Kitzingen

Geldstrafe: Mit dem Kind zurück nach Bulgarien geflüchtet

Das Kitzinger Gericht verdonnert eine Mutter wegen "Entziehung Minderjähriger" zu 1800 Euro Geldstrafe. Dahinter steckt eine ungewöhnliche Geschichte um das eigene Kind.
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Weil sie ihr behindertes Kind den Behörden entzog und nach Bulgarien brachte, handelte sich die 26-jährige Mutter eine Geldstrafe ein. Foto: Peter Steffen (dpa)

Die Geschichte ist kompliziert und alles andere als alltäglich. Alles fängt damit an, dass die 26-Jährige mit ihrem im Jahr 2011 geborenen Kind nach Deutschland kommt. Mit ihrem ebenfalls bulgarischen Lebenspartner bekommt sie 2015 ein weiteres Kind. Das Problem ist: Der Neugeborene ist behindert, die Mutter überfordert. Deshalb schalten sich die Ämter ein. Das Kind wird der Mutter schließlich weggenommen und kommt in eine Pflegeeinrichtung.

Hin und wieder darf die Mutter das Kind für eine bestimmte Zeit haben. Zunächst, so die Vereinbarung, allerdings nur stundenweise. Doch es kommt alles ganz anders. Gleich das erste Treffen im vergangenen November nutzt die 26-Jährige, um sich abzusetzen. Sie schnappt sich ihre beiden Kinder und bricht überhastet in ihre alte Heimat nach Bulgarien auf.

Nicht einmal ihrem Lebensgefährten sagt die zweifache Mutter Bescheid. Er, der die ansonsten mittellose Frau finanziell unterstützt und über Wasser hält, kommt abends nach Hause und findet eine leere Wohnung vor. Panisch und voller Angst, macht sich der Mann umgehend auf den Weg zur Polizei und macht eine Vermisstenmeldung.

Hals über Kopf geflüchtet

Erst danach erfuhr er von der Hals-über-Kopf-Flucht seiner Freundin. Das Ziel der Aktion: Scheinbar wollte die Frau das Kind nicht anderen überlassen. Sie brachte es, so geht aus den Akten hervor, zu dessen Großeltern. Monate später, im vergangenen Frühjahr, machte sie sich, jetzt nur noch mit einem Kind, wieder auf den Weg nach Deutschland zu ihrem Freund.

Informationen über das Wie, Was und Warum sind in diesem ungewöhnlichen Fall eher spärlich. Zu der Verhandlung vor der Kitzinger Strafrichterin wegen "Entziehung Minderjähriger" ist die berufslose Frau erst gar nicht aufgetaucht. Sie befindet sich scheinbar wieder in Bulgarien, vertreten wird sie von einem Anwalt. Die mögliche Hoffnung, dass das Verfahren vielleicht eingestellt werden könnte, zerschlägt sich schnell. "Man kann nicht einfach machen, was man will", bringt es das Gericht auf den Punkt und bleibt dabei: Strafe muss sein.

Gericht verhängt 120 Tagessätze

Auf die Frau kommt jetzt eine größere finanzielle Belastung zu: Für den Kindesentzug gibt es 1800 Euro Geldstrafe, die sich aus 120 Tagessätzen zu je 15 Euro zusammensetzt. Die Höhe der Tagessätze zeigt es ganz deutlich auf: Das Wegbringen des Kindes war alles andere als eine Lappalie.  

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