Türen ein. Bereits zum vierten Mal findet das gemeinsame Angeln statt und inzwischen gibt es bei der Lebenshilfe sogar eine eigene Anglergruppe, erzählen Lenhart und Ferstl.

Für das, was die jungen Leute hier heute tun, gibt es ein großes Wort, das derzeit in aller Munde ist, nämlich Inklusion. „Was wir hier tun ist gelebte Inklusion“, sagt Lenhart stolz.

Inklusion bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass jeder Mensch die Möglichkeit erhält, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Womit sich die Politik und große Teile der Gesellschaft heute noch schwer tun, ist hier am Angelsee in Sulzfeld das Normalste der Welt. Man kennt sich, man hat Freundschaften geschlossen, hat sichtlich Freude am gemeinsamen Hobby. Wenn mal kein Fisch anbeißt, ist das auch nicht so schlimm, denn die Steckerlfisch auf dem Grill, die Jugendleiter Manfred Keupp fachmännisch zubereitet, sind den Teilnehmern sicher.

Von der Idee begeistert sind Ralf Limberg, Vorsitzender des Bezirksjugendrings Unterfranken, der sich das Gemeinschaftsprojekt von Lenhart erklären lässt und Bezirksrat Johannes Sitter (Gräfendorf), der die Idee von Anfang an unterstützt hatte.