Kitzingen

Geldstrafe: Bei Übung mit Pferd zu hart durchgegriffen

Aus dem Gericht: Ein 67-Jähriger ging beim Üben mit einem seiner Pferde zu rabiat vor und muss deshalb 2000 Euro Geldstrafe zahlen. Die Einsicht kam aber reichlich spät.
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Weil Übungen mit einem Pferd – hier ein Symbolbild – zu heftig ausfielen, muss ein 67-Jähriger aus dem Landkreis Kitzingen 2000 Euro Geldstrafe zahlen. Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)

Es war angerichtet: Zu dem Fortsetzungstermin hatte sich eine ganze Reihe weiterer Zeugen im Kitzinger Amtsgericht eingefunden. Die Technik stand bereit, um einen mit Handy gedrehten Film zeigen zu können. Zudem wartete eine Gutachterin auf ihren Einsatz. Das Verfahren gegen einen 67-jährigen Rentner, dem Tierquälerei vorgeworfen wurde, drohte zu einem größeren Unterfangen zu werden.

Hatte der Angeklagte im ersten Anlauf noch heftigst protestiert und alles abgestritten, sah plötzlich alles ganz anders aus. Als dem Pferdehalter klar wurde, dass ihm bei einer Verurteilung ein Halteverbot für Tiere drohen könnte, nahmen die Dinge einen überraschenden Verlauf: Ein kleines Rechtsgespräch zwischen Verteidigerin und Staatsanwaltschaft, schließlich noch eine Unterhaltung zwischen Verteidigerin und Angeklagten. Dann stand fest: Der 67-Jährige gibt zu, was ihm in dem Strafbefehl vorgeworfen wird: Er hat eines seiner Pferde eindeutig zu hart angefasst.

Aufregung damals wie heute

Es war im Juli 2018, als sich das Tier in einem Anhänger auf die Nase gelegt hatte. Weil das Pferd daraufhin partout nicht mehr auf den Anhänger ging, schritt der Rentner ein: Zusammen mit drei Bekannten wollte er das Tier dazu bringen, wieder folgsam zu sein. Die etwa einstündige Übungseinheit an dem sehr heißen Juli-Tag zur schlimmsten Mittagshitze lief dann allerdings etwas aus dem Ruder. Hier das Pferd, das sich nichts sagen lassen wollte. Dort ein Quartett, das schob und drückte und mit Besen und Schaufel versuchte, das Pferd endlich wieder auf den Hänger zu bugsieren.

Die Aktion fand unter den Augen ausgewiesener Tierschützer statt, die gar nicht glauben konnten, was sie da sahen: Die Zeugen sprachen von einem erheblichen Leiden des Tieres und davon, dass es geschlagen und getreten worden sei. Die Polizei wurde gerufen, eine weitere Zeugin filmte die Geschehnisse. Die damalige Aufregung hatte auch ein Jahr später kaum nachgelassen, bei der ersten Verhandlung prallten erneut Fronten aufeinander: Ganz furchtbar auf der einen Seite, ganz normal auf der anderen.

"Etwas zu hart zugegriffen"

Dieses "ganz normal" wurde nun im zweiten Anlauf nicht mehr aufrecht erhalten. Über seine Verteidigerin ließ der nicht vorbestrafte Angeklagte wissen, dass er dann doch "etwas hart zugegriffen" habe. Und weil auch bei der Staatsanwaltschaft ankam, "dass es ihm wohl leid tut" und "dass ein solches Verhalten nicht mehr vorkommen wird, musste kein eigenes Urteil her. Der Strafbefehl wurde akzeptiert, es ging nur noch um die Höhe der Geldstrafe: Der Rentner, der nach eigenen Angaben von 900 Euro im Monat lebt, muss für sein rabiates Vorgehen 2000 Euro (80 Tagessätze zu je 25 Euro) zahlen.

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